2020 Norwegen

Zurück an die Südküste

Heute morgen sind wir durch Hämmern aufgeweckt worden. Als wir letzte Woche hier waren, war eine Bodenplatte von einem neuen Gebäude zu sehen. Gestern standen schon die Holzständer für das neue Haus und heute, am Freitag, gingen die Bauarbeiten weiter. Wir haben unseren „flüssigen Abfall“ entsorgt und los ging es. Wir sind wieder in einer Höhe gelandet, wo keine Bäume mehr wachsen und alles karg ist. Andi hat die Drohne wieder in die Luft geschickt und tolle Aufnahmen gemacht.Ein paar Kilometer weiter waren Tunnelarbeiten und so durfte der Verkehr immer nur einspurig die Straße am Tunnel vorbei befahren. Hieß erst längeres Warten und dann eine tolle Straße außerhalb des Tunnels leider in einer Kolonne fahren. Ausgebremst wurden wir nur durch die Schafe, die mal wieder gelangweilt auf der Straße rum lagen.Dann fing es an zu regnen und wir sind einfach nur gefahren. Ziel war heute der Ort Kragero, der im Süden schon an der Küste liegt. Wir wussten, dass wir einmal unter dem Regen durchfahren müssen und dann wieder in der Sonne sind. Also haben wir das ohne große Pausen getan. Als wir dann in Kragero angekommen sind, waren wir beide ziemlich platt. Wir haben direkt am Wasser an einem Stellplatz gehalten ohne Wasser und Strom, aber mit ganz gutem Blick auf das Meer. Dann sind wir in den Ort gelaufen und der war echt hübsch.Hier wohnen wohl 10.000 Menschen und im Sommer kommen ein paar tausend Urlauber hinzu. Heute war alles wie ausgestorben. Wir waren gegen 17 Uhr im Ort und die Geschäfte haben alle gerade geschlossen.Da ab morgen eh keine neuen deutschen Besucher mehr kommen werden, wird die super kurze Saison 2020 auch hier sehr bald beendet sein.An der Fähre zu den hier vorgelagerten Inseln standen die Leute in ihren Autos Schlange. Anscheinend fährt hier jeder Freitag abends zum Wochenendhaus. Generell scheint jeder Norweger entweder ein zweites Haus irgendwo zu haben, einen Wohnwagen oder Wohnmobil. Was hier am Wochenende Einheimische irgendwohin unterwegs sind, ist echt unglaublich. Wir sind auf dem Rückweg noch in einen Supermarkt gegangen und hatten dort ein krasses Erlebnis.Wir müssen echt sagen, dass wir hier in den letzten zwei Wochen quasi Urlaub von Corona gemacht haben. Wir waren nur in der Natur unterwegs, haben keinen Kontakt mit anderen Menschen gehabt, keinen Mundschutz aufgehabt. Eigentlich merkt man hier überhaupt nicht, dass Corona existiert. An Tankstellen zahlt man am Automaten, in Geschäften sind zwar Hinweise auf Abstand von 1m und manchmal steht Desinfektionsmittel am Eingang. Sobald man im Geschäft ist, merkt man nichts mehr davon. Und dann standen heute im Supermarkt plötzlich bestimmt 10 Leute auf engstem Raum an der Kasse und wir haben etwas die Panik bekommen. Für die Leute hier ist es wie immer, die Infektionszahlen sind hier auch super gering. Wenn man von Deutschland aber mittlerweile monatelanges anderes Verhalten gewohnt ist, war es ein beklemmendes Gefühl. Ich bin gespannt, wie lange man braucht, um das Verhalten „vor Corona“ wieder als normal zu empfinden und sich keinen Kopf zu machen, wenn einem jemand zu nah kommt… Wir haben lecker zu Abend gegessen und den Tag bei einem Gewitter ausklingen lassen.