2014 USA Südwesten · Arizona

Bright Angel Trail, Grand Canyon

Für den heutigen Tag kann ich mich nur ganz dick bei der Pharmaindustrie bedanken. Letzte Woche lag ich noch krank im Bett und gestern hatte ich einen richtigen Rückschlag mit Schnupfen, Kopfschmerzen & Co. Für heute stand allerdings die aufregendste und anstrengendste  Tour überhaupt auf dem Programm: der Bright Angel Trail im Grand Canyon. Ich habe mir schon seit Wochen Gedanken gemacht, ob ich körperlich überhaupt in der Lage bin, den Trail ab- und wieder aufzusteigen. Bei Andi mit seiner körperlichen Voraussetzung kein Thema, ich will aber nicht diejenige sein, die zwar runter läuft, aber bergauf mit der Bergrettung transportiert wird. Und dann noch mit nem fetten Schnupfen. Also habe ich mich heute Morgen gedopt ohne Ende und habe die Klappe gehalten. Wir sind zum Sonnenaufgang erst zum Visitor Center gefahren und es war noch ganz schön frisch. P1130597Anschließend sind wir zum Kolb Studio, von wo aus der Trail startet und um 7 Uhr ging es – bepackt mit viel Wasser und Essen – los. Auf dem Trail sind im Abstand von 1,5 Meilen immer Wasserstationen und Toiletten. Mit uns sind einige Leute aufgebrochen und nach kurzer Zeit kamen uns auch schon Leute entgegen, die anscheinend im Canyon übernachtet haben. Eigentlich hatte ich mal davon geträumt bis zum Colorado abzusteigen. Wir haben beschlossen, dass wir einfach unterwegs entscheiden, wie weit wir gehen wollen. Fast der komplette Abstieg lag um die Uhrzeit im Schatten. Erst kurz vorm Indian Garden, einer grüne Oase, die nach 4,5 Meilen kommt, kamen wir in die Sonne – und haben ganz schön deren Kraft unterschätzt. Im Indian Garden mussten wir entscheiden, ob wir weitere 400 Höhenmeter zum Colorado absteigen, oder auf das von oben sichtbare Plateau laufen. P1130605Da wir beide unterwegs ganz schönen Respekt vorm Aufstieg bekommen haben und die Temperatur auch heftig waren, sind wir zum Plateau Point gelaufen. Es ging ein paar km durch die pralle Sonne und man wurde mit einer traumhaften Aussicht belohnt. Man war mitten in der Canyonlandschaft und hat sich winzig klein gefühlt. P1130665Als wir einige Zeit später zurück im Indian Garden waren, haben wir an einem Bach erst mal unsere geschwollenen Füße gekühlt, was einfach nur herrlich war. Der Blick hinter uns auf die riesige Felswand hat es uns echt anders werden lassen und so sind wir um 12 Uhr bergauf gestartet. Einerseits blöd, da wir durch die volle Mittagssonne gelaufen sind. Andererseits konnten wir beide nicht abschätzen, wie lange der Aufstieg dauert. Also haben wir uns von einem Schattenabschnitt zum nächsten gehangelt und bis zum 3-Mile Resthouse ging es eigentlich ganz gut. P1130657Am heftigsten wurde es am letzten Abschnitt. Hier kamen uns lauter Leute entgegen, die halt mal ein paar Meter in den Canyon laufen wollten. Ich kam mir total fertig vor mit meiner hochroten Birne. Andi konnte kaum noch geradeaus laufen, da der Rucksack gefühlt immer schwerer wurde. Ja, und irgendwann waren wir endlich oben und sind völlig verstaubt und verschwitzt durch die Mengen an Tagestouristen gelaufen. Ich kam mir völlig bescheuert vor, als ich nochmal zurück auf die Stelle geschaut habe, wo wir waren und hatte plötzlich keine Ahnung mehr, wie ich die paar Meter zum Auto kommen soll. Wir sind erst mal zurück ins Hotel, um zu duschen und danach hätten wir beide direkt einschlafen können. Aber: wir haben ja gestern den Sonnenuntergang verpasst, so dass wir uns nochmal ins Auto und zum Canyon gequält haben. Laufen ging eigentlich gar nicht mehr. Am Rückweg haben wir uns noch eine Pizza geholt und anschließen sind wir direkt ins Bett gefallen. Insgesamt sind wir 19,8 km gelaufen und haben hinterher gesehen, dass die Strecke als schwierig und mit einem Zeithorizont von 8-12 Stunden angegeben ist. Wir sind um 7 Uhr gestartet und waren gegen 15 Uhr wieder oben.