2024 Marokko

Über die Königsstadt Meknes bis nach Fes

Die Nacht in unserem Riad war recht ruhig. Spannend war nur,  dass unser Bad gerade mal durch einen Vorhang abgetrennt war und die Klospülung so laut war, dass es unmöglich war,  nachts mal leise aufs Klo zu gehen. Ein Hahn im Nachbargebäude hat auch ordentlich Wecker gespielt… Um 8.30 Uhr gab es im Riad erst Frühstück und so haben wir heute etwas länger schlafen können. Um 9.15 Uhr wurden wir vor der Stadtmauer wieder eingeladen und weiter ging es in Richtung Meknes.

Der Plan hat natürlich nur ungefähr 5 Minuten gehalten.  Wir haben den Fahrer gefragt,  ob wir die Frontscheibe etwas säubern können und prompt hat er an einem Parkplatz gehalten und ein paar Typen sind mit Lappen um unseren Wagen gelaufen und haben die Scheiben gewienert. Vorbei ging es am einzigen Hochhaus der Stadt,  das mit seinen 255 m das höchste Gebäude Afrikas ist und bald fertig gestellt sein wird.

Über super breite Straßen sind wir am Sonntag morgen und 1. Advent aus Rabat gefahren.  Die Straßenränder waren dabei wie geleckt. Unzählige Arbeiter haben gekehrt, gerecht, Unkraut gezupft und den wenigen Müll eingesammelt. Akurate Rasenflächen und exakt geschnittene Hecken haben uns bis zum Stadtrand begleitet und wir waren wieder mal angenehm überrascht. 

Auf der Fahrt nach Meknes sind in der Ferne im Dunst die Berge des Atlas Gebirges aufgetaucht.  Am Königspalast entlang vorbei sind wir durch die Stadtmauer zu einem Parkplatz gefahren,  wo wir unseren neuen Guide getroffen haben.  Er ist zuerst mit uns in eine Moschee gegangen,  die wunderschön war. 

Man ist durch verschiedene Räume gegangen,  in denen Brunnen zur Waschung waren und die traumhaft gefliest waren. 

Teilweise waren sie so bunt,  dass einem schwindlig wurde. Die Decken waren offen,  so dass tolle Lichteffekte entstanden. 

Außerhalb der Moschee saßen zig Störche auf einem Felsen.  Sie fliegen wohl aus Frankreich im Winter her. 

Weiter ging es durch die 3 Stadttore zur Medina.  Der Guide hat uns super erklärt,  wie die Stadt aufgebaut ist und wie sie funktioniert.  Auf dem Weg zu den Souks gehen rechts und links Sackgassen ab,  je tiefer die Häuser in der Sackgasse liegen,  umso reicher sind die Leute und umso leiser ist es in den Häusern. 

Je näher man zum Zentrum kam,  umso enger wurden die Gassen. Unser Guide kannte gefühlt jeden 5. Menschen,  der uns entgegen kam,  was echt faszinierend war. Aber hier sind die Leute halt auch zu Fuß unterwegs, leben hier schon immer, begegnen sich auch ständig und halten Schwätzchen.

Unser Guide hat uns auch interessante soziale Themen erzählt.  Hier gibt es kein Arbeitslosengeld,  so dass jeder für sich selbst sorgen muss und eine Idee braucht,  wie er Geld verdient.  Dafür sind aber die sieben Grundnahrungsmittel sehr günstig.  Ein Brot kostet umgerechnet ca.  12 Cent,  so dass niemand hungern muss.  Wenn er einen höheren Standard haben will,  muss er arbeiten. 

Nach den Souks sind wir wieder auf dem großen Platz raus gekommen,  den es in jeder Königsstadt gibt.  Hier kann jeder kostenlos stehen und  einen Stand aufbauen, um Geld zu verdienen.  Abends muss wieder alles abgebaut werden.  Auf der langen Seite des großen Platzes hat uns unser Guide dann in eine Markthalle geführt,  wo es von Oliven über Gemüse und Gebäck alles zu kaufen gab. 

In der Fleischabteilung wurden gerade die Hühner geköpft und verarbeitet.  Wieder auf dem großen Platz standen wir eigentlich vor dem Highlight von Meknes, dem Tor Bab Mansour, das aus Marmorsäulen, drei Bogentoren und mehreren Vorbauten besteht. Alles ist grün gekachelt und steht schon sehr lange da. Leider haben wir es nur auf einer Plane gesehen,  da das Tor saniert wurde. 

Zurück am Bus haben wir den Guide verabschiedet und sind über eine kurvige Straße zum UNESCO Weltkulturerbe Volubilis gefahren.  Hier haben wir uns die römischen Ruinen angeschaut und sind über das Gelände gewandert.

Kurz hinter Volubilis sind wir rechts abgebogen und über eine Schotterpiste in Richtung Moulay Idriss gefahren.  Die Stadt sieht vom Umriss aus wie ein Kamel. Durch enge Gassen sind wir einmal durch den Ort gefahren und zurück auf die Hauptstraße.  Die war hier tatsächlich nicht mehr ganz so toll.  Unglaubliche Bodenwellen haben unsere Bandscheiben ganz schön gefordert. 

Ein paar Kilometer weiter standen Strommasten in der Landschaft,  in denen die Störche ihre Nester gebaut haben. 

Die Landschaft wurde wieder grüner und wir haben einen Stausee passiert. Bei den vielen Olivenbäumen haben die Bauern geerntet.  Die Ernte wurde oft mit Eseln transportiert. 

Kurz vor unserer vierten Königsstadt Fes wurde am Eingang zur Stadt von der Polizei der Verkehr kontrolliert.  Überhaupt ist in ganz Marokko eine sehr starke Polizeipräsenz. Ich habe aber bisher den Eindruck,  dass sie die Fahrzeuge der Touristen eher in Ruhe lassen. 

Was mir in Marokko bisher sehr positiv auffällt  ist,  dass die Frauen hier trotz des Islams sehr viele Möglichkeiten haben. In allen möglichen Jobs begegnen sie einem,  in den Parks sitzen sie mit ihren Kindern,  in Restaurants gehen sie mit Freundinnen gut gestylt. Allgemein wird die Religion hier sehr offen gelebt und auf den Moscheen sind drei Kugeln für den Islam,  das Christentum und das Judentum. Die drei Religionen leben seit langem friedlich zusammen.

Angekommen in unserem neuen Riad ist uns wieder mal die Kinnlade runter gefallen.  So eine Schönheit hinter so unscheinbaren Mauern ist unglaublich. 

Alleine die Dachterrasse war schon der Hammer. 

Wir brauchten dringend wieder Bargeld, was aber nicht so leicht war.  Sonntags sind die Automaten leer und so haben wir das Restaurant danach ausgesucht,  wo wir mit Karte zahlen können.  Wir sind durch die Souks in eine dunkle Gasse gelaufen und nach unzähligen Treppenstufen haben wir uns auf der nächsten Dachterrasse wieder gefunden. Marokko mit seinen engen Gassen und coolen Häusern ist echt der Hammer!