2020 Norwegen

Tag des Gases oder unser Tag an der Tankstelle

Heute früh beim Aufwachen hat es nicht nur geregnet, es war auch eisig kalt. Festzustellen, dass die Heizung nicht mehr ging, war das einfachste. Aber warum ging sie nicht mehr. Das Display hat mehrere Fehlermeldungen gezeigt, die uns erstmal ein bisschen Angst gemacht haben. Wir haben beschlossen zu gucken, ob wir überhaupt noch Gas haben. Vorgestern war noch viel da, aber danach haben wir erst die Heizung angeworfen… Während ich im kuschelig warmen Bett geblieben bin, ist Andi in den kalten Regen raus und tatsächlich: beide Flaschen leer! Also ist er zur Rezeption gelaufen, um dort evtl. neues Gas zu kaufen. Leider hatten die keins, haben Andi aber darauf hingewiesen, dass Norwegen andere Gasflaschen als Deutschland hat und die evtl. nicht passen. Die Info hat uns ein bisschen geschockt, denn bei der Übergabe vom Womo wurde uns gesagt, dass wir in ganz Europa die Flaschen einfach tauschen können. Der Aussage haben wir vertraut – schließlich sind sie das Fachgeschäft mit viel Erfahrung. War wohl ein Fehler. Der Mensch am Campingplatz hat uns an die Tankstelle im Ort verwiesen. Also haben wir zusammengeräumt und sind zur Tankstelle. Und tatsächlich, hier gab es massig Gasflaschen, aber die Anschlüsse haben wirklich nicht gepasst. Google hat uns gesagt, dass es dafür Adapter gibt, leider nicht hier.

Wir waren etwas gefrustet und haben im Internet herausbekommen, dass es in Norwegen an ein paar Stellen Auffüllanlagen mit Adaptern für deutsche Flaschen gibt. Die nächsten liegen 3 Stunden Fahrt in den Norden oder 2 Stunden Fahrt in den Süden. Eigentlich wollten wir ja noch eine Nacht hier bleiben, aber bei der Kälte ohne Heizung, warmes Wasser und Herd!? Keine Option. Da auch nur die Route Richtung Süden Sinn macht und wir auf Bildern von der Tankstelle einen Apparat gesehen haben, der so eine Auffüllstation sein könnte, ist der Entschluss gefallen, nach Süden aufzubrechen. Also sind wir zurück zum Campingplatz, haben ausgecheckt, das Geld für die 2. Nacht wieder geholt und sind dann nochmal in den Ort, um einen Kaffee zu holen.

Eigentlich wollten wir hier ja ein bisschen shoppen, die Läden hatten aber fast alle zu. Ohne die Kreuzfahrschiffe ist der Ort komplett ausgestorben. Ein Erlebnis, das man in den letzten Jahren hier wahrscheinlich nur aus dem tiefsten Winter kennt. Hier steht Zeug für die Kreuzfahrer ohne Ende rum: 2sitzer Elektroautos, Mietwagen, Boote usw. Trotzdem habe ich ein paar dicke norwegische Hausschuhe erstanden!

Andi hat gestern schon gefragt, was hier an dem Fjord so toll sein soll. Wir hätten auf der Tour schon schönere Ecken gesehen. Ich glaube, wenn hier nur ein Schiff gelegen hätte, wäre er gleich weitergefahren. Na ja, tun wir ja jetzt auch so. Über viele Serpentinen ging es wieder bergauf und aus dem Tal heraus. Überall sind wieder Wasserfälle die Berge hinunter gestürzt und es hatte wieder frisch geschneit. Tatsächlich hat Andi erstmal geschaut, ob wir Sommerreifen drauf haben, aber es waren M+S Reifen.

Nach ca. 20 km hat der Regen aufgehört. Wir sind an verschiedenen Tankstellen vorbei gekommen, aber alle hatten nur die norwegischen Gasflaschen. Irgendwann haben wir die Strecke von gestern gekreuzt und die Aufregung wuchs, ob wir in Vagamo tatsächlich unsere Flaschen auffüllen können. Als wir gegen Mittag auf die Tankstelle zugefahren sind, haben wir schon von weitem das Teil zum Auftanken gesehen. Voller Erleichterung sind wir rein und haben die Bestätigung bekommen, dass man hier die deutschen Flaschen auftanken kann. Der Haken wäre, das könne nur der Chef und der ist nicht da. Die Angestellte hat versucht, ihn telefonisch zu erreichen, leider ohne Erfolg. Da es hier ein Restaurant gab und ich eh nix kochen konnte ohne Gas, haben wir Cheeseburger mit Pommes ausgesucht. Gute Nervennahrung! Der Chef hatte sich immer noch nicht gemeldet und war auch noch nicht erreichbar. Also hieß es warten… Nach ca. 2 Stunden und mehrfachen Anrufversuchen bin ich zu Fuß zu der 2. Tankstelle im Ort gelaufen. Die hatten aber wieder nur die norwegischen Flaschen.

Als ich zurück kam, war von dem Chef immer noch nichts zu hören. Wir haben gegoogelt, dass es eine weitere Stunde südlich noch so eine Auffüllstation gibt. Andi hat angerufen, ob das da geht und ob jemand vor Ort ist. Er ist in einer Zentrale gelandet und die haben kurz danach zurück gerufen, dass die Tanke nicht besetzt ist. Also auch keine Option. Um 15.30 Uhr kam die Angestellte, der Chef habe gerade zurück gerufen und wäre in 15 Minuten da – Erleichterung! Tatsächlich kam er dann um 16.30 Uhr und hat uns in kürzester Zeit die Flaschen gefüllt.

Wir haben auch gleich beide füllen lassen, nicht dass wir nochmal in so eine Situation kommen… Die Fehlermeldungen waren dann auch Gott sei Dank verschwunden und so sind wir endlich hier weg gekommen. Die Angestellte hatte so ein schlechtes Gewissen, dass es so lange gedauert hat, dass sie uns beiden ein Eis geschenkt hat – sehr nett! Während der Stunden des Wartens haben wir gesehen, dass es in den nächsten Tagen an der Küste wieder schön werden soll und so haben wir beschlossen, doch noch Bergen anzusteuern. Also ab in die Richtung. Der erste Teil der Strecke hat uns über das traumhafte Hochplateau von vorgestern geführt. Da wir aber in die andere Richtung gefahren sind, fanden wir das überhaupt nicht schlimm.

Die Rentierherde hat wieder an der Stelle von vorgestern auf uns gewartet und wir sind wieder nicht schnell voran gekommen, da man sich nicht satt sehen konnte. Die Drohne war mehrfach im Einsatz, trotz des heftigen Windes. Da wir aber wissen, was sie in Patagonien geleistet hat, hatten wir da keine Bauchschmerzen. Gegen 20 Uhr haben wir beschlossen, dass es für heute reicht und sind auf einen kleinen Campingplatz an einem See gefahren. Hier waren außer uns noch 3 andere Womos und wir haben uns direkt ans Wasser stellen können. Viel schöner als am Geiranger.

Aber hier hat die letzten Stunden auch die Sonne geschienen. Klar, dass einem das besser gefällt. Wir haben heute festgestellt, dass einem bei der Landschaft in Norwegen das Herz aufgeht wenn die Sonne scheint. Wenn es regnet ist das Land dunkel und erdrückend und der Weg zur Depression kein weiter…