Was ein ereignisreicher Tag! Nachdem wir heute morgen Rainer (den älteren Herren aus dem Fish River Canyon) beim Frühstück wieder getroffen haben (Namibia ist klein und irgendwie haben viele die gleiche Route, auf der sie reisen) sind wir aufgebrochen nach Kohlmannskuppe.
Der Ort befindet sich ca. 10 km landeinwärts und war früher ein florierender Ort, da hier Diamanten gefunden wurden. Es haben hier ca. 350 Deutsche und 800 Einheimische gelebt. Die Einheimischen haben immer eine gewisse Zeit hier gearbeitet und durften nicht raus, da sie keine Diamanten schmuggeln sollten. Es gab ein Krankenhaus (und das erste Röntgengerät im südlichen Afrika), eine Kegelbahn, eine Turnhalle usw.
Die Stadt hatte Anfang des 19. Jahrhunderts ihren Höhepunkt. Nachdem wir eine Führung mitgemacht haben und einige der besser erhaltenen Gebäude gezeigt und deren frühere Funktion erklärt bekamen, sind wir los und haben so gut wie alle Gebäude auf eigene Faust erkundet. Es ist schon faszinierend zu sehen, wie sich die Natur innerhalb kurzer Zeit alles zurückerobert hat. Durch die Straßen weht bereits früh morgens ein starker Wind und man wird regelrecht mit Sand überschüttet und er dringt in jede Ritze.
Tipp: Die Kameraausrüstung unbedingt in einer Tasche oder mit Plastikfolie schützen und Objektivwechsel möglichst vermeiden. Eine Windjacke ist ratsam, da sich in ihr kein Sand fängt.
Dächer wurden durch den Wind abgedeckt, Holzböden sind eingestürzt, Fenster zerstört und die Häuser mit Sand regelrecht überflutet, so dass teilweise kein Durchkommen mehr ist. Das alles ergibt eine morbide und unheimliche Atmosphäre. Insgesamt hat uns die Kohlmannskuppe an die Geisterstadt Bodie in USA erinnert, nur eben aus einem anderen Jahrhundert. Sehr eindrucksvoll.
Dann sind wir weiter in Richtung Tirasberge gefahren. Unterwegs haben wir noch einmal in Aus vollgetankt und in einem sehr schönen Hotel Cappuchino und Strawberry Cheesecake zu uns genommen.
Sehr lecker aber auch sehr “mastig”. Dann ging es weiter etliche Stunden durch wunderschöne Regionen auf den typischen Schotterpisten, mal gut befahrbar aber auch teilweise mit heftigen Spurrinnen, die das Auto in Richtungen zog, in die man gar nicht lenkte. Aber am heftigsten wurde es ca. 2 km, bevor wir an unserer Unterkunft ankamen. Der Schotter ging in eine dicke fette Sandpiste über, die unser Auto trotz heftigster Anstrengungen immer weiter verlangsamte, bis wir gänzlich zum Stillstand kamen und den Motor abwürgten. Alle Anstrengungen, wie langsam Anfahren, Rückwärtsfahren, Vorderreifen ausgraben usw. führten zu keinem Erfolg, wir steckten buchstäblich im Sand fest!
Tipp: Generell raten wir mittlerweile, Namibia mit einem 4-Wheel-Drive oder zumindest Allradfahrzeug zu bereisen. Diese bieten einfach mehr Reserven in solchen Situationen.
Schließlich kamen wir auf die rettende Idee, unser Sattelitentelefon zu nutzen, um Hilfe in unserer Lodge anzufordern. Gesagt, getan. Satfon eingeschaltet, PIN eingegeben, etwas gewartet und “tüdeldü” hatten wir Sattelitenverbindung!
Andi rief die Lodge an und innerhalb einer halben Stunde kam der Chef persönlich mit einem Angestellten und einem Toyota 4-Wheel-Drive Pickup, um uns abzuschleppen. Die Begrüßung auf der Landstraße war herzlich und nach ein paar Versuchen waren wir freigezogen und fuhren gemeinsam in die Unterkunft.
Das Kanaan N/a’an ku sê Desert Retreat ist einfach aber zweckmäßig angelegt: In den Zimmern gibt es keinen Strom und keine Klimaanlage, auch eine Badezimmertür fehlt komplett.
Trotzdem gibt es einen sehr großen und schön einrichteten Aufenthaltsraum mit Essbereich und draußen eine große Terrasse mit Loungesesseln und Feuerstelle, auf der abends gegrillt wird. Um den Tag gebührend abzuschließen, kletterten wir noch auf eine naheliegende Kuppe, von der wir auf die weite Ebene schauen und den Sonnenuntergang bewundern konnten – gigantisch!
Aber damit war das Abenteuer für diesen Tag noch lange nicht vorbei! Während wir uns zurück in der Lodge mit einem älteren Ehepaar unterhielten, meldete sich bei Sandra der Cheesecake und ein evtl. Sonnenstich zurück. Sie verabschiedete sich wortlos in unser Zimmer und ward den Rest des Tages nicht mehr gesehen. Heftige Übelkeit, Bauchschmerzen und Durchfall wechselten sich ab. Unterbrochen nur durch Schlafen, zwei mal in Ohnmacht fallen und zu guter Letzt Aufschlagen mit der Nase auf der Duschwanne – Platzwunde – aber zum Glück nichts gebrochen! Alle waren sehr hilfsbereit, die Angestellten versorgten Sandra mit Eis zum Kühlen und das ältere Ehepaar mit Tropfen gegen Übelkeit. Hoffentlich geht es Sandra Morgen wieder etwas besser…
