Sehr früh sind wir heute morgen aufgebrochen. Um 4.45 Uhr haben wir auf total leeren Straßen Puerto Varas verlassen und sind gen Süden aufgebrochen.

Um 6 Uhr fuhr der erste Fähre von La Arena nach Caleta Puelche und wir hatten Glück und sind mit gekommen. Man kann sie nicht vorbuchen und daher war nicht klar, was dort los ist und ob wir mit kommen.

Kaum nachdem wir das Schiff verlassen haben kam eine Baustelle und im Regen ging es auf matschigen Pisten weiter. Wir waren das erste mal froh, dass wir ein Allrad Auto haben, das die Straße super gemeistert hat. Die einzige, die angespannt war, war ich – Andi hatte totalen Spaß…. Ein paar Kilometer weiter die nächste Baustelle und wir haben eine gefühlte Ewigkeit vor einem Stopschild verbracht, da wir den Gegenverkehr abwarten mussten. Dabei lief uns die Zeit weg, denn um 9 Uhr fuhr die nächste Fähre, wir hätten eigentlich zwei Stunden vorher da sein müssen und hatten nur noch eine. Wir hatten die Hoffnung, dass andere in der wartenden Schlange vor dem Stop Schild auch davon betroffen waren. Letztendlich ist die Fähre erst um 9.15 Uhr gefahren, weil sie tatsächlich noch auf das letzte angemeldete Auto gewartet hat. Hier ist das Leben härter, aber entspannter. Wege dauern halt und man muss Zeit mitbringen.
Die Natur ist hier schon komplett anders. Während gestern Weideland mit weiten Wiesen und großen einzelnen Bäumen zu sehen waren sind wir hier schon mitten im Regenwald. Hier gibt es eine Art Riesenrhabarber, der riesige Blätter und Stengel hat, Nalcas genannt. Je südlicher man kommt, umso riesiger werden auch die Farne und umso dichter der Wald.

In Hornopiren angekommen sind wir in das Büro der Schiffgesellschaft gestürmt und haben dort unsere Tickets bekommen, mit denen wir auf das Schiff dürfen. Die Fahrt hatte take off Reisen bereits für uns vorgebucht. Die Fähre hier ist gut ausgelastet, denn sie verbindet einen Teil der Carretera Austral, auf der wir uns bereits verbinden. Viele Teile von Chile sind nur per Schiff erreichbar, da es keine durchgängige Straße gibt. Und wenn man morgens um 9 Uhr die Fähre nicht bekommt, kommt man am nächsten Tag erst weiter. Riesige LKWs wurden neben uns verladen… Wir fahren von hier aus vier Stunden bis nach Caleta Gonzalo, wo wir uns bereits im Parque Pumalin befinden. Dieser ist ein riesiges Naturschutzprojekt welches von dem Mitbegründer von The North Face und Mitbesitzer von Esprit, Douglas Tompkins, gegründet wurde. Er hat, als er die Anteile an den Unternehmen verkaufte, jahrelang sämtliche Grundstücke in der Region aufgekauft und so verhindert, dass an der Natur Raubbau betrieben wurde. Er hat damit aber auch den Ausbau der Straße verhindert. Mittlerweile ist er verstorben und hat hinterlassen, dass eine Straße durch sein Land gebaut werden darf. Bis das aber realisiert ist wird es noch viele Jahre dauern…

Nachdem es bei dem Wetter auf der Fährfahrt doch etwas unruhig war, haben wir uns ein paar Tabletten gegen Seekrankheit eingepfiffen mit dem Ergebnis, dass wir total müde geworden sind. In Caleta Gonzalo angekommen haben wir unsere süße kleine Cabana bezogen und haben uns erstmal eine Runde aufs Ohr gehauen. Draußen war Dreckwetter (Regen und Sturm) und wir waren müde ohne Ende. Ausser wenn das Schiff kommt ist es hier total ruhig.

Der nächste Ort Chaiten liegt 57 km entfernt und außer den Cabanas und dem Cafe gibt es hier nichts. Nach und nach haben sich die restlichen sechs Cabanas noch gefüllt, ein Teil der Leute waren völlig durchnässte Motorrad- und Fahrradfahrer. Die haben mir echt leid getan, auf der anderen Seite sind wir hier im Regenwald – und da regnet es halt auch ab und zu.
