Um 5.15 Uhr ging heute morgen der Wecker, denn wenn man schon auf 2100 m steht, muss man natürlich den Sonnenaufgang anschauen und das ist im Sommer naturgemäß recht früh. Aber es hat sich sowas von gelohnt. Es war total windstill, die Vögel haben gezwitschert und ansonsten Stille pur. Und dann kam die Sonne hinter dem Berg hervor und hat das Tal in rosa Licht gehüllt. Total schön!!!

Wir sind auf der Anhöhe herum gelaufen und haben die tollen Ausblicke richtig in uns eingesaugt. Ich habe mich anschließend wieder hingelegt, Andi war aber total wach. Also haben wir gefrühstückt und sind dann aufgebrochen.

Die Kilometer bergab waren nicht weniger schön als die gestern bergauf.

Wir haben uns von der Drohne verfolgen lassen und sind nur langsam voran gekommen. Das Navi wollte uns zu unserem nächsten Ziel wieder auf die Autobahn lotsen. Nach unseren positiven Erfahrungen gestern mit den Straßen, war aber klar, dass wir Landstraße fahren. Und das war die absolut richtige Entscheidung. In anderen Ländern wären diese Straßen als Panoramastrasse gekennzeichnet. Hier sind es gut ausgebaute Nebenstrecken, auf denen nichts los ist und man überall halten und schauen kann. Nach einigen Kilometern sind wir unterhalb einer Staumauer entlang gefahren und haben den Lago di Compotosto über eine Brücke überquert.

Der See liegt gefühlt auf den Bergen und wird durch zwei Staumauern gestaut. Haben wir so auch noch nie gesehen. Nach dem See sind wir durch Orte gekommen, die in 2016 durch ein Erdbeben zerstört wurde. Hier waren sowohl die Gebäude als auch die Straßen immer noch im Aufbau. Weiter ging es zum Highlight des heutigen Tages, einer Hochebene in der Nähe von Castellucio. Die Gegend erinnert total an die Mongolei und im Frühling sollen Millionen von Mohnblumen das ganze Tal rot erstrahlen lassen. Dementsprechend hoch war unsere Erwartung, als wir über die Kuppe ins Tal gefahren sind. Und diese wurde sehr enttäuscht. Vor uns hat sich zwar eine traumhaft schöne Ebene geöffnet, aber in saftigem grün und nicht in rot.

Wir waren total geschockt und enttäuscht. Anscheinend waren wir eine Woche zu spät. Obwohl überall sonst die Mohnblumen aktuell blühen. Wir haben es nicht verstanden. Mitten im Tal soll es einen kostenlosen Wohnmobilstellplatz geben. Den haben wir auch gefunden, was nicht schwer war. Da er aber noch ziemlich überflutet war, war er gesperrt und so waren wir das zweite mal enttäuscht. Was schon meckern auf hohem Niveau war, denn das Tal hat dafür komplett gelb durch die Butterblumen geleuchtet. Aber die haben wir die Tage halt schon überall gesehen.

Wir haben gehalten, etwas gegessen und beschlossen, dass wir uns statt dessen einen Campingplatz in der Nähe suchen. Aber so wenig hier los ist, so wenig Campingplätze gibt es hier. Wir haben einen 38 km entfernt gen Norden gefunden und den haben wir angesteuert – bis es 700 m davor nicht weiter ging, da die Straße gesperrt war. Sie wurde neu geteert. Super. Wir waren echt gefrustet.

Glücklicherweise hat uns jemand aus dem Dorf gesehen und den Besitzer vom Campingplatz angerufen und der hat uns dann 5 Minuten später abgeholt und durch diverse Hintergassen um die Baustelle herum geführt. Und dann sind wir unbewusst mal wieder im Paradies gelandet.

Der Campingplatz ist der Hammer mit einem Infinity Pool, nagelneuen sanitären Anlagen und einfach nur traumhaft in einen Hang gebaut. Wir waren so glücklich, hier gelandet zu sein. Natürlich haben wir uns sofort umgezogen und sind nach dem anstrengenden Tag in den Pool gesprungen.

Anschließend haben wir die Aussicht von unserem Platz aus genossen und uns einen leckeren Aperol gegönnt.

Und zur Feier dieses tollen Tages sind wir noch lecker Essen gegangen. Auch wenn wir langsam in Richtung Norden aufbrechen müssten überlegen wir, hier noch einen Tag länger zu bleiben…
