Wie traurig. Wir mussten uns heute morgen von unserer Traumlodge und dem super netten Personal verabschieden. Dafür, dass wir anfangs dachten, was wir hier zwei Nächte sollen, könnten wir jetzt noch locker länger bleiben. Unser heutiges Ziel heißt Lüderitz und eigentlich hätten wir die C12, die wir hergekommen sind, wieder einige km zurück fahren müssen. Wir haben aber gestern in der Lodge einen älteren allein reisenden Herren kennen gelernt, der die gleiche Tour vor hat und sich mit einigen Leuten hier unterhalten hat. Diese haben ihm gesagt, dass es eine landschaftlich schönere Tour entlang des Oranje River gibt. Wir haben uns die Strecke auf der Karte angeschaut und festgestellt, dass sie schon um einiges länger ist. Aber die Strecke hierher hat uns nicht so von den Socken gerissen, als dass wir sie nochmal fahren müssten.
Also haben wir beschlossen, früher loszufahren und die längere Strecke zu nehmen. Ab ging es weiter gen Süden, in Richtung Ai-Ais. Hier gibt es heiße Quellen zu bestaunen, die wir bei der Hitze aber nicht brauchten und für die wir auch keine Zeit hatten. Viel mehr hatte unser Auto Durst und so haben wir dort getankt. Da es hier nur alle paarhundert km eine Tankstelle gibt, muss man damit sehr sorgsam umgehen. Nach dem kurzen Tankstopp ging es weiter gen Süden. Wir sind erst durch Berge und dann durch unglaubliche Weiten gefahren, wo absolut nichts gewachsen ist. Und spätestens seit gestern hat uns Namibia mit seiner Schönheit gefangen. Die ersten Tage waren wir eigentlich nur von den Übernachtungen begeistert, jetzt definitiv auch von der Landschaft!!!
Viele km später wurde es vor uns plötzlich satt grün – wir waren am Oranje River angekommen. Und so schön hatten wir ihn uns wirklich nicht vorgestellt! Eigentlich hatten wir mit einem dreckig braunen Wasser gerechnet – falsch gedacht. Das Wasser war traumhaft blau und hat sich mit dem Grün der Pflanzen toll von der kargen Bergwelt abgehoben.
Die Straße hat sich ca. 100 km an dem Fluss entlang geschlängelt. Richtig wirklich voran gekommen sind wir aufgrund der Straße und der vielen Fotostopps nicht, aber das war egal. Leider mussten wir den Fluss irgendwann wieder verlassen und sind in Rosh Pinah gelandet, einem kleinen Ort, in dem Zink abgebaut wird. Es herrschte total geschäftiges Treiben und wir haben eine Kleinigkeit zum Mittag gegessen.
Ab hier waren es noch knapp 300 km nach Lüderitz, aber ab hier hatten wir Gott sei Dank auch wieder eine Teerstraße, so dass wir schnell voran gekommen sind. Im Hotel hatten sie uns gesagt, dass die gesamte Strecke ca. 30 Minuten länger ist als die andere – wir haben schließlich 4 Stunden länger gebraucht… In dem Städtchen Aus sind wir gen Westen auf die B4 abgebogen und haben nach wenigen km die berühmten Wildpferde von Gharub einer alten Bahnstation gesehen.
Es sah aus, als würden sie auf den Zug warten. Ich hatte schon öfter gelesen, dass die Straße nach Lüderitz sehr windig sei und man aufpassen müsse wegen Sandverwehungen. Was wir hier aber erlebt haben – unglaublich. Unser komplettes Auto wurde sandgestrahlt, da wir mitten durch die Wüste bei heftigstem Sturm gefahren sind.
Die Straße ist extra so gebaut, dass der Sand nicht liegen bleibt und sich selber reinigt. Aber das muss man mal erlebt haben. In Deutschland würde der Verkehr zum Erliegen kommen! Irgendwann am späten Abend sind wir in Lüderitz angekommen, haben schnell im Hotel eingecheckt und haben die verbleibende Stunde zum Sonnenuntergang noch genutzt, um etwas durch den Ort zu fahren.
Es war total stürmisch und man kam sich vor wie in einer deutschen Filmkulisse aus den Beginnen des 19. Jahrhunderts. Alle Häuser sehen aus wie alte Häuser bei uns, es gibt eine Turnhalle, Fachwerkhäuser usw. Total lustig. Nach Sonnenuntergang haben wir uns noch eine Pizza geholt und sind nur noch total fertig ins Hotel gefahren.
