Ich war ja gestern den ganzen Tag ziemlich aufgeregt. Hatte morgens noch Lehrgang und bin dann ganz schnell nach hause gefahren. Andi war mindestens genauso aufgeregt wie ich. Irgendwie ist Südafrika von der Erwartung und den Ungereimtheiten doch nochmal was anderes als unsere anderen Urlaube bisher. Meine Eltern haben uns an den Flughafen zum Terminal 2 gebracht (danke nochmal!) und wir haben ganz gemütlich unser Gepäck abgegeben und sind irgendwann in Richtung Gate gelaufen. Wir haben über British Airways gebucht mit einem Umweg über London, da das über 300 EUR pro Nase günstiger war als mit Lufthansa oder South African. Tja, wir saßen also da und haben auf unser Boarding gewartet, als die Durchsage kam, dass der Flieger aus London mindestens 35 Minuten Verspätung habe. Gleich danach kam die Durchsage, die Passagiere Schwalm und Berends mögen sich bitte umgehend mit dem Personal in Verbindung setzen. Also sind wir zu den Damen hin und die haben uns eröffnet, dass wir unmöglich unseren Anschlussflug von London aus bekommen und dass sie uns soeben auf einen Direktflug nach Johannesburg mit South African umgebucht hätten. Wir sollten uns sofort wieder in die ursprüngliche Abfertigungshalle begeben und dort unsere neuen Tickets holen. Wir also in einem Affentempo den ganzen Weg wieder zurück. Am Schalter hat schon eine Dame auf uns gewartet, die uns die neuen Boardingkarten ausgestellt hat. Der Haken: der andere Flug ging vom Terminal 1 und in einer halben Stunde los. Wir also zum Sky Train gerannt, zum Terminal 1 gefahren und dort wieder durch alle Sicherheitskontrollen. Am meisten Schiss hatten wir, dass unser Gepäck nicht mitkommt. Zum Schluss saßen wir aber schweißgebadet im Flieger zusammen mit unserem Gepäck. Da wir ja jetzt einen Direktflug hatten, waren wir dann heute morgen schon gegen 7 Uhr in Johannesburg. Dort haben wir unseren Mietwagen (einen Kia Sportage) entgegen genommen und los ging es.
Ich weiß nicht, was für komische Vorstellungen wir von Südafrika hatten, aber irgendwie waren sie alle falsch. Wir sind auf einer tollen Autobahn gelandet, auf der Audis, Mercedes usw. gefahren sind. Ok, es waren auch einige völlig überladene LKWs dabei und ein paar Autos sind auch liegen geblieben, aber die 100 % Rostlauben, die wir erwartet haben, haben wir nicht gesehen. Am Stadtrand von Johannesburg haben wir ein kleines Township gesehen, was schon krass war, aber ansonsten standen überall recht moderne kleine Häuschen rum. Wir sind erst mal 100 km nach Middelburg gefahren. Die Landschaft war zuerst richtig karg. Hier war gerade Winter und daher ist alles braun. Laut Reiseführer kann man sich in Middelburg gut eindecken mit Kühltasche, Lebensmitteln usw. Uns hat ein komplett modernes Einkaufszentrum erwartet, von dem sich das DEZ noch eine Scheibe abschneiden kann. Hier haben wir eine elektr. Kühltasche und ein paar Lebensmittel gekauft und weiter ging es.
Am Rande der Autobahn saßen dann ein paar Frauen an einem Wasserloch und haben Wäsche gewaschen, was wieder das völlige Gegenteil von dem Einkaufszentrum war. Was auch lustig ist – hier gibt es, ähnlich wie in der Türkei – Dolmusse (keine Ahnung, ob das so heißt). Es stehen jedenfalls mitten in der Prärie Leute an der Autobahn und die kleinen Busse halten und nehmen die Leute mit. Die Busse sind immer bis auf den letzten Platz gefüllt.
Jaaa, und dann saß er vor uns auf der Straße – unser erster Affe in freier Wildbahn. Leider war er zu schnell weg als dass wir ihn hätten fotografieren können. Die Landschaft ist mit der Zeit richtig hügelig geworden .Wir sind dann über den Long Tom Pass gefahren, den 2. höchsten Pass in Südafrika. Es geht über 20 km steil bergauf mit tollen Ausblicken. Auf der anderen Seite geht es wieder 20 km steil bergab. Es ist der Beginn der Panorama Route, die wir morgen weiter fahren werden. In Sabie, wo wir jetzt zwei Nächte bleiben, haben wir das Auto wieder vollgetankt. Hier in Südafrika darf man nicht selber tanken, sondern bekommt getankt und die Scheibe geputzt. Ein merkwürdiges Gefühl, im Auto zu sitzen und bedient zu werden. Anschließend waren wir in einem Sparmarkt einkaufen. Am Parkplatz hat uns so ein Typ eingewiesen, uns gefragt, ob wir auch abgeschlossen haben und uns später erzählt, er habe die ganze Zeit aufgepasst und hätte sich doch ein Trinkgeld verdient, oder?
Generell hatte ich irgendwie angenommen, dass man hier ständig Angst haben muss, dass einem etwas angetan wird. Man muss sicher auch aufpassen, wir hatten heute aber beide nicht das Gefühl, in irgendwelchen komischen Situationen zu sein.
So, jetzt ist es 20 Uhr, wir sind platt und wollen nur noch schlafen. Aber erst mal ein Bierchen (!) auf der Veranda des Porcupine Ridge Guesthouses:
