2019/2020 Neuseeland

Über die Desert Road bis Wellington

Ich habe die letzten Tage ständig überlegt, an was mich die ganzen blubbernden und dampfenden Stellen hier erinnern und gestern Abend hatte ich den Geistesblitz: an den Drachen Poldi aus „Hallo Spencer“. Der ist in meiner Kindheit immer vor lauter kleinen dampfenden Vulkankratern herum gesprungen. Musste ich gestern erstmal googeln und wir haben uns weggeschmissen vor Lachen. Als Kind war das toll und ist es heute noch!

Nachdem sich gestern Nachmittag der Himmel zugezogen hatte, haben wir echt einfach mal nichts gemacht. Heute morgen hat uns die Sonne wieder empfangen und so sind wir auf der SH 1 weiter gen Süden gefahren. Die Straße durchquert Neuseeland einmal komplett über beide Inseln von oben nach unten. Sie ist in der Regel eine einspurige Straße, aber man kommt auf ihr am besten voran, auch wenn hier der meiste Verkehr ist. Auf allen Nebenstraßen ist man zwar alleine unterwegs, durch die vielen Kurven kommt man aber kaum voran. Generell haben wir festgestellt, dass wir ohne vorherige Planung wahrscheinlich immer noch irgendwo unterwegs hängen geblieben wären. Man kann sich von allem nur einen kleinen Eindruck holen. Überall wo wir waren, hätte es noch so viel mehr zu sehen gegeben…

Die SH 1 heißt ab jetzt auch Desert Road. Sie führt bis auf über 1000 m Höhe und ist im Winter oft gesperrt, da es meterhohe Schneeverwehungen gibt. Wir haben uns aus der Ferne schon gefragt, warum der Himmel vor uns so komisch ist. Eigentlich war er total blau, es lag aber komischer Dunst in der Luft. Dass es der Rauch aus Australien war, konnten wir nicht glauben. Ein paar Kilometer weiter haben wir die Antwort bekommen. Der Sturm hat den ganzen Sand hier in die Luft transportiert und man ist durch dichte Sandverwehungen gefahren. Rechts lagen die großen Vulkane Mt. Ngauruhoe, Mt. Ruhapeu und Tongario.

Die Gegend ist bestens bekannt aus den „Herr der Ringe“ Filmen und hat als Drehort für Mordor gedient. Wenn man die krassen Bedingungen hier oben erlebt, können einem die Schauspieler fast leid tun. Die Berge dienen im Winter als Skigebiet, im Sommer kann man hier berühmte Wanderungen unternehmen. Mit einem Lift kann man auf 2.300 m hoch fahren, der war heute und viele andere Tage aber wegen Sturm geschlossen. So ein bisschen fühlen wir uns wie in Patagonien wegen des Sturms. Wir hatten im Internet gelesen, dass man auf keinen Fall am Straßenrand halten soll, um Bilder zu machen, da es da schon zu schweren Unfällen gekommen ist. Es gäbe super Aussichtspunkte, von denen aus man die beste Sicht hätte… Wir haben genau einen Aussichtspunkt gefunden und waren schon etwas enttäuscht. Eine alte Frau hat neben uns gehalten und gefragt, aus welcher Richtung wir kommen. Sie hatte Angst, dass sie in ihrem kleinen Auto weg fliegt und es nicht weiter schafft… Wir sind der SH1 weiter gefolgt und sind durch schöne Landschaften gekommen, allerdings konnten wir wieder nirgends halten. Wenn mal ein Parkplatz ausgeschildert war, war er zugewachsen und man hat gar nichts gesehen. Da müssen die Kiwis echt noch lernen… Wir haben die Entscheidung getroffen, von der Hauptroute abzubiegen und sind einer Panoramaroute gefolgt.

Hier war außer uns hat keiner und wir konnten halten, wo wir wollten. Gefühlt ist der Sturm aber immer noch stärker geworden.

An der Reaktion der Umgebung hat man gesehen, dass er hier nicht normal ist, denn überall sind Äste und Blätter von den Bäumen gefallen – das ist in Patagonien nicht passiert.

In Palmerston North haben wir eine Mittagspause eingelegt, bevor es weiter nach Wellington ging. Hinter der Stadt hat sich die Landschaft wieder in weites Land geöffnet. Wir hatten die Berge verlassen und es ging zügig voran. Am Straßenrand konnte man wieder Früchte aus eigenem Anbau kaufen und die von den Kiwis benannten „Weihnachtsbäume“ haben wieder rot geblüht. Sie waren tatsächlich noch schöner am Blühen als im Norden. Hinter Paekakariki ging die Straße direkt am Meer entlang und wir haben den Sturm in der Brandung gesehen.

Fette Wellen sind gen Ufer gekommen, ein tolles Bild. In Richtung Wellington hat der Verkehr wieder deutlich zugenommen, aber in entgegengesetzter Richtung.

Es war Feierabend und so sind alle aus der Hauptstadt in die Vororte gefahren. Da der Himmel mittlerweile stahlblau war, sind wir am Hotel vorbei und zum Mount Victoria Lookout gefahren.

Von hier oben hatte man einen traumhaften Blick auf die Stadt, den Hafen, den Flughafen und das Meer.

Unterhalb vom Lookout liegt ein Wald, in der auch seine Szene von „Herr der Ringe“ gedreht wurde. Da wir schon in der Nähe waren, haben wir hier auch nochmal Halt gemacht.

In der Zeit, wo wir da waren, haben noch 5 andere Leute die Stellen vom Filmdreh gesucht – und das so viele Jahre nach dem Film.

Gegen 20 Uhr waren wir im Hotel, wo wir zwei Nächte bleiben werden und uns morgen die Stadt anschauen, bevor wir übermorgen schon mit der Fähre zur Südinsel übersetzen. Wellington hat uns auf den ersten Blick heute richtig gut gefallen und uns ein bisschen an San Francisco erinnert mit seinen hügeligen Straßen und viktorianischen Häusern. Sind gespannt auf morgen!