2018 Patagonien · Chile

Pumalin Park

Sehr früh sind wir heute morgen aufgebrochen. Um 4.45 Uhr haben wir auf total leeren Straßen Puerto Varas verlassen und sind gen Süden aufgebrochen.

Um 6 Uhr fuhr der erste Fähre von La Arena nach Caleta Puelche und wir hatten Glück und sind mit gekommen. Man kann sie nicht vorbuchen und daher war nicht klar, was dort los ist und ob wir mit kommen.

Kaum nachdem wir das Schiff verlassen haben kam eine Baustelle und im Regen ging es auf matschigen Pisten weiter. Wir waren das erste mal froh, dass wir ein Allrad Auto haben, das die Straße super gemeistert hat. Die einzige, die angespannt war, war ich – Andi hatte totalen Spaß…. Ein paar Kilometer weiter die nächste Baustelle und wir haben eine gefühlte Ewigkeit vor einem Stopschild verbracht, da wir den Gegenverkehr abwarten mussten. Dabei lief uns die Zeit weg, denn um 9 Uhr fuhr die nächste Fähre, wir hätten eigentlich zwei Stunden vorher da sein müssen und hatten nur noch eine. Wir hatten die Hoffnung, dass andere in der wartenden Schlange vor dem Stop Schild auch davon betroffen waren. Letztendlich ist die Fähre erst um 9.15 Uhr gefahren, weil sie tatsächlich noch auf das letzte angemeldete Auto gewartet hat. Hier ist das Leben härter, aber entspannter. Wege dauern halt und man muss Zeit mitbringen.

Die Natur ist hier schon komplett anders. Während gestern Weideland mit weiten Wiesen und großen einzelnen Bäumen zu sehen waren sind wir hier schon mitten im Regenwald. Hier gibt es eine Art Riesenrhabarber, der riesige Blätter und Stengel hat, Nalcas genannt. Je südlicher man kommt, umso riesiger werden auch die Farne und umso dichter der Wald.

In Hornopiren angekommen sind wir in das Büro der Schiffgesellschaft gestürmt und haben dort unsere Tickets bekommen, mit denen wir auf das Schiff dürfen. Die Fahrt hatte take off Reisen bereits für uns vorgebucht. Die Fähre hier ist gut ausgelastet, denn sie verbindet einen Teil der Carretera Austral, auf der wir uns bereits verbinden. Viele Teile von Chile sind nur per Schiff erreichbar, da es keine durchgängige Straße gibt. Und wenn man morgens um 9 Uhr die Fähre nicht bekommt, kommt man am nächsten Tag erst weiter. Riesige LKWs wurden neben uns verladen… Wir fahren von hier aus vier Stunden bis nach Caleta Gonzalo, wo wir uns bereits im Parque Pumalin befinden. Dieser ist ein riesiges Naturschutzprojekt welches von dem Mitbegründer von The North Face und Mitbesitzer von Esprit, Douglas Tompkins, gegründet wurde. Er hat, als er die Anteile an den Unternehmen verkaufte, jahrelang sämtliche Grundstücke in der Region aufgekauft und so verhindert, dass an der Natur Raubbau betrieben wurde. Er hat damit aber auch den Ausbau der Straße verhindert. Mittlerweile ist er verstorben und hat hinterlassen, dass eine Straße durch sein Land gebaut werden darf. Bis das aber realisiert ist wird es noch viele Jahre dauern…

Nachdem es bei dem Wetter auf der Fährfahrt doch etwas unruhig war, haben wir uns ein paar Tabletten gegen Seekrankheit eingepfiffen mit dem Ergebnis, dass wir total müde geworden sind. In Caleta Gonzalo angekommen haben wir unsere süße kleine Cabana bezogen und haben uns erstmal eine Runde aufs Ohr gehauen. Draußen war Dreckwetter (Regen und Sturm) und wir waren müde ohne Ende. Ausser wenn das Schiff kommt ist es hier total ruhig.

Der nächste Ort Chaiten liegt 57 km entfernt und außer den Cabanas und dem Cafe gibt es hier nichts. Nach und nach haben sich die restlichen sechs Cabanas noch gefüllt, ein Teil der Leute waren völlig durchnässte Motorrad- und Fahrradfahrer. Die haben mir echt leid getan, auf der anderen Seite sind wir hier im Regenwald – und da regnet es halt auch ab und zu.

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Park Pumalin Tag 2

Was ein Tag, der nicht in Worte zu fassen ist! Wir hatten heute morgen ein tolles Frühstück und sind anschließend los gefahren. Der erste Stop war kurz hinter den Cabanas, wo es eine Hängebrücke über den Fluss gab.

Kurz danach haben wir angehalten und eine kurze Tour durch den Regenwald zu 3000 Jahre alten Alerce- Bäumen gemacht. Im Wald hat es total nach Honig gerochen und die Bäume waren riesig.

Die anschließende Straße war ungeteert liess sich aber ganz gut fahren. Uns kamen wieder riesige LKWs entgegen, die zur Fähre gen Norden wollten.

Das nächste Ziel hieß Chaiten, ein Ort, der vor Jahren traurige Berühmtheit erlangt hat. In 2008 ist der Vulkan ausgebrochen und hat den Ort mit einer Schlammlawine überrollt. Dort, wo früher die Promenade am Meer entlang ging sind mehrere 100 Meter neues Land durch Geröll entstanden. Vom Aussichtspunkt Cerro la Gruta konnte man sich ein gutes Bild von den Dimensionen machen. Der Ort sollte eigentlich umgesiedelt werden, die Leute bauen aber nach und nach ihre Häuser wieder auf. Im Ort sieht man kaum noch was von dem Unglück.

Nach Chaiten ging es auf der Ruta 7 weiter nach El Amarillo in ein wunderschönes Tal entlang des Rio Amarillo mit Blick auf den Vulkan Michinmahuida.

Dort haben wir die Größe des Riesenrhabarbers wieder bewundert.

Weiter ging es über eine große Hängebrücke zum Lago Yelcho, wo Andi seine Drohne wieder in die Luft geschickt hat und gefilmt hat, wie ich mit dem Auto die Brücke überquere.

Unterwegs sind wir durch grandiose Landschaften gekommen, so viele Wasserfälle wie heute haben wir noch nie gesehen und die Natur hat uns überwältigt.

Ein paar km weiter vor Villa Santa Lucia haben wir aber auch die zerstörerische Gewalt der Natur erlebt. Wir sind Richtung Tal gefahren und nach einer Kurve war plötzlich die ganze Natur zerstört. Im Tal war der halbe Ort weg, man konnte noch die zerstörten Häuser sehen. Hintergrund ist, dass letztes Jahr kurz vor Weihnachten ein See durch den Abbruch eines Bergteils überlief und sich die Wassermassen mit Geröll ins Tal ergossen. Die Flutwelle war über 4m hoch und hat alles mit sich gerissen und ganze Familien unter sich begraben. Das hat uns sehr berührt.

Weiter ging es entlang der absolut faszinierenden Landschaft entlang des Rio Risopatron. Andi meinte irgendwann, ihm tut der Kopf weh wegen der vielen Eindrücke. Wir waren echt platt als wir in Puyuhuapi angekommen sind.

Wir übernachten in der Hosteria Alemania und die Besitzerin hat uns auf deutsch begrüßt. Der Ort wurde in 1935 von 4 Deutschen gegründet und sie ist die Tochter einer der Einwanderinnen damals. Sie hat uns erzählt, wie einsam das Leben hier im Winter ist und dass sie bis vor vier Jahren in Santiago gelebt und in einer Bank gearbeitet hat. Ihrer 80 jährigen Mutter zuliebe ist sie hierher zurück gekommen und hat die Hosteria übernommen.

Zum Abschluss waren wir noch im Restaurant El Muelle essen, Andi war vom Lachs begeistert und der Pisco Sour hat super geschmeckt😂.

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Nationalpark Queulat

Heute morgen haben wir ein sehr nettes Schweizer Paar kennen gelernt und 3 Amerikaner, die auf dem Weg nach Santiago waren. Nachdem wir gestern gemerkt haben, dass Andis Kreditkarte wohl von den zwei hilfsbereiten Taxifahrern in Santiago gehackt wurde, ging es nach dem Frühstück erst einmal auf die hiesige Polizei Station. Die Besitzerin von der Hosteria hat dort angerufen und Darcy, die Amerikanerin ist mitgekommen, um von englisch auf spanisch zu übersetzen. Die beiden Polizisten wollten erst nicht wirklich helfen, hauptsächlich hatten sie das Problem, dass sie die Staatsangehörigkeit nicht von chilenisch auf deutsch ändern konnten im PC. Sie wollten uns zu einem Notar schicken, irgendwann haben wir aber unsere Anzeige verfasst, unterschrieben und gestempelt bekommen. Die Anzeige hatte die Nr. 32/2018. Anscheinend nicht viel los hier im Ort… Ich habe sie gleich nach Deutschland geschickt in der Hoffnung, dass wir die 1.300 Euro wieder erstattet bekommen. Andis Karte wurde gesperrt, jetzt müssen die anderen Karten reichen… An dieser Stelle herzlichen Dank an Lena😘 und hier noch unsere amerikanische gute Seele…

Nachdem wir uns von Darcy und der Besitzerin bedankt und verabschiedet haben ging es weiter auf der Carretera Austral. Auf dem Plan stand heute der Besuch inkl. 3 stündiger Wanderung zu dem hängenden Gletscher Ventisquero Colgante. Von der Schotterstrasse führte eine 2 km lange Schlaglochpiste zu einem Parkplatz, von wo aus man nach kurzem Weg einen tollen Blick hatte. Aus dem Gletscher stürzen mehrere Wasserfälle in die Tiefe. Echt schön und beeindruckend. Leider konnten wir die Wanderung nicht machen, da der Zugang zur Hängebrücke über die wir mussten, erneuert wurde. Aber so haben wir wieder etwas Zeit gespart.

Weiter ging es entlang eines Fjordes über eine Schotterpiste, die sich irgendwann über viele Serpentinen auf ca. 500 m Höhe geschraubt hat. Wir sind mitten in den Wolken gelandet in beeindruckender Vegetation. Tiefes Grün, abgestorbene Bäume, faszinierende Landschaft. Irgendwann sind wir beim Wasserfall El Condor gelandet, der beeindruckend in die Tiefe gestürzt ist. Auf dem Parkplatz stand ein Wohnmobil mit französischem Kennzeichen und wir fanden es beeindruckend, dass sie damit diese Strecke fahren.

Die Straße folgte dem Rio Cisnes bergab und wir konnten unseren Augen nicht trauen, als sich einige Meter tiefer eine atemberaubende Landschaft aus blühenden Lupinen, Ginster, grünen Weiden, dichten Wäldern, Kühen, Pferden und einem Alpaca aufgetan hat. So muss das Paradies aussehen!!!

Einige wunderschöne Kilometer weiter stand plötzlich das französische Wohnmobil, das wir vorher am Wasserfall gesehen hatten, am Straßenrand mit Warnblinklicht an. Wir haben sofort angehalten. Es stellte sich heraus, dass der hintere rechte Reifen geplatzt war und anscheinend die fordere Feder gebrochen war, evtl wegen der schlechten Strecke zuvor. Nach einigem hin und her hielten wir einen Chilenen an, der den Weg zur nächsten Werkstatt wusste und den Transport dorthin anbot. Beruhigt, dass eine Lösung gefunden wurde, setzten wir die Fahrt fort.

Einige Kilometer weiter kamen wir nach Coyhaique, der hier größten Stadt. Wir haben schon ca. 50 km vorher gemerkt, dass mehr Verkehr auf den Straßen war. Wir wohnen heute im Hotel Dreams, was einfach ein Träumchen ist.

Andi hat sich noch ein paar neue Wanderschuhe geholt, da die anderen brüchig und undicht geworden sind. Schade, denn sie haben ihn in den letzten Jahren durch die ganze Welt begleitet (er weint gerade😆).

Wir haben noch lecker zu Abend gegessen und haben zufällig ein Paar wiedergetroffen, mit denen wir gestern beim Frühstück zusammen saßen. Chile ist klein. Im Steakhouse nach einigem chilenischen Wein bekam die Redewendung „Ich chile“ eine ganz neue Bedeutung…🤣

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Von Coyhaique nach Puerto Rio Tranquilo

Heute Nacht haben wir so richtig tief geschlafen, das Hotel hat zwischen den Hosterias, die liebevoll gemacht, aber auch recht einfach sind, mal ganz gut getan. Das Frühstück war ein Traum!

Heute geht es weiter gen Süden, dort wird es wieder einsamer werden. Interessant ist hier seit Tagen der Wetterbericht. Es wird eigentlich immer für den ganzen Tag Regen vorher gesagt, so schlimm ist es aber Gott sei Dank gar nicht. Um die Berge hängen die Wolken zwar fest und wenn man höher kommt nieselt es auch daraus, es kommen aber immer auch mal Wolkenlücken mit Sonne durch. Da es aber auch gefühlt nur alle 300 km einen Ort gibt, für den es auch überhaupt einen Wetterbericht gibt, ist er eh für die Füße… Dass wir gestern den hängenden Gletscher gesehen haben, war wohl totales Glück, da er sich ganz oft in Wolken und Nebel versteckt.

Nach Coyhaique setzt sich die traumhafte Landschaft von gestern fort. Weite Täler, schneebedeckte Kuppen und Wasserfälle säumen den Weg. Allerdings macht uns der Wind immer mehr zu schaffen. Die Drohne geht kaum noch in die Luft und wenn man nur aus dem Auto steigt, fliegt man schon weg. Weiter südlich verschwinden die höheren Berge nach und nach und weite Ebenen öffnen sich.

Wir haben heute übrigens festgestellt, wie Butter entsteht: die Kühe fressen einfach die massigen Butterblumen hier und raus kommt: Butter. Deshalb ist sie auch so gelb….😂

Irgendwann ging es rechts ab in ein Tal und plötzlich standen wir wieder vor riesigen Bergen und traumhaftem neuen Panorama. Ich durfte heute keinen Meter Auto fahren, denn Andi ist ca. alle 2 km stehen geblieben und seine Kamera ist heiß gelaufen. Er hatte Angst, dass wenn ich fahre, ich nicht ständig stoppe, wenn er nach einer Vollbremsung verlangt… könnte er Recht haben!

Mehr als die Hälfte der Strecke war heute Schotterstrasse, was nach einiger Zeit echt anstrengend wurde. Dafür war wieder wenig los auf den Straßen. Wenn man sich überlegt, dass wir uns hier auf der Hauptroute nach Süden befinden, der Routa 7 und das mal mit der A7 in Deutschland vergleichen, merkt man, wie voll es in Deutschland ist!

Gegen Abend sind wir am größten See von Chile, dem Lago General Carrera angekommen. Ein Teil von dem See liegt schon in Argentinien. Wir sind nach Puerto Rio Tranquilo in das Hostel El Puesto, was total schön ist. Hier bleiben wir zwei Nächte, wo wir uns richtig drüber freuen. In einer kleinen Pizzeria haben wir einen lustigen Abend mit einem englischen Pärchen verbracht.

Wir hatten heute mit dem Wetter totales Glück. Bis 17 Uhr hat die Sonne geschienen, danach kamen einige wenige Schauer und wir haben tolle Regenbögen gesehen.

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Marmorhöhlen am Lago General Carrera

Was ein Spaß am frühen Morgen! Nach dem Frühstück sind wir heute morgen von einem Guide zu Fuß abgeholt und zu einem Boot am Ufer gebracht worden. Wir waren zu 7. und wurden mit dem Boot zu den berühmten Marmorhöhlen gebracht. Wir hatten mal wieder Glück, denn die Sonne hat gestrahlt und der Marmor toll geleuchtet. Der Marmor ist total schön ausgewaschen und strahlt in allen möglichen Farben – weiß, gelb, türkis und grau. Man kann mit dem Boot richtig in die Höhlen fahren, ein tolles Erlebnis.

Auf dem Rückweg war heftiger Wellengang, obwohl es laut Guide heute ruhiges Wetter war. Wir saßen auf Holzbrettern und ich bin 5x durch die Wellen komplett vom Platz abgehoben. Beim 6. Mal bin ich in die Luft und eine Reihe nach hinten voll auf Andi geflogen. Ich hing da wie ein Maikäfer und kam vor lauter Lachen nicht mehr zurück auf meine Bank. Andi und die anderen schauten zuerst etwas besorgt, irgendwann haben alle gelacht 🤣.

Wieder zurück am Hostel haben wir unser Auto geschnappt und sind ins Valle Exploradores gefahren, einem wunderschönen Seitental. Gleich am Anfang sind wir an einem kleinen Friedhof vorbei gekommen. Anscheinend als Schutz vor dem Sturm sind hier alle Gräber zugebaut und innen geschmückt. Den Schmuck hatten wir schon weiter im Norden gesehen, der würde hier aber sofort weg fliegen.

Normalerweise kann man im Tal bis zu einem Gletscher fahren, vor ein paar Wochen hat eine Lawine allerdings die Straße verschüttet und diese ist noch nicht wieder frei geräumt.

Trotzdem sind wir so weit es ging in das Tal gefahren und wurden wieder mit total kitschiger Natur belohnt. Die Lupinen sind hier gelb statt blau, riechen aber trotzdem total nach Honig. Im Hintergrund sieht man schneebedeckte 3000 bis 4000 m hohe Berge.

Als wir zurück gefahren sind, haben wir an einem von einer Französin betriebenen Stand einen leckeren Crepe und Cappuccino genossen und wollten dann eigentlich zurück ins Hostel. Aber es war so herrliches Wetter, dass wir noch etwas am See entlang gefahren sind und die unglaublichen Farben genossen haben. Ein toller entspannter Tag!