Bei schwülen 33 Grad haben wir heute morgen aus der Fantasiewelt wieder ausgecheckt. Da wir wieder im Süden sind, ist hier gerade Reisernte angesagt. An jedem freien Fleckchen in Einfahrten oder am Straßenrand ist der Reis ausgebreitet und wird getrocknet. Am Bahnhof in Shangrao war es total lustig, da hier anscheinend echt selten westliche Touristen her kommen. Die Leute haben mich mit meinen blonden Haaren alle total angestarrt, was in den anderen Großstädten nicht der Fall war. Obwohl morgen ja die Golden Week losgeht, war der Zug relativ leer, zumindest in der 1. Klasse. Diese lag allerdings 16 Wagenlängen hinter der Stelle, wo wir mit der Rolltreppe hoch gekommen sind. Zugfahren fühlt sich gerade so ein bißchen wie nach Hause kommen an, was lustig ist, weil wir es eigentlich nicht mögen. Aber hier ist er pünktlich, sauber, man bekommt in der 1. Klasse jedes Mal etwas zu trinken und einen Snack. Und dabei zahlen wir für alle Bahnfahrten in dem Urlaub insgesamt pro Person 170 Euro mehr als in der 2. Klasse. In nicht mal einer Stunde sind wir in Huangshan angekommen. Da unser Guide ja mit uns im Zug saß, mussten wir ihn nicht erst wieder am Bahnhof suchen. Huangshan ist eine chinesische Kleinstadt mit gerade mal 200.000 Einwohnern. Sie ist auf den Tourismus ausgelegt. Direkt am Bahnhof haben wir gleich mal einen autonom fahrenden Lieferwagen vor uns abbiegen sehen. Es ist bedenklich, wie normal hier so einige Dinge im Alltag integriert sind, über die wir uns zuhause tot diskutieren, ob sie überhaupt funktionieren. Ich glaube, die Guides schütteln hier regelmäßig innerlich den Kopf über uns…
80 % der Gegend sind mit Bergen und Wäldern bedeckt. An den Hängen wird Tee angepflanzt, der zu den Top 10 in China gehört. Den schauen wir uns in dem nächsten Tagen aber noch näher an. Wir sind an einem Hotel ausgestiegen und haben dort unsere Koffer abgegeben. Heute morgen haben wir nämlich unsere Rucksäcke für eine Nacht gepackt, da wir auf dem Berg übernachten werden.

Nach einem kleinen Mittagessen sind wir zu Bussen gelaufen, die uns 30 Minuten unzählige Serpentinen bergauf gefahren haben. Unterwegs hat es heftig geregnet.

Dort angekommen, sind wir zu einer Seilbahnstation gelaufen und wieder mal ging es durch dichten Nebel bergauf. Oben angekommen, sollte uns ein Bergpanorama erwarten, aber die Serie unseres Bergpechs reißt nicht ab. An einer Stelle an einem Rundweg haben wir einige Zeit gewartet und hatten dann Glück, dass sich der Nebel für ein paar Minuten gelichtet hat.

Tatsächlich hat man eine Vorstellung von den schwebenden Yellow Mountains erhalten.

Mal wieder unzählige Stufen später sind uns lauter Träger entgegen gekommen. Hier oben am Berg stehen ein paar wenige Hotels und alles wird über die Busse, die Seilbahn und dann zu Fuß her transportiert. Selbst die Wäsche muss jeden Tag runter und wieder hoch gebracht werden.

Wir werden heute Nacht in einem der Hotels übernachten – um einen schönen Sonnenuntergang und dann wieder -aufgang zu sehen. Sie wird unter- und wieder aufgehen, allerdings wird es aufgrund der Wolken einfach unspektakulär sein. Schade.

Heute Nacht um 0 Uhr startet in China die goldene Woche, in der das ganze Land frei hat – außer den Leuten, die versuchen, das entstehende Menschenchaos in Griff zu kriegen. Um 0 Uhr werden die Mautstationen geöffnet und die Autobahnen kosten keine Maut mehr. Heute war davon noch so gar nichts zu spüren. Der Zug, die Autobahn, die Seilbahn und auch das Hotel hier waren bzw. sind fast leer. Aber wir kennen die Videos von Menschenmassen überall und die meisten Guides, die wir hatten, machen ab morgen Urlaub daheim, da sie auf das Chaos keine Lust haben. Wahrscheinlich sitzt eine Milliarde Chinesen gerade auf gepackten Koffern. Im Hotel war jedenfalls heute Abend Generalprobe für das Spektakel morgen Abend. Alle sind ganz aufgeregt durch die Gegend gelaufen, haben in ihre Funkgeräte gesprochen und dann kam ein riesiger langer Drache den Berg hinunter vor das Hotel gelaufen.

Wir werden morgen und übermorgen ein bisschen abseits der Hauptorte „geparkt“, um dem Chaos zu entgehen. Daher sind wir extra auch heute schon angereist und es geht am 3.10. erst weiter, wenn die erste Reisewelle durch ist.

