Was ein Abenteuertag!!! Heute morgen lag ich recht früh wach und habe überlegt, ob die heutige Strecke mit unserem 7,20 m langen und 2,90 m breiten Gefährt überhaupt möglich ist. Ich habe beschlossen, dass es möglich ist, Andi fährt und ich ihm einfach nicht erzähle, was wir vor haben.

Und so sind wir aus dem traumhaft tollen Tal wieder auf die Hauptstraße und in Richtung Cetinje gefahren. Dort sind wir der Straße in die Berge in den Nationalpark Lovcen gefolgt und die Straße wurde schnell sehr eng. Nach einigen Kilometern hat mich Andi gefragt, ob es noch weit sei und ich habe mit der Angabe etwas untertrieben. Unterwegs habe ich vorgeschlagen, irgendwo zu parken und die Räder rauszuholen und mit denen weiter zu fahren. Und dann kamen wir plötzlich in eine Ortschaft, wo eine zweispurige Straße weitergeführt hat. Damit hatten wir überhaupt nicht gerechnet und so sind wir dann auf breiten Spuren bis zum unteren Eingang, ca. 3km unterhalb des Gipfels gefahren. Dort haben wir dann aber geparkt und haben wirklich die Räder rausgeholt.

Die 3 km bis zum Gipfel waren kein Thema und oben waren wir froh, dass wir es so gemacht haben, denn wirklich viele Parkplätze gibt es dort nicht. Die meisten Autos standen am Rand der einspurigen Straße. Zu Fuß ging es dann 461 Stufen weiter bis zum Mausoleum hoch. Aber den Aufstieg kann ich jedem empfehlen, denn dort oben fühlt man sich wirklich wie auf dem Dach der Welt.

In alle Richtungen kann man sehen, wo wir in den letzten Tagen das Land bereist haben, die Berge, das Meer und den Skutarisee. Leider war es etwas diesig, aber trotzdem hatte man eine unglaubliche Sicht. Man konnte auch auf unser nächstes Ziel schauen: die berühmte Bucht von Kotor.

Eigentlich wollten wir die Straße bergab nehmen, die wir auch gekommen sind, der Mann am Eingang meinte aber, wir könnten auch die Serpentinen direkt nach Kotor nehmen, da würden die Busse auch lang fahren. Die ersten 8 km waren auch super gut ausgebaut, bevor es in die Serpentinen ging. Wow, gegen die Strecke sind die Trollstiegen in Norwegen mal gar nichts… In super engen Kehren ging es bergab und bei Gegenverkehr hat man verzweifelt geguckt, wie man aneinander vorbei kommt. Bei einem Fotostop wurden wir von einem LKW überholt und an den haben wir uns ran gehängt. In einer Kehre war ein Verkaufsstand und der Typ hat uns ein Zeichen gegeben, dass von unten 2 dicke LKWs entgegen kommen. Also haben wir mit unserem Vordermann gewartet, bis der erste vorbei war, da es an der Stelle gut ging. Der zweite LKW war erst in der 3. Kehre von unten und so sind wir im 2er Konvoi losgefahren. Unterwegs bin ich immer mal ausgestiegen und habe in der Spur unter uns geguckt, ob Gegenverkehr kommt. Und dann war plötzlich vor dem LKW und uns ein Bus. Mit den beiden haben wir dann eine „langkurvige Beziehung“ aufgenommen, wie Andi es passenderweise bezeichnet hat.

Denn vor einem großen Bus, dahinter ein LKW und dann wir – da hat jeder den Rückwärtsgang eingelegt und hat uns Platz gemacht. Ja, und so sind wir die komplette Strecke bergab gefahren und sind irgendwann im dichten Verkehr von Kotor gelandet. Dieses Mal hatte ich einen passenden Parkplatz ausgesucht, den wir auch direkt angesteuert haben. Zu Fuß ging es in die Stadt, die wir ehrlicherweise nicht so toll erwartet haben, wie sie war. Während sich am Meer der dichte Verkehr gedrängt hat, sind wir durch die Stadtmauer und es war kühl und ruhig.

Total faszinierend. Enge Gassen, alte Häuser, kleine Plätze, man konnte sich super vorstellen, wie die Leute hier früher gelebt haben. Als Belohnung für die geniale Tour gab es erstmal ein Eis und wir sind gemütlich durch die Gassen geschlendert. Man kann hier auch zur Burg hoch wandern, um einen schönen Blick auf die Stadt haben. Ehrlicherweise hatten wir da keinen Bock mehr drauf und Blicke vom Berg auf Kotor hatten wir schon genug…

Irgendwann hat es aber geschickt und so sind wir zurück zum Parkplatz. Wir hätten dort bleiben können, aber auf so einer Betonfläche hatten wir keinen Bock. Also haben wir im Handy geschaut, wo der nächste Campingplatz ist und das war gar nicht so einfach, denn hier gibt es echt nicht viel Auswahl. Und dann sind wir bei Google auf das Pachamama Farm-Camp & Retreat in den Bergen gestoßen, das super bewertet war. Die Pachamama haben wir aus Bolivien mitgebracht und sie beschützt einen auf seinen Reisen. Die Fahrt zu dem Camp war wieder ein Abenteuer und wir sind echt in einer anderen Welt raus gekommen. Hier haben sich ein paar Leute ihre eigene Welt geschaffen, total schön. Mitten in den Bergen gibt es zwei Wiesen, sie nutzen nur Regenwasser, es sind eigene Gärten angelegt. Alles total schön und ruhig ohne Ende. Wenn man möchte, kann man sich zum Abendessen eintragen, was wir gleich mal gemacht haben. Hier ist es so viel besser als der Platz in der Stadt. Ich hoffe nur, dass wir die Straßen hier morgen auch wieder raus kommen… Als wir nach dem Abendessen zurück zum Camper sind, habe ich meine erste Schlange direkt vor meinen Füßen gehabt. Ich habe keine Ahnung, wer mehr Schiss hatte. Ich weiß nur, dass ich hier im Dunklen nicht auf das Klo laufe.
