Ich weiß, es nervt langsam, aber: Was für ein Tag! Irgendwie hören die Abenteuer nicht auf…
Heute morgen haben wir in unserer Traumlodge nochmal gefrühstückt, haben uns von unserem Gecko in unserem Zimmer verabschiedet und sind gen Norden aufgebrochen. Die Strecke sollte 5-6 Stunden dauern und war ca. 350 km lang. Erste Station war das 95 km entfernte Solitaire. Eigentlich ist hier nichts, aber es ist ein wichtiger Versorgungspunkt, da sich hier die nord-südliche und die ost-westliche Hauptstraße kreuzen. Es gibt mitten im Nichts eine Tankstelle, einen kleinen Supermarkt und ein Café, in dem es den besten Apfelkuchen Namibias geben soll. Das konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen – allerdings hatten wir gerade gefrühstückt. Also haben wir uns zwei Stückchen mitgenommen und sind weiter gereist.
Die Strecke ging ins Kuiseb-Gebirge und hat sich über den Kuiseb-Pass geschlängelt durch phantastische Landschaft. Wir sind wie durch versteinerte Hügel und Schluchten gefahren, ganz neue Eindrücke auf dieser Reise. Wir haben ein paar Fotostopps gemacht und sind gemütlich weiter gefahren. Generell ist die Strecke viel mehr befahren als die bisherigen Straßen. Das liegt sicher daran, dass viele nur das nördliche Namibia bereisen und den südlichen Teil ausfallen lassen. Da wir jetzt wieder auf die Höhe von Windhoek kommen, nimmt entsprechend auch der Verkehr zu. Mit ihm nimmt leider auch die Anzahl der Autofahrer zu, die bisher noch recht neu auf den Schotterstraßen unterwegs sind.
Kurz nach dem Kuiseb-Gebirge – die Straße ging ellenlang geradeaus, war aber ziemlich aufgerüttelt – hat uns plötzlich ein Auto mit recht hoher Geschwindigkeit überholt und ist direkt vor uns wieder eingeschert. So was macht man hier aufgrund des Schotters und der Staubbildung eigentlich gar nicht. Wenn man unbedingt überholen muss, fährt man noch einige hundert Meter auf der Gegenspur weiter, so dass der Überholte überhaupt noch etwas sieht. Wir haben eine volle Ladung kleiner Steine abbekommen und standen im nichts vor lauter Staub und haben uns über den Fahrer total aufgeregt. Andi hat gebremst und wir haben festgestellt, dass unsere Windschutzscheibe Gott sei Dank nichts abbekommen hat.
Zwei Minuten später kamen wir über eine Kuppe und rechts stand ein Auto in die entgegenkommende Fahrtrichtung. Eigentlich nichts unübliches, denn der Gegenverkehr kommt einem ja rechts entgegen. Auf den zweiten Blick haben wir gesehen, dass die Insassen uns winken und auf den dritten Blick haben wir den Totalschaden des Autos gesehen. Der Typ, der uns vorher überholt hatte, war zu schnell über die Kuppe (er hatte bestimmt 120 km/h drauf), ist auf die Wellblechstraße gekommen, er ist ins Schleudern gekommen, hat sich überschlagen und ist in die Gegenrichtung außerhalb der Straße zum Liegen gekommen. Wir sind stehen geblieben und haben erst mal gefragt, ob ihnen was passiert ist, war aber Gott sei Dank nicht. Das Auto war absoluter Totalschaden und die zwei kamen nicht weiter. Ihr Ziel war auch Swakopmund, wir hatten also die gleiche Richtung. Der Typ hat bei Europcar angerufen und die haben ihn gebeten, wenn möglich nach Walvis Bay zu kommen, dort würden sie ein neues Auto bekommen. Inzwischen hatte noch ein belgisches Pärchen angehalten, die dann das Gepäck der Engländer und unseren 2. Ersatzreifen aufgenommen haben und wir haben die Verunglückten die ca 100 km nach Walvis Bay gefahren. Dort stand von Europcar schon das nächste Auto für die beiden bereit und ich habe auf unserem weiteren Weg nach Swakopmund ständig darauf gewartet, dass die beiden uns wieder überholen. Komische Leute!!! Von den ganzen Eindrücken erschlagen, haben wir beschlossen, die restlichen 30 km bis Swakopmund zu fahren und den Tag ohne weitere Abenteuer ausklingen zu lassen. Wir haben im Central Guesthouse eingecheckt und sind noch gemütlich einen Burger bei “Spurs” essen gegangen, denn Montag ist jetzt bei uns “Spurs-Tag”. Da gibt es zwei lecker Burger zum Preis von einem und letzte Woche haben wir das in Keetmannshoop schon gemacht. Also: wo ist nächste Woche Montag das nächste “Spurs”?
Nach einem traumhaften Sonnenuntergang am Meer sind wir nur noch platt ins Bett gefallen. Hier in Swakopmund kann man eigentlich total viel unternehmen, wir tendieren aber dazu, morgen einen entspannten Tag am Meer zu verbringen. Generell gefällt uns die Stadt hier bisher wirklich am besten. Die Infrastruktur ist toll, sie liegt am Meer, scheint recht sicher zu sein. Mal schauen, was der morgige Tag so bringt. Vielleicht kommt Andi auf die Idee, unseren Wagen zu putzen. Der sieht aus wie Hulle und jeder, der ihn kennt, würde es wundern, dass er überhaupt in so einen Wagen einsteigt
. Der komplette Innenraum ist mit einer dicken Staubschicht zu. Bis wir den Wagen abgeben, ist bestimmt nichts schwarzes von der Armatur mehr zu sehen. Das ist Urlaub in Namibia!
