2026 China

Grand Canyon in den Yellow Mountains

Heute ist der 1. Oktober, an dem der Gründung der Volksrepublik China im Jahr 1949 gedacht wird. Die Regierung führte die Goldene Woche im Jahr 1999 ein, um den Inlandstourismus und den Konsum zu stärken. Offiziell gesetzlich frei sind meist nur drei Tage; die restlichen Tage werden durch die Verlegung von Wochenenden ausgeglichen, was sogenannte Nachholarbeitstage (Tiáoxiū) vor oder nach den Feiertagen bedeutet. Hunderte Millionen Menschen sind im Land unterwegs, was zu überfüllten Zügen, ausgebuchten Hotels und großen Menschenmassen an Sehenswürdigkeiten führt. Teils fahren sie aus den Städten in ihre Heimat,  teils machen sie Urlaub an Sehenswürdigkeiten. Da Fabriken, Behörden und Unternehmen in dieser Woche meist komplett geschlossen bleiben, kommt es oft zu Verzögerungen in der internationalen Logistik und Schifffahrt.

Da wir auf dem Berg geschlafen haben,  haben wir bisher nichts davon mitbekommen.  Uns hat heute früh nur der altbekannte Nebel begrüßt.  Eigentlich wollten wir um 9 Uhr aufbrechen,  unser Guide hat aber vorgeschlagen,  noch etwas zu warten.  Er hatte die Hoffnung,  dass es etwas aufklart.  Um 10 Uhr sind wir in die Lobby und haben beschlossen,  es einfach mal zu versuchen und sind über unzählige Stufen bergab gestiegen.  Und genau als wir an den Aussichtspunkten angekommen sind,  hat der Himmel aufgerissen.

Die Berge sahen aus,  als würden sie schweben. Im Tal war immer noch dichter Nebel, der durch die Täler gezogen ist.

Es war eine total mystische Stimmung und die Aussichten haben sich ständig geändert. 

Kurze Zeit später war wieder alles zugezogen.  Auch hier hat ein Weg an der Felswand entlang geführt,  der teilweise abenteuerlich war. Eng,  mit steilen Treppen mal hoch und wieder runter.  So viele Treppen wie in diesem Urlaub sind wir noch nie gelaufen. 

Überall hingen die Pinien in den Felsen und haben sich an den krassesten Ecken festgekrallt.

Auf dem Weg zurück zur Seilbahn sind wir  wieder am Hotel vorbei gekommen,  welches auf 1.600 m Höhe liegt.  Kein Wunder,  dass man bei den vielen Stufen auch mal außer Puste ist. 

In einem anderen Hotel haben wir zu Mittag gegessen.  Es gab ein Buffet,  man stellt seinen Rucksack ab und holt sich etwas.  Keiner macht sich Gedanken darüber,  dass jemand etwas klauen könnte.  Nach dem Essen sind wir zurück zur Seilbahn und wieder bergab gefahren. 

Mit den Bussen ging es zurück ins Tal,  wo wir unsere Koffer wieder bekommen haben.  Unser heutiges Ziel ist ein kleiner Ort in der Nähe,  wo wir die nächsten beiden Nächte „geparkt“ werden.  In der Gegend ist alles ausgebucht und wir schlafen in einem 200 Jahre alten Haus.  Der Empfang war schon mal lustig, da eine riesige Gänseschar durchs Dorf getrieben wurde. 

Unsere Bleibe für die nächsten beiden Nächte ist echt speziell.  Ein wirklich altes Haus,  das 10 Gästezimmer hat. 

Sie sind überschaubar groß mit nem kleinen Bett und man hört einfach alles.  Ich bin froh,  dass wir kein chinesisch verstehen,  denn die Lautstärke der Leute reicht schon.  Wenn man da noch jeder Diskussion folgen könnte – nein danke. Und es gibt auf Reisen immer irgendwann den Moment,  wo man gerne woanders sein will.  Meistens ist es,  wenn der Level der Erlebnisse zu hoch ist und man vergisst,  wo man eigentlich ist.  Ich glaube,  so ein Tag war heute.  Wir haben die letzten Tage jede Nacht woanders geschlafen und wünschen uns gerade etwas Beständigkeit,  aber in anderer Umgebung.  Meistens ist das Gefühl am nächsten Morgen wieder weg.  Außerdem können wir beide gerade keinen Reis mehr sehen.  Das Essen hier ist echt lecker,  aber sich zu verständigen fällt schwer. Meistens klappt es am besten über die Guides. Die Chinesen essen 3x am Tag warm und herzhaft.  Ich glaube,  wir würden gerade alles für ein Brötchen mit Nutella oder einer Scheibe Brot geben.  Wir sind uns aber absolut einig,  dass die nächsten Reisen deutlich langsamer und entschläunigter werden müssen und ein Glas Nutella ins Gepäck kommt.  Aber wir wollten es so.