2012 Südafrika

Ab nach Südafrika

Ich war ja gestern den ganzen Tag ziemlich aufgeregt. Hatte morgens noch Lehrgang und bin dann ganz schnell nach hause gefahren. Andi war mindestens genauso aufgeregt wie ich. Irgendwie ist Südafrika von der Erwartung und den Ungereimtheiten doch nochmal was anderes als unsere anderen Urlaube bisher. Meine Eltern haben uns an den Flughafen zum Terminal 2 gebracht (danke nochmal!) und wir haben ganz gemütlich unser Gepäck abgegeben und sind irgendwann in Richtung Gate gelaufen. Wir haben über British Airways gebucht mit einem Umweg über London, da das über 300 EUR pro Nase günstiger war als mit Lufthansa oder South African. Tja, wir saßen also da und haben auf unser Boarding gewartet, als die Durchsage kam, dass der Flieger aus London mindestens 35 Minuten Verspätung habe. Gleich danach kam die Durchsage, die Passagiere Schwalm und Berends mögen sich bitte umgehend mit dem Personal in Verbindung setzen. Also sind wir zu den Damen hin und die haben uns eröffnet, dass wir unmöglich unseren Anschlussflug von  London aus bekommen und dass sie uns soeben auf einen Direktflug nach Johannesburg mit South African umgebucht hätten. Wir sollten uns sofort wieder in die ursprüngliche Abfertigungshalle begeben und dort unsere neuen Tickets holen. Wir also in einem Affentempo den ganzen Weg wieder zurück. Am Schalter hat schon eine Dame auf uns gewartet, die uns die neuen Boardingkarten ausgestellt hat. Der Haken: der andere Flug ging vom Terminal 1 und in einer halben Stunde los. Wir also zum Sky Train gerannt, zum Terminal 1 gefahren und dort wieder durch alle Sicherheitskontrollen. Am meisten Schiss hatten wir, dass unser Gepäck nicht mitkommt. Zum Schluss saßen wir aber schweißgebadet im Flieger zusammen mit unserem Gepäck. Da wir ja jetzt einen Direktflug hatten, waren wir dann heute morgen schon gegen 7 Uhr in Johannesburg. Dort haben wir unseren Mietwagen (einen Kia Sportage) entgegen genommen und los ging es.

Ich weiß nicht, was für komische Vorstellungen wir von Südafrika hatten, aber irgendwie waren sie alle falsch. Wir sind auf einer tollen Autobahn gelandet, auf der Audis, Mercedes usw. gefahren sind. Ok, es waren auch einige völlig überladene LKWs dabei und ein paar Autos sind auch liegen geblieben, aber die 100 % Rostlauben, die wir erwartet haben, haben wir nicht gesehen. Am Stadtrand von Johannesburg haben wir ein kleines Township gesehen, was schon krass war, aber ansonsten standen überall recht moderne kleine Häuschen rum. Wir sind erst mal 100 km nach Middelburg gefahren. Die Landschaft war zuerst richtig karg. Hier war gerade Winter und daher ist alles braun. Laut Reiseführer kann man sich in Middelburg gut eindecken mit Kühltasche, Lebensmitteln usw. Uns hat ein komplett modernes Einkaufszentrum erwartet, von dem sich das DEZ noch eine Scheibe abschneiden kann. Hier haben wir eine elektr. Kühltasche und ein paar Lebensmittel gekauft und weiter ging es.

Am Rande der Autobahn saßen dann ein paar Frauen an einem Wasserloch und haben Wäsche gewaschen, was wieder das völlige Gegenteil von dem Einkaufszentrum war. Was auch lustig ist – hier gibt es, ähnlich wie in der Türkei – Dolmusse (keine Ahnung, ob das so heißt). Es stehen jedenfalls mitten in der Prärie Leute an der Autobahn und die kleinen Busse halten und nehmen die Leute mit. Die Busse sind immer bis auf den letzten Platz gefüllt.

Jaaa, und dann saß er vor uns auf der Straße – unser erster Affe in freier Wildbahn. Leider war er zu schnell weg als dass wir ihn hätten fotografieren können. Die Landschaft ist mit der Zeit richtig hügelig geworden .Wir sind dann über den Long Tom Pass gefahren, den 2. höchsten Pass in Südafrika. Es geht über 20 km steil bergauf mit tollen Ausblicken. Auf der anderen Seite geht es wieder 20 km steil bergab. Es ist der Beginn der Panorama Route, die wir morgen weiter fahren werden. In Sabie, wo wir jetzt zwei Nächte bleiben, haben wir das Auto wieder vollgetankt. Hier in Südafrika darf man nicht selber tanken, sondern bekommt getankt und die Scheibe geputzt. Ein merkwürdiges Gefühl, im Auto zu sitzen und bedient zu werden. Anschließend waren wir in einem Sparmarkt einkaufen. Am Parkplatz hat uns so ein Typ eingewiesen, uns gefragt, ob wir auch abgeschlossen haben und uns später erzählt, er habe die ganze Zeit aufgepasst und hätte sich doch ein Trinkgeld verdient, oder?

Generell hatte ich irgendwie angenommen, dass  man hier ständig Angst haben muss, dass einem etwas angetan wird. Man muss sicher auch aufpassen, wir hatten heute aber beide nicht das Gefühl, in irgendwelchen komischen Situationen zu sein.

So, jetzt ist es 20 Uhr, wir sind platt und wollen nur noch schlafen. Aber erst mal ein Bierchen (!) auf der Veranda des Porcupine Ridge Guesthouses:

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2012 Südafrika

Auf der Panorama-Route

Jaaa, es ist ein Tag später, wir sitzen wieder auf der traumhaften Terrasse, Andi hat mittlerweile 2 Bier intus (!!) und es ist einfach nur traumhaft. Ich glaube, wir sind dabei, uns in Südafrika zu verlieben (war wahrscheinlich auch nicht anders zu erwarten). Heute morgen haben wir auf der Terrasse ein tolles Frühstück serviert bekommen. Wir haben mit zwei anderen Gästen (Südafrikanern) gegessen und diese ausgequetscht zu allen möglichen Themen. Da sie im Krüger Nationalpark arbeitet, war das ganz praktisch. Weil es so nett war, sind wir auch erst gegen 9 Uhr losgefahren. Unsere Vermieterin hat uns geraten, die Panorama-Route erst konsequent bis zum Schluss durchzufahren und am Rückweg erst alles anzuschauen, da wir sonst unmöglich alles schaffen. Also haben wir auf sie gehört und haben Sabie in Richtung Graskop verlassen. Wir haben einen Abstecher zu den Pinnacles und dem Gods Window gemacht. Am Eingang zu den Parkplätzen standen immer Wächter, die ca. 40 Cent Parkgebühren kassiert haben (also echt human). Wir sind mit einem super schönen Panorama belohnt worden. Teilweise sieht es aus wie in den Alpen, ein paar Meter weiter findet man aber plötzlich einen Abschnitt mit Regenwald. Anschließend ging es weiter auf tollen Straßen durch die Berglandschaft zu den Three Rondavels im Blyde River Canyon. Auch hier wurde wieder harmlos abkassiert. Was ich sehr angenehm finde ist, dass überall an den Parkplätzen schwarze Frauen ihre Sachen verkaufen, dabei aber überhaupt nicht aufdringlich sind, sondern eher ruhig im Schatten sitzen.

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Auf dem Rückweg lagen die Bourke’s Luck Potholes, durch ein kleines Flüsschen ausgewaschene Felsen. die wie Kochtöpfe aussehen.

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Mittag haben wir in Graskop gemacht, wo es laut Reiseführer ein tolles Pancake-Restaurant (Harry’s Pancake Bar) gibt. Ein schwarzer  Makadamianussverkäufer hat uns großzügig einen Parkplatz vor der Bar zugewiesen und hat uns auf deutsch seine Ware angepriesen. Andi meinte, wir gehen erst essen und dann schauen wir mal. Wir hatten nach dem (sehr leckeren) Essen kaum einen Fuß auf den Bürgersteig gesetzt, da kam er schon lachend auf uns zugerannt und wir haben ihm für ca. 2,40 EUR 2 große Tüten abgekauft. Bei uns kosten die ein Vermögen und er hat an uns bestimmt auch gut verdient Smiley

Am Rückweg haben wir uns ein paar Wasserfälle angeschaut, Andi ist wieder wild irgendwelche Berge hochgekraxelt, um das ultimative Bild zu bekommen und war wieder ganz in seinem Element. Zum Schluss haben wir es noch geschafft, zu den Mac Mac Pools zu kommen, in denen man traumhaft baden kann. Da wir aber 10 Minuten vor Schluss gekommen sind, haben wir nur noch die Füße gebadet. Um Punkt 17 Uhr kam ein Linienbus voller Schwarzer gefahren und wir haben unseren Ohren nicht getraut – alle Leute in dem Bus haben gesungen und den Parkwärter abgeholt. Als wir wieder in Sabie waren, haben wir den SPAR-Markt überfallen und uns mit Gegenmitteln für Moskitos eingedeckt, da es morgen in den Krüger Park geht. Mittlerweile bewegen wir uns hier ganz selbstverständlich zwischen den ganzen Einheimischen. Vor allem fällt auf, wie freundlichen sie alle sind und einem zulachen, wenn man freundlich zu ihnen ist.

2012 Südafrika

Auf dem Weg und im Krüger Nationalpark

Schade, aber wir mussten heute morgen unser Paradies in Sabie wirklich verlassen. Für den Südafrika-Einstieg gibt es, glaube ich, keine bessere Herberge für die ersten Nächte. Man lebt total idyllisch, bekommt super Tipps von den Vermietern und wird toll bewirtet. Nachdem wir uns im Gästebuch verewigt hatten (vorher durften wir nicht weg), haben wir uns wieder auf die gleiche Strecke wie gestern begeben, nur dass wir dieses mal ne Ecke weiter gefahren sind. Nach den Three Rondavels, die wir uns ja gestern noch angeschaut hatten, ging es einen steilen Pass bergauf. Die Trucks mussten sich echt quälen und sind teilweise im Schritttempo gefahren. Oben auf dem Pass befand man sich in einem ganz engen Tal, rechts und links der Straße haben wieder ganz viele Einheimische ihre Waren feil geboten und man musste durch einen Tunnel fahren, um aus dem Tal wieder rauszukommen. Dann ging es fast 50 km geradeaus (und ich meine wirklich geradeaus) bis nach Phalaborwa. Hier wohnen die zwei Südafrikaner, mit denen wir gestern gefrühstückt haben und es ist ein Tor zum Krüger Nationalpark. Wir haben nochmal vollgetankt, uns die Scheiben putzen lassen und noch ein paar Kleinigkeiten eingekauft.

Dann haben wir im Park eingecheckt und los ging es. Die ersten km sind wir fast im Schritttempo gefahren, da wir ja was hätten übersehen können. Und tatsächlich standen plötzlich drei riesige Elefanten am Straßenrand. Wir konnten uns gar nicht satt sehen. Irgendwann sind wir weitergefahren und auf eine Schotterpiste abgebogen, auf der wir uns dann ca. 15 km haben durchschütteln lassen. Da wir aber außer vertrocknetem Busch gar nichts mehr an Wild gesehen haben, sind wir zurück auf die geteerte Straße. Wir mussten bis 18 Uhr in unserem Camp sein, da sonst die Tore schließen und wir im Park hätten übernachten müssen. Die Rückkehr auf die geteerte Straße war auch richtig, denn ein paar km weiter haben wir gleich ein paar Warzenschweine und kurz danach ein paar Wasserbüffel gesehen. Unglaublich, was hier alles direkt vor der Nase rumläuft.

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Irgendwann sind wir am Olifants-River gelandet und dort haben wir plötzlich Elefanten ohne Ende gesehen. Einer hatte zwei Junge dabei und ist dann auch mal in unsere Richtung gelaufen, um die Jungen zu verteidigen. Andi hat schnell Gas gegeben und wir sind lieber abgehauen. Um die nächste Kurve rum dachten wir, wir trauen unseren Augen nicht – da stand tatsächlich ne Giraffe und hat uns direkt angeglotzt. Okay, sie stand ne Etage höher als wir. Sie ist dann total langsam über die Straße und wir konnten gar nicht genug Bilder kriegen.

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Um 17.36 Uhr sind wir im Olifants Camp angekommen, haben eingecheckt und unsere coole Hütte direkt am Abgrund mit Blick auf den Fluss übernommen. Hier gibt es sogenannte Rondavels, runde afrikanische Hütten. Außen ist eine Küche, ein Grill und innen sind halt zwei Betten und ein Bad. Da es heute affig heiß war (ca. 40 Grad!!!), haben wir zuerst die Klimaanlage angeschmissen und uns mit einer Art “Autan” eingeschmiert und eingesprüht, da wir hier in Malariagebiet sind (liebe Eltern, bitte nicht die Krise kriegenSmiley) Da es dann eh schon dunkel war, haben wir uns in die Hütte verzogen, um den Moskitos möglichst aus dem Weg zu gehen. Morgen früh wollen wir zum Sonnenaufgang um 5.30 Uhr aufstehen. Da wir nur auf die Terrasse müssen, ist das bestimmt ein toller Blick auf den Fluss. Habe gerade noch gelesen, dass wir unseren Kühlschrank draußen möglichst mit der Tür zur Hüttenwand drehen sollen, da sonst die Affen nachts alles rausklauen. Guter Hinweis, das tun wir doch lieber noch! Gute Nacht!