Unser heutiger Tag ist gleich mit einer Polizeiradarkontrolle gestartet. Wir wurden raus gewunken und die Papiere unseres Fahrers kontrolliert. Heute war alles in Ordnung und so durften wir weiter fahren.
Im Hintergrund sind die schneebedeckten Bergspitzen der 4000er des Atlas Gebirges aufgetaucht, während wir über eine Ebene auf ca 1500m gefahren sind.

In Dades hatten wir von einem Aussichtspunkt aus einen tollen Blick auf den Ort, das durch den Fluss grüne Oasen-Tal und die Berge im Hintergrund.

In einem kleinen Dorf hat Simou uns raus gelassen und wir sind zu Fuß hindurch gelaufen. Totale Ruhe hat uns empfangen mit genialen Blicken. Er hat uns erklärt, dass wir gerade in ein Tal fahren, in dem er wohnt und was eigentlich nicht Teil der Tour ist.

Wir sind in den engen Teil der Dades-Schlucht gekommen und sind einige Serpentinen hoch gefahren. Oben war ein Restaurant mit Aussichtsterrasse, wo wir einen Kaffee getrunken und die Aussicht genossen haben. Ja, und dann wollten wir ein Bild von uns machen, ich hatte mein Handy in der Hand und wollte meinen Arm um Andi legen und habe nicht damit gerechnet, dass er noch einen Schritt zurück geht. Und dann ist mein Handy in hohem Bogen den Abhang runter geflogen, mehrfach aufgeschlagen und ich habe fast einen Herzkasper bekommen. Alle wollten mich beruhigen, dass wir es schon wieder finden, aber mir war nicht wirklich zu lachen zumute.

Ich bin dann die Serpentinen runter gelaufen und wollte an der Stelle nach dem Handy schauen, wo ich dachte, dass es liegen geblieben ist. Simou hat mir bei der Suche geholfen, aber wir haben außer Müll nichts gefunden. Ich habe echt vor Schock angefangen zu heulen. Plötzlich kamen vom Abhang oberhalb Steine runter und Simou hat etwas nach oben gerufen. Ich wollte gerade den steilen Abhang weiter runter klettern, als von oben ein Junge den steilen Abhang runter gerutscht kam und mein Handy in der Hand hatte. Ich habe vor Erleichterung fast noch mehr geheult. Der Junge mit Namen Dschamal hat total gestrahlt, hat mir mein Handy in die Hand gedrückt und hat mich total fest umarmt. Ich glaube, er hat sich auch total gefreut.

Krasserweise hat mein Handy nach diesem 50 Meter Felsensturz noch komplett funktioniert. Die Schutzhülle war an vielen Stellen eingeschlagen, aber weder das Display noch die Kamera haben irgendwas ab bekommen. Ich konnte es echt nicht fassen, dass ich es überhaupt wieder hatte und dann noch komplett in Ordnung… Mir sind Felsbrocken vom Herzen gefallen und mir ist bewusst geworden, wie abhängig man mittlerweile einfach davon ist. Simou meinte, ich hätte den Canyon ja jetzt gar nicht richtig wahr genommen und hat Andi und mich nochmal den Berg hoch gefahren und wir sind dann nochmal runter gelaufen mit dem Blick auf den Canyon.

Auf dem Rückweg aus dem Tal haben wir dann noch an einer tollen Felsformation gehalten.

Als wir das Tal wieder verlassen haben, sind im Hintergrund die riesigen schneebedeckten Berge wieder aufgetaucht. Andi hat Simou gefragt, ob er uns an eine spezielle Stelle bringen kann und ob er es bei Google maps eingeben soll und hat die Antwort bekommen, er brauche das nicht, er habe das „Berber GPS“ 😆. Er hat auf den ganzen vielen Kilometern bisher auch nicht ein einziges Mal ein Navi benutzt. Und auf dem kürzesten Weg hat er uns an die Stelle gebracht, die Andi meinte.

Wir sind hier in einer Gegend, in der die Damaskus Rose wächst und in Kooperationen von Frauen zu Öl verarbeitet wird. Wir haben in einer Kooperation den Vorgang erklärt bekommen. Momentan blühen die Rosen nicht, daher konnten wir nur auf Schaubildern den Prozess anschauen.

Und dann waren wir total baff, denn Simou hat uns zu sich nach Hause eingeladen. Er hat in der Stadt ein Haus, in dem früher Verwandte gewohnt haben. Seine Frau ist aus den Bergen gekommen und hat für uns gekocht. Unpassenderweise hatten Inge und ich uns den Magen verdorben, so dass nur die Männer bei dem leckeren Essen zuschlagen konnten. Einen unpassenderen Zeitpunkt hätte es nicht geben können und es hat mir total leid getan für seine Frau. Aber beide hatten natürlich Verständnis dafür.

