2022 Balkan · Albanien

Weiter in die Berge

Heute früh haben wir wieder mal überlegt,  was wir machen.  Noch einen Tag bleiben oder in die Berge direkt hinter uns fahren.  Hinter uns heißt, in die Richtung des Nationalparks Theth zu fahren.  Bis Ende des letzten Jahres hätten wir uns die Gedanken gar nicht machen brauchen,  da die Straße auf ca.  50 km geschottert war und nur für 4×4 Fahrzeuge empfohlen wurde.  Man fährt über einen engen Pass auf fast 1700m. Seit Ende des letzten Jahres ist die Straße durchgängig geteert und so haben wir beschlossen,  mal in das Tal hinein zu fahren und ggf. umzukehren.  Die Straße war tatsächlich recht neu,  aber halt auch nur einspurig.

Es war nicht viel los,  aber es gab durchaus immer mal wieder Gegenverkehr.  Und so sind wir bis zu dem Bergdorf  Boge vor dem Pass gefahren und haben dort einen kleinen Campingplatz mit traumhaftem Blick in die Berge gefunden.  Hier war kaum was los,  aber es war ja auch noch früh am Tag.  Und das beste war: wir hatten fast etwas Gänsehaut, denn es waren nur 22 Grad. So kühl haben wir es länger nicht gehabt. 

Wir haben beschlossen,  nicht weiter zu fahren, denn vor uns lagen unzählige schmale Serpentinen,  von denen wir im Urlaub gefühlt schon genug gefahren sind. Am späten Nachmittag habe ich Andi gefragt,  ob er Lust hat, noch ein bisschen Rad zu fahren.  Hatte er nicht und hat mich gefragt,   wo ich denn hin will.  Ich habe vorgeschlagen,  noch etwas in das Tal zu radeln,  aber garantiert nicht zum Pass hoch. 

Kleiner Spoiler, wir sind auf 11 Kilometern die 800 Höhenmeter natürlich bis auf den Pass hoch gefahren.

Wer mir das vorher gesagt hätte,  den hätte ich für bescheuert erklärt.  Los ging es total harmlos und mit immer tollen Blicken haben wir uns irgendwie immer höher gearbeitet.  Und dann waren es nur noch 3 Kilometer bis zum Pass und der Ehrgeiz hat uns gepackt.  Und es hat sich echt gelohnt. 

Man konnte auf der anderen Seite ins andere Tal schauen und hat die volle Bergwelt genießen können.  Die Gipfel waren noch schneebedeckt und es war ein traumhaftes Panorama. 

Kein Wunder,  dass wir unterwegs einige Baustellen für Ferienhäuser gesehen haben und die Leute von der geteerten Straße profitieren wollen und werden.  Was momentan noch ein kleiner Geheimtipp ist,  wird es in den nächsten Jahren nicht mehr sein.  Traumhafte Landschaft leicht zugänglich,  das wird Massen anziehen.  Ob das gut für das Tal ist, wird sich heraus stellen.  Bin gespannt,  wann die ersten großen Busse hier lang fahren.  Wir sind froh,  dass wir mit den Rädern und nicht mit dem Camper gefahren sind. 

Was auch krass war,  waren die ganzen kaputten Leitplanken.  Wir haben vermutet, dass sie durch die Schneemassen im Winter kaputt gegangen sind, was uns der Campingplatz Betreiber später bestätigt hat.  Und was noch krasser war, war die Tatsache, dass wir vor Kälte geschlottert haben, als wir wieder unten waren. Man hat echt ordentlich die Höhe und den Gegenwind gemerkt. Wir waren froh, dass wir ein paar Jacken dabei hatten. Wir haben uns bei den letzten Campingplätzen ebenfalls gefragt, warum immer große Tore vor den Plätzen waren, die den Platz abgrenzen. Spätestens seit heute haben wir die Antwort, denn seit wir hier sind, versucht ein Schaf mit lautem Mähen, hier auf den Platz zu kommen. Wir schmeißen uns weg vor Lachen, aber ob Schafe nachts auch schlafen!? Wir hoffen es…