Letzte Nacht hat es mal wieder geschüttet ohne Ende und auf unser Dach getrommelt. Heute früh war der Spuk Gott sei Dank erstmal vorbei. Auf der Straße wurden umgestürzte Bäume weggeräumt und für uns ging es weiter. Ca. 100 km vor Oslo haben wir einen wahren Geschwindigkeitsrausch gekriegt. Eine 2 spurige Autobahn auf der man 110 kmh fahren durfte. Das hat Spaß gemacht und man kam auch mal wieder voran. Vor Oslo wurde der Himmel wieder dunkel. Als die Straße 3spurig wurde, haben sich die Schleusen richtig geöffnet. Man konnte kaum noch etwas erkennen, was echt grenzwertig war. Ein goldenes M Zeichen hat uns gerettet und wir haben eine Pause gemacht und etwas gegessen. Irgendwann hat das Unwetter nachgelassen und wir sind weiter gefahren. Oslo bei dem Wetter zu besuchen hat für uns keinen Sinn gemacht. Die Straßen waren heute echt richtig voll. Als wir letztes Mal hier vorbei gekommen sind, da war Nationalfeiertag und keiner unterwegs.

Einige Zeit später kam die Grenze nach Schweden und wir haben überlegt, was wir tun. Das auswärtige Amt hat aktuell eine Reisewarnung für die vor uns liegende Strecke herausgegeben. Entlang der E6 soll es zwischen Göteborg und Malmö vermehrt zu Überfällen auf Womos kommen. Vor allem nachts wird eingebrochen und ausgeraubt, auch auf Campingplätzen. Also haben wir beschlossen, nördlich von Göteborg einen Campingplatz etwas abseits der E6 heraus zu suchen und dort zu übernachten. Dann können wir morgen die kritische Strecke einfach durchfahren. Dort angekommen, haben wir unseren Augen nicht getraut. Hier waren wir auf unserer Schwedentour vor ein paar Jahren schon mal. Genau auf dem gleichen Platz. Wir hätten keinen Plan gehabt, wie das hier hieß und sind trotzdem wieder hier gelandet. Zufälle gibt es…

Nachdem wir Norwegen verlassen haben, geht der Blick zurück. Was für ein großartiges Land. Anders in vieler Hinsicht. Wenn man überlegt, wie schnell man durch Deutschland fahren kann und wie langsam man hier voran kommt. Sei es aufgrund der Entfernungen, der Geschwindigkeitsbegrenzungen, aber auch der Straßenführung. Wenn da ein Fjord ist, fährt man halt einmal drum herum. Wie einsam einfach so viele Leute leben, die nächsten Nachbarn Kilometer entfernt. Dafür muss man geboren sein. Dabei sind die Leute total offen und redsam. Wir sind ein paarmal angesprochen worden und das hat immer gleich Gespräche ergeben.
Unendlich viele Brücken haben wir überquert und beim 100. Tunnel habe ich aufgehört zu zählen. Dabei ist es unterwegs schlicht unmöglich, Radio zu hören. Es gibt keine Sender, die man einfangen kann. Dafür hat irgendwie jeder Norweger unterwegs Kopfhörer auf und hört online alles mögliche. Das haben wir dann auch gemacht und hatten in allen abgelegenen Regionen immer bestes Internet. Auch die Preise hier sind echt heftig. 2x Burger mit Getränk kosten schlappe 60 Euro. Für ein Bier werden teilweise 15 Euro im Restaurant aufgerufen. Die Campingplätze lagen meistens um die 40 Euro ohne Strom. Die kleinen Miethütten auf den Campingplätzen haben schnell 150 Euro aufwärts gekostet. Und die waren sehr einfach. Die Leute scheinen hier aber auch entsprechend zu verdienen, sonst würde das System nicht hinhauen. Denn die Restaurants sitzen voll und die Leute trinken Bier. Gefühlt neben jedem 5. Haus stehen riesige Wohnmobile, in denen die Norweger ihr Land selber bereisen. Während in Deutschland die Kastenwagen im Trend liegen, fahren die Norweger die ganz großen Modelle. Dabei rechnen sich die Kosten für die Maut auch ganz schön. Da wir unter 3,5 Tonnen liegen, zahlen wir nur die Beiträge für die Autos. Die großen Mobile kosten teilweise die 3fache Summe. Dass der bezahlt, der es nutzt, ist richtig. Was wiederum auch echt fair ist, sind die Kosten für die Fähren, die man oft ja nicht vermeiden kann. Wir haben über Autopass einen Vertrag für ein Bonussystem abgeschlossen und mussten knapp 200 Euro dorthin überweisen. Da wir in Vorkasse getreten sind, haben wir bei den Fähren nur 50 % des Preises gezahlt. Die Zahlung erfolgt über das Scannen des Kennzeichens. Nach der Tour haben wir noch knapp 75 Euro Guthaben, das wir jetzt zurück fordern können. Dafür, dass keiner die Beiträge mühsam einfordern muss, Nachlässe zu geben, ist echt ein Deal.
