Heute morgen hat mich ein ganz komisches Geräusch geweckt: Andis Wecker. Das Geräusch kannte ich nicht, denn den stellt er eigentlich nie. Ein Blick auf die Uhr: 5 Uhr. Ich habe ihn stirnrunzelnd angeschaut. Seine Antwort: Sonnenaufgang gucken. Er ist also raus, ich habe mich umgedreht und habe weiter geschlafen. Einige Zeit später bin ich wieder wach geworden: 6.30 Uhr. Andi stand strahlend und frisch geduscht vor meinem Bett und hat von seinen Zeitrafferaufnahmen vom Sonnenaufgang erzählt und dass er Luis, einen Arzt aus Sao Paolo kennen gelernt hat, der mit 2 Kumpels eine Motorrad Tour macht und in den letzten Tagen vom Schnee überrascht wurde. Na, guten Morgen auch.
Zum Frühstück haben wir heute und die letzten Tage ganz viel Calafatemarmelade gegessen. Die Beere wächst hier und es heißt, wer sie isst kommt nach Patagonien zurück. Also rein damit😄.

Beim Auschecken habe ich gemerkt, was wir letzte Woche in Argentinien für ein Schnäppchen gemacht haben: wir haben in El Calafate Wäsche waschen lassen und haben für Unterwäsche umgerechnet 0,20 Euro und für Hosen und Pullis 1,30 Euro gezahlt. Insgesamt haben wir ca. 9 Euro für einen Beutel voller Klamotten gezahlt. Hier lag auch ein Zettel für die Wäscherei und sie wollen 6 Euro pro Hose haben! Klar, wir sind irgendwo im nirgendwo, aber das fand ich echt heftig…

Ziemlich früh sind wir dann aufgebrochen in Richtung Puerto Natales. Es war überhaupt kein Wind und so haben wir mehrfach die Chance genutzt, die Drohne in die Luft zu schicken und wir haben tolle Aufnahmen bekommen.

Ca. 30 km vor unserem Ziel liegt ein nationales Monument, die Höhlen des Milodon. Es sind verschiedene Höhlen, in denen laut Ausgrabungen früher ein Milodon gelebt hat. Es war ein Urzeittier, das ausgestorben ist und größer als ein Bär war. Entdeckt wurden die Überreste vor vielen Jahren von einem Deutschen.

Auf dem Gelände konnte man noch zu einem Aussichtspunkt laufen – 500 m gerade den Berg hoch. War total anstrengend in der heutigen Wärme, hat sich aber absolut gelohnt. Im Vordergrund hat man die ersten Fjorde gesehen im Hintergrund die Berge. Toll!

Uns ist heute morgen aufgefallen, dass wir seit über zwei Wochen keinen Fernseher mehr hatten. Dann haben wir festgestellt, dass wir den ganzen Tag Fernseh gucken in der Natur und ihn echt nicht vermissen.

Ein paar Kilometer weiter sind wir abgebogen und sind zu ein paar unscheinbaren riesigen Gebäuden gefahren. Hätten wir nicht gewusst was hier ist, wären wir vorbei gerauscht. In Puerto Bories war früher ein riesiger Schlachthof für Schafe. In dem 1913 erbauten Komplex wurden massenhaft Schafe geschoren, die Wolle wurde gewaschen und das Fleisch der Schafe gefroren nach Europa verschifft. In den 70er Jahren wurde die Anlage wieder aufgegeben und steht seit dem unter Denkmalschutz. Seit 2011 hat das Luxushotel The Singular in den alten Hallen eröffnet und es ist ein echtes Erlebnis, es zu besichtigen. Man kommt oben in einer alten Halle an, wo ein Glaskasten eingebaut ist, was eine Art Rezeption ist. Mit einer Bahn fährt man dann in einen unteren Teil, wo die richtige Rezeption ist und man durch alte Lagerhallen auf einem Steg ins Restaurant und die Bar kommt. Wir waren total geplättet, wie die alten Bereiche erhalten geblieben sind, sich aber total stylish und gemütlich alles Neue einfügt. Die ganzen alten Dampfmaschinen, Motoren, der Steg, wo die Schiffe damals angelegt haben – echt faszinierend. Wir konnten uns aussuchen, entweder Eintritt zahlen oder in die Bar gehen und etwas konsumieren und so haben wir einen Cappuccino und ein Stück Kuchen im 5 Sterne Hotel zu uns genommen. Lecker!

Am frühen Nachmittag waren wir dann in Puerto Natales.
Nachdem wir uns kurz ausgeruht haben, sind wir zu Fuß in den Ort und waren erstaunt, dass der größer und schöner war, als wir ihn uns vorgestellt haben. Nach ein paar Besorgungen haben wir eine super leckere Pizza gegessen (meine hieß „La Sandra’s favorita“ – ich hatte also keine Wahl😂).

Hier ist absoluter Sommer und die Chilenen stehen Schlange vor den Eisdielen. Von der Kirche wird über Lautsprecher Musik in den naheliegenden Park gespielt und Familien sitzen auf dem Rasen und sonnen sich. Dafür gibt es in den Geschäften alles rund ums Thema Weihnachten – das passt gar nicht zusammen.
Wir haben das Auto betankt und etwas sauber gemacht, denn es hat in den letzten Wochen echt Dreck abgekriegt und wir sollen es in „ordentlichem“ Zustand zurück geben – was immer das auch heißt. Zurück geben werden wir es morgen in Punta Arenas. Dort wird der nächste Teil unserer Reise starten: wir werden für 4 Nächte auf der „Ventus Australis“ einchecken, einem Expeditionsschiff, das uns durch die Magellanstrasse bis nach Kap Horn und dann nach Ushuaia in Argentinien bringen soll. Für uns ist es das erste Mal, dass wir auf so ein Schiff gehen und wir sind sehr gespannt!
Unser Hotel heute liegt direkt am Ufer des Fjords. Abends sammeln sich hier alle möglichen Leute, um den Sonnenuntergang über dem Wasser zu genießen. Coole Stimmung…

Wir waren am Ende des Tages froh, dass wir den Tag nicht mehr für den Nationalpark gebraucht haben, denn wir haben auch so sehr viel gesehen und erlebt.
