Heute früh bin ich wieder von der Sonne geweckt worden. Da für nachmittags Regen voraus gesagt war, habe ich Andi rausgeschmissen, wir haben zusammen gepackt und los ging’s. Zuerst sind wir durch das neue Tunnelsystem nach Tau gefahren. 19,8 km führen sie 290 m unter dem Meer entlang und der Tunnel ist somit der tiefste Unterwasserstraßentunnel der Welt. Irgendwann kommt man auf der anderen Seite raus und man hat von der Besonderheit nicht viel mitbekommen außer, dass man mal steil bergab und wieder bergauf in einer Röhre gefahren ist. Weiter ging es in Richtung Preikestolen. Eine krass abfallende Felswand ragt über den Lysefjord und will erwandert werden. Vor einigen Wochen, als die Grenzen wieder geöffnet wurden, kam die Attraktion sogar in den deutschen Nachrichten, da auf einen Schlag so viele Leute her wollten, dass alles verstopft war und die Zugangsstraßen gesperrt wurden. Heute war deutlich weniger los und wir haben bequem einen Parkplatz bekommen. Nachdem wir die Wanderschuhe angezogen haben ging es los – und ich hätte nach genau 4 Minuten umdrehen können. Wer mich kennt weiß, dass ich Frühsport hasse und es ging gleich so steil bergauf, dass ich gepustet habe wie ein Maikäfer… Na ja, aufgeben gilt nicht, daher ging es weiter und es war gut, dass wir nicht wussten, was uns noch erwartet.

Über tausende Steine und Felsen ging es fast 4 km bergauf durch Wälder, Sümpfe und die pralle Sonne.

Die Oberschenkel wollten irgendwann echt nicht mehr und wir wurden wieder mal bestätigt, dass man mit so Reisen nicht warten sollte, bis nix mehr geht.

Die Landschaft um uns wurde immer spektakulärer und irgendwann haben wir ihn vor uns gesehen – den Preikestolen.

Tatsächlich war die steile Felswand schon extrem höher, als man es von Bildern einzuschätzen wusste. Die Felswand fällt senkrecht 604 m in den Fjord ab. Da wir geschwitzt waren und es hier oben echt stürmisch war, waren wir froh, unsere Jacken dabei zu haben. Nach einer Stärkung sind unsere Kameras heiß gelaufen.

Andi ist noch ein Stück weiter hoch geklettert und hat noch tolle Aufnahmen gemacht.

Der Wetterbericht hatte für nachmittags Regen vorhergesagt und um uns rum ist es schon sehr dunkel geworden. Daher habe ich zum Rückzug geblasen, denn ich hatte Schiss, dass die ganzen Steine und Felsen glitschig werden und wir nicht mehr wirklich zurück kommen. Kurz nach Beginn des Rückweges hat es dann auch angefangen und wir haben Gas gegeben. Die Steine wurden tatsächlich total glitschig und wir sind ab und zu ordentlich ins Rutschen geraten. Kurz vorm Parkplatz hat es angefangen zu schütten und wir fanden heftig, wie viele Leute jetzt erst aufgebrochen sind in Regenklamotten. Da hätte uns keiner motivieren können!!! Da wir auf dem Parkplatz total schief standen und das für die Benutzung eines Womos nicht von Vorteil ist, sind wir zurück gefahren. Unterwegs hatten wir einen Parkplatz gesehen und da haben wir uns erstmal trocken gelegt, einen Kaffee gekocht und Kriegsrat gehalten, wie es weiter geht auf unserer Tour. Da wir ausnahmsweise echt mal nix geplant haben (aktuell sehr komisches Gefühl), haben wir Google Maps und den Reiseführer rausgeholt und geguckt, wo wir hin wollen. Auf dem Parkplatz gab es wieder eine komplette Entsorgung und Frischwasser und so haben wir unser Brackwasser abgelassen und 40 Liter frisches Wasser aufgeladen. Und dann ging es weiter in Richtung Berge. Gott sei Dank hatte es aufgehört zu regnen.

Auf einer ganz toll ausgebauten Straße sind wir durch die Bergwelt vorbei an unzähligen Seen bis zur Fähre nach Hjelmelandsvagen. Wir haben an der Fähre geguckt wie oft sie fährt und sind dann noch einen Kilometer weiter zu einem Stellplatz. Und der war der Traum schlechthin.

Mit Blick direkt auf das Wasser stehen wir heute Nacht, außer uns nur ein weiteres deutsches Pärchen, die auch eine Drohne im Gepäck haben… Wir haben ein paar Eier in die Pfanne gehauen und uns gestärkt. Anschließend sind die Kameras zur Höchstform aufgelaufen. Der Himmel war abwechselnd schwarz und blau, die Fähren kreuzen ständig die Bucht, ein tolles Schauspiel.

Wir haben mit dem anderen Pärchen noch etwas gequatscht und sind dann todmüde ins Bett gefallen.
