2019/2020 Neuseeland

Quer über die Insel nach Westport

„Peng“ hat’s heute morgen gemacht und unser Traum, mit Delphinen zu schwimmen, ist geplatzt. Als um 4:30 Uhr unser Wecker ging, haben wir draußen schon den Wind gehört. Hatte sich die letzten Tage anders angehört und musste stärker sein. Dafür hat es nicht, wie gemeldet, geregnet. Also haben wir uns fertig gemacht, unsere Tabletten gegen Seekrankheit eingeworfen und los ging es. Als wir bei dem Büro ankamen, ist gerade ein Bus weg gefahren, was mir schon komisch vorkam. Als wir rein kamen, wurden wir aufgeklärt, dass die Tour abgesagt wurde aufgrund des Wellengangs. Draussen wären 2m hohe Wellen und sie könnten die Leute nicht ins Wasser lassen, geschweige denn wieder raus holen. Ich hätte heulen können, konnte es aber natürlich auch verstehen. Wir hätten uns auf eine Warteliste setzen lassen können oder das Geld zurück bekommen. Da wir ja heute weiter reisen, hat Warteliste keinen Sinn gemacht. Also haben wir uns die Erstattung zurück geholt und waren um 5.30 Uhr wieder in der Wohnung… Wir haben als erstes den Laptop aufgeklappt und für den 24.1. in der Nähe von Christchurch eine Alternative gebucht – die hier mit der Masse der Delphinen in Kaikoura aber definitiv nicht mithalten können wird. Aber wie war das: meistens wird’s gut, wenn die Erwartungen nicht so hoch sind… Und seekrank werden wir heute Dank der eingeworfenen Medikamente auf Neuseelands Straßen auch nicht! Um halb 8 Uhr, als das Office geöffnet hat, haben wir die Unterkunft verlassen und sind ins Landesinnere abgebogen. Der Himmel war wolkenverhangen und so sind wir die kurvenreiche Strecke durch grüne hügelige Weideflächen gefahren. Laut Wetterbericht sollte bei unserem Ziel Westport die Sonne scheinen, also mussten die Wolken ja irgendwann auflockern. Und tatsächlich: nach ca. 100 km war blauer Himmel zu sehen und die Sonne hatte uns wieder.

Und wie das mit Sonnenschein so ist: die Landschaft war plötzlich ein Traum.

Die folgende Strecke fanden wir beide, von den direkten Küstenstraßen abgesehen, die bisher Schönste auf der Tour.

Es ging durch tolle Wälder, wurde immer bergiger, breite Flussläufe haben sich im Tal entlang geschlengelt und man konnte überall stehen bleiben.

Einfach wilde Natur. Wir haben die Drohne mehrfach in die Luft geschickt, haben an einem Bächlein die restliche Pizza von gestern gegessen und es war herrlich.

Ein bisschen hat es den blöden Tagesanfang vergessen lassen. Hinter dem Lewis Pass haben wir eine coole Hängebrücke entdeckt, die wir natürlich erstmal ausprobieren mussten.

Und wir haben unser Anti- Mückenzeug rausgeholt, weil wir fast aufgefressen wurden von den Biestern. Andi war an beiden Armen komplett blutig. Dem Buller River, der immer breiter wurde, sind wir bis Westport zu seiner Mündung ins Meer gefolgt. Als wir an der Westküste ankamen, hat uns sofort der Sturm wieder begrüßt.

Man konnte richtig bis an die Spitze der Flußmündung fahren und ich hatte etwas Schiss, dass unser Auto umgeworfen wird vom Wind. Dem Treibgut am Strand zu urteilen ist hier öfter so Wetter.

Man muss aber dazu sagen, dass es sich bei Treibgut hier ausschließlich um Holz und Seegras handelt. Wir haben auf unserer gesamten Reise bisher keinerlei Müll an Stränden gefunden, nicht eine Plastikflasche. So ein sauberes Land haben wir noch nie bereist!!! Auch in Straßengräben findet man keinerlei Müll – und das nicht, weil überall Schilder stehen, sondern weil es anscheinend selbstverständlich ist. Da wir heute auf knapp 300 km nur durch 3 Ortschaften gekommen sind, haben wir vorsichtshalber die nächste Tankstelle angesteuert. Wir sind zwar ab morgen wieder auf der Hauptroute unterwegs, aber man weiß ja nie. Unsere Unterkunft liegt nicht in Westport, sondern auf der anderen Seite des Flusses, in Carters Beach. Der Vermieter hat uns ein kostenloses Upgrade gegeben und so haben wir eine tolle Wohnung mit Blick auf einen Golfplatz und riesigen Fenstern. Wir sind in ein Restaurant am Strand, wo man windgeschützt in der Sonne saß und haben lecker gegessen. Die Bedienung hat erzählt, dass eigentlich gerade die Hölle los wäre, dieses Jahr das Wetter aber verrückt spielt und deshalb trotz Ferien nichts los sei. Normal wären 25 Grad ohne Wind, aktuell sind es 20 Grad mit viel Wind. Unser Vermieter hat erzählt, dass der Fluss, dem wir gefolgt sind, normal türkises Wasser hat, aber aufgrund des vielen Regens in letzter Zeit so braun ist. Wir scheinen anscheinend alles richtig gemacht zu haben, denn viel Regen haben wir noch nicht gesehen… Zurück in der Unterkunft waren wir echt platt für den Tag.