2022 Balkan · Bosnien-Herzegowina · Kroatien

Mostar und zurück ans Meer

Heute wollten wir früh aufstehen und nach Mostar fahren, um vor den Busladungen voller Menschen dort zu sein. Woran wir nicht gedacht hatten, den Besitzern vom Campingplatz auch Bescheid zu geben, denn die kamen dann erst um 8.30 Uhr… Wir wollten ihnen ein Trinkgeld geben, was sie nicht haben wollten. Wir haben es Ihnen trotzdem gegeben und hatten dabei fast ein schlechtes Gewissen, weil sie es nicht nehmen wollten. Unglaublich, solche Gastfreundschaft!!! Wir hatten echt überlegt, noch einen weiteren Tag zu bleiben, haben aber beschlossen, unseren ursprünglichen Plan umzusetzen. Direkt an der Altstadt hatten wir einen Parkplatz heraus gesucht neben der berühmten Stari Most.

Die Stari Most ist die Brücke, die in 2006 wieder aufgebaut wurde, nachdem sie 1993 von den Kroaten zerstört wurde. Ursprünglich wurde sie 1566 erbaut und war damals ein Meisterwerk der Ingenieure.

Mittlerweile ist die Brücke als UNESCO Weltkulturerbe gelistet. Aber nicht nur die Brücke, sondern die gesamte Altstadt ist ein Highlight.

Enge Gassen, tolle alte Häuser und glatt gelaufene Steine auf den Wegen. Auch hier wird versucht, von den Touristen durch Restaurants und unzählige Souvenirläden den einen oder anderen Euro zu verdienen. Tatsächlich ist hier auch alles auf Euro ausgelegt, die einheimische Währung ist kaum ausgeschildert.

Da es sich zunehmend mit Touristen gefüllt hat, sind wir gegen 11.30 Uhr geflüchtet. Beim Parkplatz haben wir dann für die ganze Zeit 2 Euro gezahlt. Für die Lage war ich echt positiv überrascht. Aufgrund der Temperaturen wollten wir gen Küste flüchten und mussten leidlich erfahren, dass wir uns ab jetzt auf keine Navis mehr verlassen dürfen. Wir wollten in den unteren Teil von Kroatien, das ja an der Küste ein paar Kilometer von Bosnien-Herzegowina zerschnitten wird. Also haben wir gedacht, da wir ja schon in BiH sind, können wir in dem Schlauch auch an die Küste fahren und müssen dann nur einmal nach Kroatien einreisen. Das war die dümmste Idee ever, denn in unseren Navis waren Straßen verzeichnet, die noch im Bau und noch nicht eröffnet waren. Erste Kilometer konnte man aber schon drauf fahren – bis man abgeleitet wurde und wir dann auf Feldwegen raus gekommen sind mit massig Gegenverkehr und kaum Ausweichmöglichkeiten – und wir mit dem dicken Womo!!! Ich war sowas von dankbar, dass Andi gefahren ist. Ich wäre wahrscheinlich mit ner Panikatacke stehen geblieben… Manchmal hatte man Glück und hatte links und rechts einen Streifen, auf den man ausweichen konnte, oft waren aber auch direkt neben dem Teer große Felsbrocken.

Nach kurzer Zeit standen mitten in der Pampa plötzlich am Rand 3 Polizisten. Wir haben gefragt, ob wir hier richtig sind und sie haben es bestätigt. Die Straße sei nur ziemlich eng und kurvig – sag bloß… Kurze Zeit später standen die nächsten Polizisten da und haben den Verkehr geregelt, da hier irgendeine Veranstaltung war und zu der engen Straße noch alles zu geparkt war. Noch falscher am Platz kann man sich nicht vorkommen… Ab da kamen uns auf 12 km massenhaft andere Autos entgegen und ich war so froh, als vor uns plötzlich wieder ein eröffneter Teil der neuen Straße befahrbar war. Es ist echt heftig, was hier super neue Straßen gebaut werden und wie absolut mittelalterlich die bisherigen sind… Ich hoffe, wir erinnern uns dran, dass es uns bald nicht nochmal passiert. Das schöne ist ja, dass unser eingebautes Navi eigentlich unsere Maße kennt, aber die scheint es heute vergessen zu haben… Nach einer gefühlten Ewigkeit hat sich das Meer wieder vor uns gezeigt und wir haben aufgeatmet. Vor dem Grenzübertritt haben wir unsere restliche Währung noch vertankt und dann waren wir wieder in Kroatien. Was man als Außenstehender sehen kann ist, dass Kroatien das deutlich reichere Land ist, dafür fanden wir die kurz erlebte Gastfreundschaft und Dankbarkeit in BiH unglaublich. Wir haben beschlossen, dass es für heute reicht und wir nicht mehr bis Dubrovnik fahren.

Daher sind wir nach Ston abgebogen, wo die mit 5,5 km lange 2. größte Wehrmauer nach der chinesischen Mauer steht. Sie wurde erbaut zum Schutz der Salzgewinnungsanlagen. Man kann sie entlang wandern, aber uns hat es auf den nahe gelegenen Campingplatz gezogen und wir wollten nur noch abschalten.

Und so haben wir wieder ein ruhiges schattiges Plätzchen am Meer gefunden. Wir sind hier in einer Bucht und wie es aussieht, ist der Platz nicht mehr lange ruhig. Direkt oberhalb am Berg wird nämlich die Autobahn weiter gebaut…. Und dann sind tatsächlich ein paar Wolken aufgezogen und wir haben das erste Mal seit 2 Wochen eine Jacke angezogen. Wir haben den Grill und den Weißwein von gestern heraus geholt und haben die Ruhe genossen…