2022 Korsika

Durch die Berge nach Corte

Heute früh wurden wir durch Schüsse geweckt.  Erst einer weiter weg,  dann wurden sie immer lauter und durch den Regen hat man noch Gegröle gehört.  Anfangs dachte ich, dass da jemand jagt, irgendwann fand ich es befremdlich. Wir haben in den Tagen auf der Insel bereits mehrfach zerschossene Straßenschilder und Patronenhülsen am Straßenrand liegen sehen. Auch haben wir mehrfach gesprühte Schriftzüge mit „French go home“ gesehen,  aber die Schüsse so in der Nähe zu hören fand ich beängstigend.  Bin dann im Internet auch gleich auf einen Bericht gestoßen,  dass auf einem Campingplatz mehrere Camper zerschossen wurden.  Nach ca.  30 Schüssen wurde es dann wieder ruhig. Beim Auschecken haben wir gefragt,  woher die Schüsse kamen und haben als Antwort bekommen,  dass Wildschweine geschossen wurden.  Das haben wir mal so geglaubt.  Heute war Dauerregen vorher gesagt und wir haben überlegt,  ob wir noch bleiben oder weiter fahren.  Das nächste Stück durch die Berge sollte besonders toll werden,  allerdings das Wetter hier auch noch ein paar Tage so bleiben.  Also sind wir weiter gefahren. Und nach ein paar Kilometern hat es dann richtig angefangen zu schütten. 

Auf dem Pass „Bocca di Verghju“ auf 1467 m haben wir eine kleine Pause eingelegt und waren froh, unser trockenes Zuhause dabei zu haben.  Die armen Motorradfahrer um uns herum,  hatten keinen Spaß… Nach dem Pass ging es durch dichte Kastanienwälder bergab. Kastanien werden hier geerntet und sind eine Spezialität.  In diversen Gerichten sind sie uns schon aufgefallen.  Die Straße war an einigen Passagen immer wieder von Wildschweinen bevölkert. Besser können Tiere eigentlich nicht leben.  Im Wald und Dickicht nach Fressbarem suchen und nicht eingepfercht in Ställen ihr Fressen bekommen.  Na ja,  bis sie dann morgens um 8 Uhr erschossen werden…

Wir mussten an einer Baustelle einige Zeit warten und sind danach über eine schmale Brücke gefahren und das war tatsächlich so eine Genuesenbrücke, die wir gestern mit den Rädern nicht erreicht haben.  Es hat geregnet und gleichzeitig die Sonne geschienen,  was ein herrliches Fotomotiv. 

Tatsächlich hat ein paar Kilometer weiter der Regen aufgehört und die Sonne kam so richtig durch.  Das hätten wir heute morgen kaum zu glauben gewagt! Unser heutiges Ziel ist die Stadt Corte im Landesinneren.  Tatsächlich ist Stadt relativ klein mit gerade mal 7500 Einwohnern.  Je näher wir Corte kamen,  umso enger wurden die Straßen wieder und ich habe gemerkt,  dass nach stundenlangen Kurven mein Nervenkostüm hinter dem Steuer nicht mehr  das Beste war.  In einer super engen Baustelle habe ich dann die Krise gekriegt und die Bauarbeiter mussten mich zwischen ihrem LKW und einer Mauer durch lotsen. Die Gedanken von den Typen waren so laut von wegen Frau am Steuer…

In Corte angekommen,  war die Zufahrt von dem ersten Campingplatz zu eng, der Zweite war voll und der Dritte lag 5 km außerhalb, hatte aber noch freie Plätze. Da unsere Räder auf der Fahrt durch unsere Batterie wieder voll geladen waren und immer noch die Sonne schien, haben wir auf Ausruhen verzichtet und sind gleich in die Stadt geradelt. Ohne Steigung ging die Strecke ratz fatz und so haben wir ganz schnell den Blick auf die schöne Altstadt gehabt.

In der Stadt haben wir neben der Statue von Napoleon etwas gegessen und sind dann nochmal zur Zitadelle hoch geradelt. Da es schon wieder dämmerte, haben wir den Heimweg angetreten. Es war so stürmisch, dass wir kaum treten mussten. Kurz vorm Campingplatz haben uns zwei Korsen mit ihrem Auto bedrängt, uns angeschrien, Stinkefinger gezeigt und dann vor uns auf der Straße eine Vollbremsung hingelegt. Warum? Keine Ahnung! Wir waren total froh, dass wir in dem Moment den Campingplatz erreicht hatten und die Typen weiter gefahren sind…