Heute früh beim Aufwachen hat es nicht nur geregnet, es war auch eisig kalt. Festzustellen, dass die Heizung nicht mehr ging, war das einfachste. Aber warum ging sie nicht mehr. Das Display hat mehrere Fehlermeldungen gezeigt, die uns erstmal ein bisschen Angst gemacht haben. Wir haben beschlossen zu gucken, ob wir überhaupt noch Gas haben. Vorgestern war noch viel da, aber danach haben wir erst die Heizung angeworfen… Während ich im kuschelig warmen Bett geblieben bin, ist Andi in den kalten Regen raus und tatsächlich: beide Flaschen leer! Also ist er zur Rezeption gelaufen, um dort evtl. neues Gas zu kaufen. Leider hatten die keins, haben Andi aber darauf hingewiesen, dass Norwegen andere Gasflaschen als Deutschland hat und die evtl. nicht passen. Die Info hat uns ein bisschen geschockt, denn bei der Übergabe vom Womo wurde uns gesagt, dass wir in ganz Europa die Flaschen einfach tauschen können. Der Aussage haben wir vertraut – schließlich sind sie das Fachgeschäft mit viel Erfahrung. War wohl ein Fehler. Der Mensch am Campingplatz hat uns an die Tankstelle im Ort verwiesen. Also haben wir zusammengeräumt und sind zur Tankstelle. Und tatsächlich, hier gab es massig Gasflaschen, aber die Anschlüsse haben wirklich nicht gepasst. Google hat uns gesagt, dass es dafür Adapter gibt, leider nicht hier.

Wir waren etwas gefrustet und haben im Internet herausbekommen, dass es in Norwegen an ein paar Stellen Auffüllanlagen mit Adaptern für deutsche Flaschen gibt. Die nächsten liegen 3 Stunden Fahrt in den Norden oder 2 Stunden Fahrt in den Süden. Eigentlich wollten wir ja noch eine Nacht hier bleiben, aber bei der Kälte ohne Heizung, warmes Wasser und Herd!? Keine Option. Da auch nur die Route Richtung Süden Sinn macht und wir auf Bildern von der Tankstelle einen Apparat gesehen haben, der so eine Auffüllstation sein könnte, ist der Entschluss gefallen, nach Süden aufzubrechen. Also sind wir zurück zum Campingplatz, haben ausgecheckt, das Geld für die 2. Nacht wieder geholt und sind dann nochmal in den Ort, um einen Kaffee zu holen.

Eigentlich wollten wir hier ja ein bisschen shoppen, die Läden hatten aber fast alle zu. Ohne die Kreuzfahrschiffe ist der Ort komplett ausgestorben. Ein Erlebnis, das man in den letzten Jahren hier wahrscheinlich nur aus dem tiefsten Winter kennt. Hier steht Zeug für die Kreuzfahrer ohne Ende rum: 2sitzer Elektroautos, Mietwagen, Boote usw. Trotzdem habe ich ein paar dicke norwegische Hausschuhe erstanden!

Andi hat gestern schon gefragt, was hier an dem Fjord so toll sein soll. Wir hätten auf der Tour schon schönere Ecken gesehen. Ich glaube, wenn hier nur ein Schiff gelegen hätte, wäre er gleich weitergefahren. Na ja, tun wir ja jetzt auch so. Über viele Serpentinen ging es wieder bergauf und aus dem Tal heraus. Überall sind wieder Wasserfälle die Berge hinunter gestürzt und es hatte wieder frisch geschneit. Tatsächlich hat Andi erstmal geschaut, ob wir Sommerreifen drauf haben, aber es waren M+S Reifen.

Nach ca. 20 km hat der Regen aufgehört. Wir sind an verschiedenen Tankstellen vorbei gekommen, aber alle hatten nur die norwegischen Gasflaschen. Irgendwann haben wir die Strecke von gestern gekreuzt und die Aufregung wuchs, ob wir in Vagamo tatsächlich unsere Flaschen auffüllen können. Als wir gegen Mittag auf die Tankstelle zugefahren sind, haben wir schon von weitem das Teil zum Auftanken gesehen. Voller Erleichterung sind wir rein und haben die Bestätigung bekommen, dass man hier die deutschen Flaschen auftanken kann. Der Haken wäre, das könne nur der Chef und der ist nicht da. Die Angestellte hat versucht, ihn telefonisch zu erreichen, leider ohne Erfolg. Da es hier ein Restaurant gab und ich eh nix kochen konnte ohne Gas, haben wir Cheeseburger mit Pommes ausgesucht. Gute Nervennahrung! Der Chef hatte sich immer noch nicht gemeldet und war auch noch nicht erreichbar. Also hieß es warten… Nach ca. 2 Stunden und mehrfachen Anrufversuchen bin ich zu Fuß zu der 2. Tankstelle im Ort gelaufen. Die hatten aber wieder nur die norwegischen Flaschen.

Als ich zurück kam, war von dem Chef immer noch nichts zu hören. Wir haben gegoogelt, dass es eine weitere Stunde südlich noch so eine Auffüllstation gibt. Andi hat angerufen, ob das da geht und ob jemand vor Ort ist. Er ist in einer Zentrale gelandet und die haben kurz danach zurück gerufen, dass die Tanke nicht besetzt ist. Also auch keine Option. Um 15.30 Uhr kam die Angestellte, der Chef habe gerade zurück gerufen und wäre in 15 Minuten da – Erleichterung! Tatsächlich kam er dann um 16.30 Uhr und hat uns in kürzester Zeit die Flaschen gefüllt.

Wir haben auch gleich beide füllen lassen, nicht dass wir nochmal in so eine Situation kommen… Die Fehlermeldungen waren dann auch Gott sei Dank verschwunden und so sind wir endlich hier weg gekommen. Die Angestellte hatte so ein schlechtes Gewissen, dass es so lange gedauert hat, dass sie uns beiden ein Eis geschenkt hat – sehr nett! Während der Stunden des Wartens haben wir gesehen, dass es in den nächsten Tagen an der Küste wieder schön werden soll und so haben wir beschlossen, doch noch Bergen anzusteuern. Also ab in die Richtung. Der erste Teil der Strecke hat uns über das traumhafte Hochplateau von vorgestern geführt. Da wir aber in die andere Richtung gefahren sind, fanden wir das überhaupt nicht schlimm.

Die Rentierherde hat wieder an der Stelle von vorgestern auf uns gewartet und wir sind wieder nicht schnell voran gekommen, da man sich nicht satt sehen konnte. Die Drohne war mehrfach im Einsatz, trotz des heftigen Windes. Da wir aber wissen, was sie in Patagonien geleistet hat, hatten wir da keine Bauchschmerzen. Gegen 20 Uhr haben wir beschlossen, dass es für heute reicht und sind auf einen kleinen Campingplatz an einem See gefahren. Hier waren außer uns noch 3 andere Womos und wir haben uns direkt ans Wasser stellen können. Viel schöner als am Geiranger.

Aber hier hat die letzten Stunden auch die Sonne geschienen. Klar, dass einem das besser gefällt. Wir haben heute festgestellt, dass einem bei der Landschaft in Norwegen das Herz aufgeht wenn die Sonne scheint. Wenn es regnet ist das Land dunkel und erdrückend und der Weg zur Depression kein weiter…




















Genau als wir angekommen sind, hat es aufgehört zu regnen, dafür waren wir durch die Gischt nass. Andi war ganz mutig und ist mitten rein gelaufen, um Videoaufnahmen mit dem Handy zu machen. Er musste sich danach einmal komplett umziehen, weil er bis auf die Haut durchnässt war. Ein Stück ging es die Straße wieder zurück, bevor wir zu den nächsten Wasserfällen abgebogen sind: den Latefossen. Leider haben wir von denen nur die Gischt wahrgenommen, da auf dem Parkplatz gerade Chaos war und der Durchgangsverkehr weiter wollte. Drehen war auf den nächsten 10 km nicht möglich und so sind die ins Wasser gefallen. Entlang des Sorfjords ging es durch traumhafte Landschaft. Gott sei Dank hat sich doch ab und zu die Sonne blicken lassen und so konnten wir links am anderen Ufer Gletscher bestaunen, während unten drunter Obst angebaut wurde.
War irgendwie komisch, so dicht beieinander. Am Straßenrand konnte man alle Arten von Obst kaufen, das gerade geerntet wurde.
Die Straße wurde entlang des Ufers wieder schmaler und die Anzahl der Tunnel hat wieder zugenommen. Auf der linken Seite tauchte irgendwann eine riesige Hängebrücke über den Eidfjord auf.
Auf und von der Brücke kam man nur durch Tunnel und hier haben wir unseren ersten Kreisel im Berg im Tunnel erlebt.
Unglaublich, was die hier für Straßen bauen. Das ganze wurde kurz danach noch übertrumpft, als wir im Berg bergauf eine 8 gefahren sind und noch andere Gebilde.
Manche Straßen kosten hier Maut, was angesichts dieser Meisterleistungen auch echt kein Wunder ist. Die Maut wird wohl aber immer nur so lange verlangt, bis die Baumassnahme bezahlt ist. Sie und Fährfahrten werden hier auch nicht einzeln gezahlt, sondern das Kennzeichen wird erfasst und man bekommt dann irgendwann eine Rechnung. Bin mal gespannt, wie viel das dann sein wird. Die vielen Tunnel haben uns gegen Abend an unserem Tagesziel ausgespuckt: den Voringfossen. Wir hätten es nicht besser timen können, denn es kam tatsächlich die Sonne raus. Und die war ob der Schönheit der Wasserfälle auch mehr als angebracht!!!
183 m fallen sie ins Tal, eine abenteuerliche Brücke führt hinüber und die Blicke sind einfach unbeschreiblich. Im Hintergrund die schneebedeckten Berge und Wasser ohne Ende!!!
Wir konnten uns gar nicht satt sehen uns waren so dankbar für diesen tollen Tagesabschluss.
Der Hunger hat uns irgendwann zurück und zu einem 5 km entfernten Campingplatz direkt am Wasser geführt. Andi hat den Strom angeschlossen und ich die Pfanne heiß gemacht. Und so war der Tag ob der nicht vorhandenen Erwartung zum Schluss echt toll. Der Regen kann aber trotzdem bald mal die Fliege machen. Eigentlich wollten wir von hier aus weiter nach Bergen. Da sind die nächsten Tage aber auch nur Regen gemeldet, daher werden wir wahrscheinlich mehr in Richtung Osten fahren, da ist es besser gemeldet.
Gott sei Dank hat der Einweiser erst die Autos raus gelassen und uns zum Schluss. So konnten wir in aller Ruhe weiter fahren. Gestern hatten wir ja schon sehr wenig Verkehr, heute sind uns noch viel weniger Autos entgegen gekommen.
Wir sind eine schmale Straße entlang gefahren, die sich in Serpentinen den Berg hoch geschlengelt hat. Unterwegs gab es ein paar einsame Bauernhöfe und oben am Berg so eine Art Ferienhaussiedlung – nur dass keiner da war. Die Dächer waren alle grün bewachsen, bestimmt gegen den Sturm, denn man ist hier fast weggeflogen.
Auch die Temperaturen waren um einiges kühler als noch im Tal. Über viele enge Serpentinen ging es wieder bergab und auf eine etwas breitere Straße.
Wir sind an unzähligen Seen, Flüssen und durch Tunnel ohne Ende gefahren und konnten uns nicht satt sehen.
Rechts und links der Straße kamen immer mehr Wasserfälle ins Tal gestürzt.
Und dann hat es wieder angefangen zu regnen – aus irgendeinem Grund muss es hier ja soviel Wasser geben… Wir haben beschlossen, nicht mal unser Tagesziel, sondern den nächsten Stellplatz anzusteuern und haben einen am See gefunden mit Blick auf noch einige Schneereste am Berg vor uns. Generell haben wir heute einige Stellen zum wild stehen gefunden, allerdings sind wir verwöhnten Elektrikmenschen schon über einen Stromanschluss dankbar – vor allem bei solchem Wetter… Wenn man sich den Wetterbericht der nächsten Tage so anschaut, werden wir weiter so spontan Regenpausen nutzen, denn das Wetter wird uns wohl weiter so begleiten… Insofern war das Womo absolut das richtige Fortbewegungsmittel für den Urlaub. Wenn ich hier sehe, wie viele mit dem Fahrrad und Zelt unterwegs sind und im strömenden Regen die Zelte aufbauen… da sind wir echt raus. Da ist doch alles nass und dann hockt man die ganze Zeit auf dem Boden. Die Leute tun mir echt leid, aber Andi hat Recht: die haben sich das ausgesucht… Wir haben abends einen Film geguckt und unsere trockene Unterkunft genossen.