2015 Afrika · Namibia

Der Fish River Canyon

Heute morgen haben wir schön gefrühstückt – mit lauter selbst gemachten Sachen. Wäre aber auch schwierig, vom 200 km entfernten Keetmannshoop frische Brötchen her zu bringen…  War super lecker und nicht so angespannt wie den morgen davor. P1010806Um kurz nach 8 Uhr sind wir aufgebrochen zum Fish River Canyon, nach dem Grand Canyon dem 2. größten der Welt. Einen größeren Unterschied könnte es zwischen den beiden Canyons  nicht geben – alleine vom Besucherandrang und der Infrastruktur im Park. Am Eingang musste man in einer Hütte den Eintritt zahlen, wurde darauf hingewiesen, dass es im Park keine funktionierenden Toiletten gibt und dann sind wir auf einer Schotterstraße in den Park gefahren. P1010652Eigentlich dachten wir, dass es nur einen richtigen Aussichtspunkt gibt. In unserer Lodge hatten sie uns gestern aber eine Karte gegeben mit weiteren Aussichtspunkten und so sind wir nach der Karte gefahren. Ab einem gewissen Punkt war die Straße nur noch für 4×4 Autos zugelassen, da sind wir umgekehrt auf die offizielle Straße. Am meisten hat uns fasziniert, dass wir an den meisten Punkten vollkommen alleine waren und nicht zusammen mit tausenden anderen Menschen wie am Grand Canyon. P1010681Außerdem waren wir über die Größe und die Schönheit überrascht, denn auch hier hat der Reiseführer gewarnt, dass man nicht enttäuscht sein solle, wenn man den Grand Canyon kenne. Vor allem die Weite und absolute Stille sind der Hammer. Praktischerweise hat heute auch das Wetter mitgespielt und dieser komisch diesige Himmel ist verschwunden. Andis Fotografenherz hat höher geschlagen!

Gegen Nachmittag sind wir ins Hotel zurück gekommen und haben es uns wieder am Pool im Schatten gemütlich gemacht. Andi war total platt, er hat anscheinend zu viel Sonne abbekommen.  Die Temperaturunterschiede hier sind echt erstaunlich. Heute morgen war es eisig kalt, heute Nachmittag ist es wieder warm, aber nicht heiß. P1120745Es lässt sich richtig gut aushalten. Den Sonnenuntergang haben wir heute auch von der Poolterrasse genossen – bei einem kühlen Savanna Light Smiley. Abends gab es Buffet auf der Terrasse, unter dem tollen Sternenhimmel und die Angestellten haben afrikanische Lieder gesungen. Hier wollen wir bleiben…

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Entlang des Oranje nach Lüderitz

Wie traurig. Wir mussten uns heute morgen von unserer Traumlodge und dem super netten Personal verabschieden. Dafür, dass wir anfangs dachten, was wir hier zwei Nächte sollen, könnten wir jetzt noch locker länger bleiben. Unser heutiges Ziel heißt Lüderitz und eigentlich hätten wir die C12, die wir hergekommen sind, wieder einige km zurück fahren müssen. Wir haben aber gestern in der Lodge einen älteren allein reisenden Herren kennen gelernt, der die gleiche Tour vor hat und sich mit einigen Leuten hier unterhalten hat. Diese haben ihm gesagt, dass es eine landschaftlich schönere Tour entlang des Oranje River gibt. Wir haben uns die Strecke auf der Karte angeschaut und festgestellt, dass sie schon um einiges länger ist. Aber die Strecke hierher hat uns nicht so von den Socken gerissen, als dass wir sie nochmal fahren müssten. P1120761Also haben wir beschlossen, früher loszufahren und die längere Strecke zu nehmen. Ab ging es weiter gen Süden, in Richtung Ai-Ais. Hier gibt es heiße Quellen zu bestaunen, die wir bei der Hitze aber nicht brauchten und für die wir auch keine Zeit hatten. Viel mehr hatte unser Auto Durst und so haben wir dort getankt. Da es hier nur alle paarhundert km eine Tankstelle gibt, muss man damit sehr sorgsam umgehen. Nach dem kurzen Tankstopp ging es weiter gen Süden. Wir sind erst durch Berge und dann durch unglaubliche Weiten gefahren, wo absolut nichts gewachsen ist. Und spätestens seit gestern hat uns Namibia mit seiner Schönheit gefangen. Die ersten Tage waren wir eigentlich nur von den Übernachtungen begeistert, jetzt definitiv auch von der Landschaft!!! P1020010Viele km später wurde es vor uns plötzlich satt grün – wir waren am Oranje River angekommen. Und so schön hatten wir ihn uns wirklich nicht vorgestellt! Eigentlich hatten wir mit einem dreckig braunen Wasser gerechnet – falsch gedacht. Das Wasser war traumhaft blau und hat sich mit dem Grün der Pflanzen toll von der kargen Bergwelt abgehoben. P1020014Die Straße hat sich ca. 100 km an dem Fluss entlang geschlängelt. Richtig wirklich voran gekommen sind wir aufgrund der Straße und der vielen Fotostopps nicht, aber das war egal. Leider mussten wir den Fluss irgendwann wieder verlassen und sind in Rosh Pinah gelandet, einem kleinen Ort, in dem Zink abgebaut wird. Es herrschte total geschäftiges Treiben und wir haben eine Kleinigkeit zum Mittag gegessen. P1010932Ab hier waren es noch knapp 300 km nach Lüderitz, aber ab hier hatten wir Gott sei Dank auch wieder eine Teerstraße, so dass wir schnell voran gekommen sind. Im Hotel hatten sie uns gesagt, dass die gesamte Strecke ca. 30 Minuten länger ist als die andere – wir haben schließlich 4 Stunden länger gebraucht… In dem Städtchen Aus sind wir gen Westen auf die B4 abgebogen und haben nach wenigen km die berühmten Wildpferde von Gharub einer alten Bahnstation gesehen. P1020130Es sah aus, als würden sie auf den Zug warten. Ich hatte schon öfter gelesen, dass die Straße nach Lüderitz sehr windig sei und man aufpassen müsse wegen Sandverwehungen. Was wir hier aber erlebt haben – unglaublich. Unser komplettes Auto wurde sandgestrahlt, da wir mitten durch die Wüste bei heftigstem Sturm gefahren sind. P1120810_2Die Straße ist extra so gebaut, dass der Sand nicht liegen bleibt und sich selber reinigt. Aber das muss man mal erlebt haben. In Deutschland würde der Verkehr zum Erliegen kommen! Irgendwann am späten Abend sind wir in Lüderitz angekommen, haben schnell im Hotel eingecheckt und haben die verbleibende Stunde zum Sonnenuntergang noch genutzt, um etwas durch den Ort zu fahren. P1120819Es war total stürmisch und man kam sich vor wie in einer deutschen Filmkulisse aus den Beginnen des 19. Jahrhunderts. Alle Häuser sehen aus wie alte Häuser bei uns, es gibt eine Turnhalle, Fachwerkhäuser usw. Total lustig. Nach Sonnenuntergang haben wir uns noch eine Pizza geholt und sind nur noch total fertig ins Hotel gefahren. 

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Über Kohlmannskuppe in die Tirasberge

Was ein ereignisreicher Tag! Nachdem wir heute morgen Rainer (den älteren Herren aus dem Fish River Canyon) beim Frühstück wieder getroffen haben (Namibia ist klein und irgendwie haben viele die gleiche Route, auf der sie reisen) sind wir aufgebrochen nach Kohlmannskuppe. P1120830Der Ort befindet sich ca. 10 km landeinwärts und war früher ein florierender Ort, da hier Diamanten gefunden wurden. Es haben hier ca. 350 Deutsche und 800 Einheimische gelebt. Die Einheimischen haben immer eine gewisse Zeit hier gearbeitet und durften nicht raus, da sie keine Diamanten schmuggeln sollten. Es gab ein Krankenhaus (und das erste Röntgengerät im südlichen Afrika), eine Kegelbahn, eine Turnhalle usw. P1020219Die Stadt hatte Anfang des 19. Jahrhunderts ihren Höhepunkt. Nachdem wir eine Führung mitgemacht haben und einige der besser erhaltenen Gebäude gezeigt und deren frühere Funktion erklärt bekamen, sind wir los und haben so gut wie alle Gebäude auf eigene Faust erkundet. Es ist schon faszinierend zu sehen, wie sich die Natur innerhalb kurzer Zeit alles zurückerobert hat. Durch die Straßen weht bereits früh morgens ein starker Wind und man wird regelrecht mit Sand überschüttet und er dringt in jede Ritze.

Tipp: Die Kameraausrüstung unbedingt in einer Tasche oder mit Plastikfolie schützen und Objektivwechsel möglichst vermeiden. Eine Windjacke ist ratsam, da sich in ihr kein Sand fängt.

P1020297Dächer wurden durch den Wind abgedeckt, Holzböden sind eingestürzt, Fenster zerstört und die Häuser mit Sand regelrecht überflutet, so dass teilweise kein Durchkommen mehr ist. Das alles ergibt eine morbide und unheimliche Atmosphäre. Insgesamt hat uns die Kohlmannskuppe an die Geisterstadt Bodie in USA erinnert, nur eben aus einem anderen Jahrhundert. Sehr eindrucksvoll.

Dann sind wir weiter in Richtung Tirasberge gefahren. Unterwegs haben wir noch einmal in Aus vollgetankt und in einem sehr schönen Hotel Cappuchino und Strawberry Cheesecake zu uns genommen. P1120887Sehr lecker aber auch sehr “mastig”. Dann ging es weiter etliche Stunden durch wunderschöne Regionen auf den typischen Schotterpisten, mal gut befahrbar aber auch teilweise mit heftigen Spurrinnen, die das Auto in Richtungen zog, in die man gar nicht lenkte. Aber am heftigsten wurde es ca. 2 km, bevor wir an unserer Unterkunft ankamen. Der Schotter ging in eine dicke fette Sandpiste über, die unser Auto trotz heftigster Anstrengungen immer weiter verlangsamte, bis wir gänzlich zum Stillstand kamen und den Motor abwürgten. Alle Anstrengungen, wie langsam Anfahren, Rückwärtsfahren, Vorderreifen ausgraben usw. führten zu keinem Erfolg, wir steckten buchstäblich im Sand fest!

Tipp: Generell raten wir mittlerweile, Namibia mit einem 4-Wheel-Drive oder zumindest Allradfahrzeug zu bereisen. Diese bieten einfach mehr Reserven in solchen Situationen.

P1120910Schließlich kamen wir auf die rettende Idee, unser Sattelitentelefon zu nutzen, um Hilfe in unserer Lodge anzufordern. Gesagt, getan. Satfon eingeschaltet, PIN eingegeben, etwas gewartet und “tüdeldü” hatten wir Sattelitenverbindung! P1120912Andi rief die Lodge an und innerhalb einer halben Stunde kam der Chef persönlich mit einem Angestellten und einem Toyota 4-Wheel-Drive Pickup, um uns abzuschleppen. Die Begrüßung auf der Landstraße war herzlich und nach ein paar Versuchen waren wir freigezogen und fuhren gemeinsam in die Unterkunft.

Das Kanaan N/a’an ku sê Desert Retreat ist einfach aber zweckmäßig angelegt: In den Zimmern gibt es keinen Strom und keine Klimaanlage, auch eine Badezimmertür fehlt komplett. P1020339Trotzdem gibt es einen sehr großen und schön einrichteten Aufenthaltsraum mit Essbereich und draußen eine große Terrasse mit Loungesesseln und Feuerstelle, auf der abends gegrillt wird. Um den Tag gebührend abzuschließen, kletterten wir noch auf eine naheliegende Kuppe, von der wir auf die weite Ebene schauen und den Sonnenuntergang bewundern konnten – gigantisch!

Aber damit war das Abenteuer für diesen Tag noch lange nicht vorbei! Während wir uns zurück in der Lodge mit einem älteren Ehepaar unterhielten, meldete sich bei Sandra der Cheesecake und ein evtl. Sonnenstich zurück. Sie verabschiedete sich wortlos in unser Zimmer und ward den Rest des Tages nicht mehr gesehen. Heftige Übelkeit, Bauchschmerzen und Durchfall wechselten sich ab. Unterbrochen nur durch Schlafen, zwei mal in Ohnmacht fallen und zu guter Letzt Aufschlagen mit der Nase auf der Duschwanne – Platzwunde – aber zum Glück nichts gebrochen! Alle waren sehr hilfsbereit, die Angestellten versorgten Sandra mit Eis zum Kühlen und das ältere Ehepaar mit Tropfen gegen Übelkeit. Hoffentlich geht es Sandra Morgen wieder etwas besser…

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Zum Namib-Naukluft-Park

P1020529Was für eine Nacht! Sandra konnte überhaupt nicht schlafen, da ihre Nase so wehtat und ihr Magen weiter rumorte. Nichtsdestotrotz unternahm Andi in den frühen Morgenstunden eine vom Chef geführte Tour zu einer nahegelegenen großen Sanddüne, um von dort den Sonnenaufgang über den Bergen zu erleben und natürlich zu fotografieren. Geteilt wurde die Freude mit einem ebenfalls Fotografie begeisterten Reisenden, der schon ein paar Mal mit seiner Familie in Namibia unterwegs war und einige interessante Infos und Hinweise weitergab. Nachdem wir den Sonnenaufgang, die Düne und die Umgebung fotografiert hatten, ging es zum Frühstück zurück in die Lodge. Sandra wurde noch mit einem Tee, trockenem Brot und Elektrolyten in Pulverform versorgt P1020569und wir machten uns weiter auf den Weg in den Norden, zum Namib-Naukluft-Park. Wir kamen durch wunderschöne Landschaftsabschnitte mit Bergen, Bäumen, Sanddünen und weiten Ebenen, in denen die typischen Tiere wie Oryxe und Springböcke umherstreiften. Nach ca. 270 km kamen wir ziemlich erschöpft an unserer neuen Unterkunft an, dem Desert Homestead Outpost. Er liegt in einem großen privaten Naturschutzgebiet, angrenzend zum Namib-Naukluft-Park. Wir bezogen unser Super-Luxus-“Zelt”, gelegen am Fuße eines Berges und Panoramablick auf die Umgebung – wow! P1020653Sandra fiel direkt ins Bett und schlief sofort ein, da sie jetzt auch noch Fieber bekommen hat. Ein paar Stunden später ging es ihr schon wieder etwas besser. Immerhin wollen wir morgen das Sossusvlei-Gebiet besuchen, in der die berühmten roten Dünen liegen.

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Das Sossusvlei

Als wir heute morgen aufgewacht sind, habe ich mit mir gekämpft, was ich tun soll: Mit Andi das Sossusvlei im Namib-Naukluft-Nationalpark besuchen (ein Highlight unserer Tour) oder weiter im Bett liegen bleiben und mich auskurieren. Da ich hier so schnell nicht wieder her komme, habe ich mich für Variante 1 entschieden. Wir haben etwas gefrühstückt und dann ging es ins 35 km entfernte Sesriem, dem Eingang in den Namib-Naukluft-Park. Das Sossusvlei ist eine von Sanddünen umschlossene Salztonpfanne (“Vlei”) in der Namibwüste, die nur selten Wasser führt. “Sossus” bedeutet “blinder Fluss” in der Sprache der Nama, da das Wasser hier versandet. P1020699Nach dem Eingang in den Park muss man erst mal ellenlang fahren, bis man tiefer in die Dünenwelt eintaucht. Nach 45 km kommt die “Düne 45”, auf der erst mal alle hoch gelaufen sind. Wir haben dies sein gelassen und sind weiter gefahren. Am Rückweg haben wir festgestellt, dass es auch überhaupt keinen Sinn macht, diese Düne hoch zu laufen, denn das eigentliche Highlight kommt später und hier verschwendet man unnütz seine Kräfte. Nach 65 km kommt man nur noch mit einem Allradwagen weiter. P1020719Da wir diesen ja nicht haben, sind wir auf Transporter umgestiegen, die uns durch Sandwege weiter ins Innere der Dünenwelt gebracht haben. Diese kosten pro Nase 110 N$ und somit mehr als der Eintritt in den Park 80 N$. Andi hatte vor, auf die größte Düne – dem Big Daddy – (ca. 350 m hoch) zu laufen. Das habe ich mir heute überhaupt nicht zugetraut und so bin ich gleich ins sogenannte Dead Vlie gelaufen, einer ausgetrockneten Salzpfanne, in der lauter abgestorbene Bäume stehen und die von roten Dünen umschlossen ist. Auf dem Kamm von Big Daddy wurde Andi ein immer kleinerer Punkt. Als er oben ankam, war die Aussicht wohl traumhaft. P1020975Er hat für mich ganz viele Bilder gemacht und ist irgendwann die Düne runtergesurft. Runter ging’s definitiv schneller als hoch. Wir haben unten im Tal noch einige Zeit gewartet, dass die Schatten wieder länger wurden und Andi noch ein paar schöne Bilder machen konnte. Als ich vormittags in das Tal kam, waren ganz viele Menschen da und ich habe schon gedacht, dass ich den ersten überlaufenen Touri-Punkt von Namibia entdeckt habe. Nachmittags waren wir alleine in dem Talkessel und die anderen Touris haben sich wieder verzogen. Wir sind zurück in unsere traumhafte Lodge gefahren und haben den Abend ausklingen lassen.P1020927