2023 Italien

Wanderung von Corniglia nach Vernazza

Juhu, heute früh wurden wir von stahlblauem Himmel begrüßt. Wir haben gefrühstückt und darauf gewartet, dass unser neuer Platz frei wird. Als er das wurde, haben wir umgeparkt und kurz darauf war auch unser alter Platz schon wieder belegt. Heute sind wir mit dem Zug nach Corniglia, dem mittleren der fünf Dörfer gefahren.

Vom Bahnhof aus ging es 385 Stufen bergauf in den Ort, denn anders als die anderen Orte liegt er nicht am Meer, sondern auf dem Berg.

Oben angekommen, haben wir uns mit vielen anderen Touristen durch die wenigen Gassen gekämpft und sind dann auf die Wanderung gestartet. Der Weg ist Teil des Nationalparks und kostet daher 7,50 Euro Gebühr. Wir hatten uns heute wieder das 5 Terre Ticket geholt und mussten so nicht extra zahlen, denn es beinhaltet die Züge und Wanderwege.

Mit vielen anderen Menschen sind wir also erst bergauf und dann entlang der Küste gelaufen, von wo man auf diese traumhafte Ausblicke hatte. Und wenn wir es nicht besser gewusst hätten, hätten wir gedacht, in Amerika zu sein. Um uns herum gab es nur eine Sprache: Englisch.

Die Gegend hier scheint das europäische Disneyland für die Amerikaner zu sein. Asiaten hat man beim Wandern gar nicht gesehen, passt wahrscheinlich nicht in den Zeitplan einer Europatour.

Nachdem wir zuerst immer wieder zurück geblickt haben und die Aussicht auf Corniglia genossen haben, tauchte irgendwann Vernazza vor uns auf.

Vom Wanderweg hatte man eine tolle Aussicht und dann ging es unzählige Stufen bergab in den Ort entlang von riesigen Kakteen, die bald in gelber Blüte stehen. Ein paar wenige haben extra für uns jetzt schon geblüht.

In einer langen Schlange sind die Leute in den Ort geströmt. Und wenn wir gedacht haben, dass auf der Wanderung viel los war, wurden wir im Ort eines besseren belehrt. Menschenmassen ohne Ende haben sich durch den Ort gedrückt – und wieder einmal, es ist noch keine Saison.

Nicht auszudenken, was dann hier abgeht. Wir sind zum Castello gelaufen und haben ein tolles Restaurant mit grandioser Aussicht gefunden. Dort haben wir uns eine Auszeit gegönnt und aus sicherem Abstand die Menschen beobachtet. Ein Schiff nach dem anderen hat angelegt und die Leute sind aus- und wieder eingestiegen.

Als wir bezahlen wollten, haben wir ein besonderes Highlight erlebt. Wir mussten mit unserem Verzehrzettel das Restaurant verlassen und auf der anderen Seite des Weges in ein Wohnhaus gehen. Dort den Gang entlang ging es in einen Raum der wie im Film aussah. Türkisfarben und mit Kram vollgestopft der aus einem anderen Jahrhundert kam.

Mit dem Rücken zur Tür saß eine ältere italienische Mama, die die Zahlen auf dem Zettel in Zeitlupe im Kopf zusammen gerechnet und auf diesem vermerkt hat. Dann haben wir den Zettel mit dem Ergebnis wieder in die Hand gedrückt bekommen und durften wieder ins Restaurant um zu zahlen. Sehr crazy, vor allem, da es kein kleines Restaurant war.

Wir sind weiter bergauf zum Castello und haben nochmal die Aussicht genossen, bevor wir uns wieder in die Massen am Bahnhof gestürzt haben. Mit dem nächsten Zug ging es zurück nach Levanto. Eigentlich hatten wir vor, den Radweg in die andere Richtung der Küste noch zu fahren, aber irgendwie hatten wir keine Lust mehr. Er geht durch eine still gelegte Bahntrasse und viel durch Tunnel mit schönen Ausblicken ab und an. Aber Tunnel hatten wir die letzten Tage genug. Und so haben wir geduscht und uns mal Gedanken gemacht, wie unsere Reise weiter gehen soll. So einen richtigen Plan haben wir bisher nämlich noch nicht. Zumal die nächsten Tage das Wetter in ganz Italien nicht wirklich gut gemeldet ist.

Wo wir jetzt die Cinque Terre verlassen, fällt unser Fazit ganz eindeutig aus: Es lohnt sich. Auch wenn es Massentourismus pur ist, ist es auch wunderschön und man sollte diesen Teil der Erde wirklich mal gesehen haben.