Was ein Tag der Gegensätze – krasser geht es kaum. Nach Tagen mit stahlblauem Himmel sind wir heute nicht von einem traumhaften Sonnenaufgang, sondern von dichtem Nebel geweckt worden, der sich aber recht schnell verzogen hat. Wir haben auf unserem Balkon bei Affengeschrei gefrühstückt und sind anschließend in Richtung Parkausgang gefahren. Und irgendwie hatten es die Giraffen heute auf uns abgesehen. Wir haben locker 15 Exemplare, meist in Gruppen gesehen. Unglaublich!
Am Parkausgang wäre ich beim fotografieren fast auf ein Warzenschwein getreten, das dort im Schatten geschlafen hat, das wäre peinlich geworden. Außerhalb des Parks hat uns wieder der gewohnt Anblick mit vielen kleinen Hütten und vielen Menschen am Straßenrand begrüßt. So langsam verstehen wir die Mentalität hier. Wenn jemand etwas besitzt (z. B. ein Auto), dann teilt er es mit den anderen, indem er sie mitnimmt. So halten auch ständig normale Autos, um Wartende mitzunehmen. Am Straßenrand waren hier auch Stände mit Ananas aufgebaut, was schon lustig war, denn auf der Autobahn, auf der wir uns mittlerweile befanden, fährt man 120 km/h und bremst nicht mal eben. Während in Deutschland Fußgänger, die die Autobahn überqueren es selbst in die Verkehrsnachrichten schaffen, ist es hier an der Tagesordnung, dass Kinder über die 4-spurigen Fahrbahnen laufen.
Unser Hauptziel war das Shakaland, das ursprünglich für den Film Shaka Zulu gebaut wurde. Kennt einer den Film? Wir bisher nicht! Das Dorf zeigt das Leben zu Zeiten des Kriegers Shaka Zulu und ist richtig toll gemacht. Es liegt an einem See und man kann Touren mitmachen. Andi hatte vorher die Angst, dass es reine Touristenabzocke sei, aber lustigerweise wurde um 14 Uhr eine Tour extra für uns gemacht. Die Darstellenden haben sich immer totgelacht, wenn wir zu zweit mit der Führerin um die Ecke kamen. Es wurde erklärt, wie die Dörfer damals aufgebaut waren, man konnte in die runden Hütten auch rein und dass ein Mann 11 Kühe besitzen musste, sonst durfte er nicht heiraten. Die Führung war echt interessant und hat ca. 45 Minuten gedauert. Ist auf jeden Fall den Abstecher wert gewesen.
Anschließend sind wir zu unserem heutigen Ziel, unserem ersten Abstecher am Meer gefahren. Auf dem Weg nach Umhlanga Rocks ist uns schon aufgefallen, dass mehr Verkehr war, weniger Leute auf der Autobahn standen und die Häuser hochwertiger wurden. Im Ort angekommen, haben wir in der Flamingo Lodge unser Zimmer bezogen (sehr empfehlenswert). Hier haben uns hohe Zäune und Hinweise auf die Sicherheitsfirmen erwartet, aber das ist hier anscheinend normal. Wir haben die Sachen aufs Zimmer gebracht und sind anschließend gleich zum Strand, der traumhaft war. Im Meer lagen unzählige Frachtschiffe, die darauf gewartet haben, in den Hafen von Durban einfahren zu dürfen. Durban ist ca. 20 km weiter südlich und das hier ist das “Ferienzentrum”. Am Strand stehen unglaublich schicke Hotelanlagen und man ist in einer ganz anderen Welt. Nichts mehr von armen Leuten zu sehen, hier sind wir auch nicht mehr als Weiße in der Minderheit, sondern hier mischen sich alle möglichen Kulturen. In Durban gibt es ein richtiges indisches Viertel.
Da es bald dunkel wurde, sind wir in die ca. 1 km entfernte Mall “Gateway – Theatre of Shopping” gefahren. Sie soll eine der größten Südafrikas sein und sie war der Hammer. Wir haben schon viele Malls in den USA oder Australien gesehen, aber die hier war echt mal groß. Auf drei Etagen mit unzähligen Geschäften – und nicht gerade die billigsten. Von Armani über Lacoste und TAGHeuer war alles vertreten und die Leute sind mit vollen Tüten rumgelaufen. Selbst die Parkgebühren fand ich mit 6,50 EUR für 2 Stunden saftig. Hier scheint echt Geld zu stecken. Vor der Tür nur die dicken BMWs, Audis und Mercedes – aber keine Billigmodelle. Wir haben mit die leckersten Pizzen unseres Lebens gegessen und sind dann zurück in die Unterkunft. Es war schon dunkel und da ist es nicht mehr ganz so schlau rumzufahren. Ich habe mir gleich den Laptop geschnappt und losgesprudelt. So viele Erlebnisse an einem Tag. Morgen geht es wieder in die Einöde der Drakensberge, aber der Abstecher hier hat sich mal gelohnt.
