Heute früh sind wir an der traumhaft schönen Küste weiter gen Süden gefahren. Die Gegend hier kann sich wirklich mit dem Highway Nr. 1 in den USA messen und tatsächlich weiß ich nicht, welche die schönere Küstenstraße ist… Zahlreiche Parkplätze laden zum Anhalten ein. Links die imposanten Berge, rechts das Meer, einfach nur schön.

Irgendwann sind wir ins Landesinnere abgebogen und durch die Berge gefahren, was auch total reizvoll war. Wir sind ein kleines Stück Autobahn gefahren und dann zur Grenze nach Bosnien-Herzegowina gekommen, wo überhaupt nichts los war. Daher waren wir auch kurz danach schon eingereist. Leider hat Andis nagelneuer Reisepaß keinen Stempel bekommen, sondern wurde nur eingelesen. Da Bosnien-Herzegowina – ab jetzt mit BiH abgekürzt – nicht zur EU gehört, haben wir ab jetzt kein Handy-Netz mehr. Da wir nur kurz bleiben wollen, werden wir auch keine einheimische SIM-Karte holen, sondern auf ein WLAN am Campingplatz hoffen. Unser erstes Ziel waren die Kravica- Wasserfälle. In Kroatien haben wir heute auf der Straße soviele Wohnmobile wie noch nie auf der Tour gesehen, nach der Grenze waren wir alleine. Die meisten fahren wohl bis Dubrovnik, aber nicht hierher. Am Parkplatz der Wasserfälle standen demnach nur 3 andere Camper. Wir haben ein schattiges Parkplätzchen gesucht und sind zu den Wasserfällen gelaufen, die ca. 10 Euro Eintritt gekostet haben. Hier gibt es die Konvertible Mark als Währung, die in der Umrechnung DM – Euro gehandelt wird. Zu dem Wasserfall läuft man 400m Treppe bergab. Unten angekommen, bietet sich ein toller Anblick auf die Wasserfälle , die hier bis zu 28 m in die Tiefe fallen.

Unten am Ufer ist alles voll mit Gastronomie und man war über jedes schattige Plätzchen bei mittlerweile 30 Grad froh.

Nachdem wir uns nach dem Aufstieg wieder etwas akklimatisiert hatten, ging es weiter in Richtung Mostar. Das Autofahren wird hier echt interessanter. Gefühlt stehen überall Schilder mit 40 km/h, fahren tun alle 100, die angekündigten Blitzer scheinen nur noch teilweise zu existieren, dafür haben wir 3 mobile Polizeiradarkontrollen gesehen. Wir halten uns einfach an die vorgegeben Geschwindigkeiten und sind im Stau halt ganz vorne… Wir haben an den Tankstellen erstmal die Dieselpreise gecheckt, die ca. 10 Cent günstiger sind als in Kroatien, der Liter kostet ca. 1,65 Euro. Mostar wollen wir uns morgen erst anschauen und da es da nicht die besten Übernachtungsplätze gibt, haben wir ein Camp in Blagaj ausgesucht, das ca. 10 km entfernt liegt. In Blagaj gibt es ein Derwish-Kloster, das vor einen Fels gebaut ist, aus dem der Fluss Buna aus einer Höhle fließt. Das wollte ich unbedingt sehen und das war noch das perfekte Programm für heute Abend. Zuerst haben wir jedoch das Auto Camp Blagaj↗ angesteuert und was wir da erlebt haben, war schon fast beschämend, was das Thema Gastfreundschaft angeht. Das Camp ist ein privates Camp und erstmal hat uns Google Maps völlig in die Irre geführt. Als wir den richtigen Weg gefunden hatten, sind wir auf ein Gartengrundstück gefahren und ein alter Mann hat uns eingewiesen, wo wir uns hinstellen sollen. Er sprach kein Englisch, hat aber nach seiner Tochter oder Schwiegertochter gewunken, die die Einfahrt entlang kam und uns auf englisch herzlich willkommen geheißen hat. Sie hat uns auf einen Stellplatz eingewiesen, uns gefragt, ob wir mit 15 Euro pro Nacht einverstanden wären (unsere günstigste Übernachtung bisher) und uns auf ihre Terrasse eingeladen. Die Terrasse liegt direkt am Fluss und es war herrlich kühl. Wir sollten uns am Kühlschrank ein Begrüßungsgetränk aussuchen und einen schönen Platz suchen. Dann hat sie uns zu den Getränken 2 Stück Kuchen und einen Teller mit frischen Erdbeeren und Kirschen gebracht, alles aufs Haus.

Als unsere Getränke leer waren, hat sie Nachschub gebracht und als ich beim Einchecken die 2. Getränke zahlen wollte, hat sie den Kopf geschüttelt und mir noch eine Flasche Wein in die Hand gedrückt und sich bedankt, dass wir bei ihr sind. Es war mir echt schon fast peinlich!!! So etwas haben wir noch nie erlebt. Wir reichen Deutschen werden so beschenkt, dass wir hier übernachten für den günstigsten Preis. Wir haben die Räder rausgeholt und sind zum 3 km entfernten Derwish- Kloster gefahren.

Davon hatte ich Bilder gesehen und wollte es unbedingt in Echt sehen. Aus einer Höhle im Berg fließt der Fluss heraus und vor der Felswand steht das Kloster. Natürlich wird auch dieser Spot touristisch ausgeschlachtet und es sind überall Restaurants und Buden, wo man alles kaufen kann, was man nicht braucht. Mit unseren Rädern konnten wir bis vorne hin fahren, was deutlich besser war, als die Strecke vom Parkplatz zu laufen. Nachdem wir Bilder gemacht hatten, hatte Andi die Idee, dass wir nochmal zur Festung oberhalb des Klosters hoch fahren könnten. Also sind wir nochmal 3km steil bergauf geradelt, um dann festzustellen, dass es nur zu Fuß weiter geht.

Da es schon so spät war, sind wir umgekehrt. Am Campingplatz saß vorne wieder der alte Mann mit einem Bier und hat auf Kundschaft gewartet. Wir wollten eigentlich heute Abend grillen, da hier aber ein Restaurant angegliedert ist, haben wir beschlossen, hier etwas zu essen. Ansonsten hätten wir echt ein schlechtes Gewissen gehabt. Also hat Andi die Räder wieder verladen und wir sind essen gegangen. Wir haben beide den Bosnischen Teller bestellt und für 6 Euro ein super leckeres Gericht bekommen. Als unsere Getränke leer waren, wurde „aufs Haus“ Nachschub gebracht. Unglaublich…

