2020 Norwegen

Über die Trollstigen nach Geiranger

Heute früh bin ich von etwas total seltsamen wach geworden: mich hat die Sonne geblendet. Sofort war ich hellwach, Andi Gott sei Dank auch.

Draußen war es eisig, aber wir hatten abends die Heizung angemacht, so dass es innen mollig warm war. Wir haben gefrühstückt und sind aufgebrochen. Unser Ziel lag im Norden und wird das nördlichste sein, das wir besuchen: die Trollstigen. Wie bei uns üblich, sind wir bis zum ersten Stop nicht wirklich weit gekommen. Wir sind durch dichten Tannenwald mit Mosen und Flechten gefahren und Andi musste die Drohne raus holen.

Ein paar Kilometer weiter war eine Abzweigung zu einem Fluss.

Ein kurzer Fußweg hat zu einer tollen Stelle geführt wo das Wasser durch zwei enge Felswände gepresst wurde – nächster Einsatz der Drohne.

Dann haben wir ein bisschen Strecke gemacht. Die Straße war toll ausgebaut und so konnte man viele Strecken mit 80 km/h fahren, was auf den Landstraßen hier die Höchstgeschwindigkeit ist. Die Norweger fahren allgemein sehr entspannt. Man hat nie das Gefühl, dass gedrängelt wird und oft hat man die selbe Geschwindigkeit wie die Autos. Aufgrund der vielen Kurven und engen Straßen gibt es aber auch oft Beschränkungen auf 50 oder 60 km/h. Tanken ist hier übrigens auch sehr interessant. Wir dachten immer, dass die Preisunterschiede zwischen Tankstellen in Deutschland teilweise hoch sind. Hier schwanken die Dieselpreise zwischen 1,30 Euro und 1,55 Euro innerhalb weniger Kilometer. Das macht beim Womo-Tanken gleich mal ordentliche Summen aus. Kurz vor der Abzweigung zu den Trollstigen haben wir an einem Parkplatz eine Dose Ravioli aufgemacht und zu Mittag gegessen.

Es hat angefangen zu regnen und wir haben Kriegsrat gehalten, wie wir weiter fahren: links ab wie geplant zu den Trollstigen oder noch 100 km weiter zur Atlantikstraße. Also haben wir unser Wetterorakel befragt und die Atlatikstraße für einen späteren Urlaub aufgehoben. Dort soll es die nächsten Tage nur regnen und das macht dann ja keinen Spaß. Für die Trollstigen waren zumindest für heute auch Regenlücken gemeldet und so sind wir links abgebogen. Die Straße war super schmal und wir haben uns gefragt, wie hier Busse und Wohnmobile an manchen Stellen aneinander vorbei passen sollen. Und dann lagen sie vor uns: die 11 Kurven einer der spektakulärsten Straßen Europas, die normalerweise mit Autos und Bussen verstopft ist. Da wir die letzten Tage keinen einzigen Reisebus gesehen haben und uns auch kaum Autos entgegen gekommen sind, habe ich mich hinter das Lenkrad geklemmt und los ging es die Serpentinen bergauf. An jeder Haltebucht haben wir gestopt und Bilder gemacht. Mitten am Berg kam ein riesiger Wasserfall runter, den man in den Serpentinen mit einer schmalen Brücke überquert hat. Auf der ganzen Strecke kam uns ein einziges Auto entgegen, was hier echt selten sein dürfte.

Oben angekommen haben wir beim Besucherzentrum angehalten und heute, am 24.8.20 unseren ersten Neuschnee gesehen. Unglaublich, die Bergspitzen, die auf 1600 m Höhe sind, waren echt frisch gezuckert… Der Parkplatz war riesig mit vielen Plätzen für Busse – auch hier war keiner zu sehen. Wir sind durch die Kälte auf die Aussichtsplattformen gelaufen, die wieder ganz toll angelegt waren. Da haben die Norweger echt was drauf.

Nach einigen Photos und durchfrorenen Knochen sind wir weiter gefahren. Es ging durch tolle Landschaft wieder Ewigkeiten bergab, bevor wir im ausgestorbenen Valldal gelandet sind. In einem riesigen Supermarkt waren wir die einzigen Kunden, anscheinend fehlt auch hier der Tourismus. Auch die Hotels in dem Ort schienen nicht wirklich belegt zu sein… Ein paar Kilometer weiter sind wir zu einer Fähre gekommen. Die hatte parallel zur Straße eine Wartespur von ca. 1 km Länge. Wir konnten direkt nach vorne fahren und wenige Minuten später mit dem nächsten Schiff nach Eidsdal übersetzen. Hier scheint sonst auch mehr los zu sein. Unsere Fähre war nur halb voll. Und dann sind wir kurze Zeit später oberhalb des berühmten Geiranger Fjord herausgekommen.

Leider hat es wieder geregnet, so dass der Anblick sonst bestimmt faszinierender ist. Man hat in den Nachrichten vor Corona ja immer wieder gehört, dass hier ständig zu viele Kreuzfahrtschiffe liegen und die Luft total verpestet ist. Davon war gar nichts zu merken. Es war kein einziges Schiff da und die Luft nur voller Regen.

Da übermorgen das Wetter wieder besser werden soll, haben wir beschlossen, hier 2 Nächte zu bleiben und dann bei Sonne weiter zu fahren. Morgen kaufe ich mir hier einen dicken Norweger Pulli, denn ich habe definitiv die falschesten Klamotten eingesteckt, die man einstecken konnte. Handschuhe, dicke Socken und Pullis wären besser gewesen als kurze Hosen und T-Shirts…

2020 Norwegen

Tag des Gases oder unser Tag an der Tankstelle

Heute früh beim Aufwachen hat es nicht nur geregnet, es war auch eisig kalt. Festzustellen, dass die Heizung nicht mehr ging, war das einfachste. Aber warum ging sie nicht mehr. Das Display hat mehrere Fehlermeldungen gezeigt, die uns erstmal ein bisschen Angst gemacht haben. Wir haben beschlossen zu gucken, ob wir überhaupt noch Gas haben. Vorgestern war noch viel da, aber danach haben wir erst die Heizung angeworfen… Während ich im kuschelig warmen Bett geblieben bin, ist Andi in den kalten Regen raus und tatsächlich: beide Flaschen leer! Also ist er zur Rezeption gelaufen, um dort evtl. neues Gas zu kaufen. Leider hatten die keins, haben Andi aber darauf hingewiesen, dass Norwegen andere Gasflaschen als Deutschland hat und die evtl. nicht passen. Die Info hat uns ein bisschen geschockt, denn bei der Übergabe vom Womo wurde uns gesagt, dass wir in ganz Europa die Flaschen einfach tauschen können. Der Aussage haben wir vertraut – schließlich sind sie das Fachgeschäft mit viel Erfahrung. War wohl ein Fehler. Der Mensch am Campingplatz hat uns an die Tankstelle im Ort verwiesen. Also haben wir zusammengeräumt und sind zur Tankstelle. Und tatsächlich, hier gab es massig Gasflaschen, aber die Anschlüsse haben wirklich nicht gepasst. Google hat uns gesagt, dass es dafür Adapter gibt, leider nicht hier.

Wir waren etwas gefrustet und haben im Internet herausbekommen, dass es in Norwegen an ein paar Stellen Auffüllanlagen mit Adaptern für deutsche Flaschen gibt. Die nächsten liegen 3 Stunden Fahrt in den Norden oder 2 Stunden Fahrt in den Süden. Eigentlich wollten wir ja noch eine Nacht hier bleiben, aber bei der Kälte ohne Heizung, warmes Wasser und Herd!? Keine Option. Da auch nur die Route Richtung Süden Sinn macht und wir auf Bildern von der Tankstelle einen Apparat gesehen haben, der so eine Auffüllstation sein könnte, ist der Entschluss gefallen, nach Süden aufzubrechen. Also sind wir zurück zum Campingplatz, haben ausgecheckt, das Geld für die 2. Nacht wieder geholt und sind dann nochmal in den Ort, um einen Kaffee zu holen.

Eigentlich wollten wir hier ja ein bisschen shoppen, die Läden hatten aber fast alle zu. Ohne die Kreuzfahrschiffe ist der Ort komplett ausgestorben. Ein Erlebnis, das man in den letzten Jahren hier wahrscheinlich nur aus dem tiefsten Winter kennt. Hier steht Zeug für die Kreuzfahrer ohne Ende rum: 2sitzer Elektroautos, Mietwagen, Boote usw. Trotzdem habe ich ein paar dicke norwegische Hausschuhe erstanden!

Andi hat gestern schon gefragt, was hier an dem Fjord so toll sein soll. Wir hätten auf der Tour schon schönere Ecken gesehen. Ich glaube, wenn hier nur ein Schiff gelegen hätte, wäre er gleich weitergefahren. Na ja, tun wir ja jetzt auch so. Über viele Serpentinen ging es wieder bergauf und aus dem Tal heraus. Überall sind wieder Wasserfälle die Berge hinunter gestürzt und es hatte wieder frisch geschneit. Tatsächlich hat Andi erstmal geschaut, ob wir Sommerreifen drauf haben, aber es waren M+S Reifen.

Nach ca. 20 km hat der Regen aufgehört. Wir sind an verschiedenen Tankstellen vorbei gekommen, aber alle hatten nur die norwegischen Gasflaschen. Irgendwann haben wir die Strecke von gestern gekreuzt und die Aufregung wuchs, ob wir in Vagamo tatsächlich unsere Flaschen auffüllen können. Als wir gegen Mittag auf die Tankstelle zugefahren sind, haben wir schon von weitem das Teil zum Auftanken gesehen. Voller Erleichterung sind wir rein und haben die Bestätigung bekommen, dass man hier die deutschen Flaschen auftanken kann. Der Haken wäre, das könne nur der Chef und der ist nicht da. Die Angestellte hat versucht, ihn telefonisch zu erreichen, leider ohne Erfolg. Da es hier ein Restaurant gab und ich eh nix kochen konnte ohne Gas, haben wir Cheeseburger mit Pommes ausgesucht. Gute Nervennahrung! Der Chef hatte sich immer noch nicht gemeldet und war auch noch nicht erreichbar. Also hieß es warten… Nach ca. 2 Stunden und mehrfachen Anrufversuchen bin ich zu Fuß zu der 2. Tankstelle im Ort gelaufen. Die hatten aber wieder nur die norwegischen Flaschen.

Als ich zurück kam, war von dem Chef immer noch nichts zu hören. Wir haben gegoogelt, dass es eine weitere Stunde südlich noch so eine Auffüllstation gibt. Andi hat angerufen, ob das da geht und ob jemand vor Ort ist. Er ist in einer Zentrale gelandet und die haben kurz danach zurück gerufen, dass die Tanke nicht besetzt ist. Also auch keine Option. Um 15.30 Uhr kam die Angestellte, der Chef habe gerade zurück gerufen und wäre in 15 Minuten da – Erleichterung! Tatsächlich kam er dann um 16.30 Uhr und hat uns in kürzester Zeit die Flaschen gefüllt.

Wir haben auch gleich beide füllen lassen, nicht dass wir nochmal in so eine Situation kommen… Die Fehlermeldungen waren dann auch Gott sei Dank verschwunden und so sind wir endlich hier weg gekommen. Die Angestellte hatte so ein schlechtes Gewissen, dass es so lange gedauert hat, dass sie uns beiden ein Eis geschenkt hat – sehr nett! Während der Stunden des Wartens haben wir gesehen, dass es in den nächsten Tagen an der Küste wieder schön werden soll und so haben wir beschlossen, doch noch Bergen anzusteuern. Also ab in die Richtung. Der erste Teil der Strecke hat uns über das traumhafte Hochplateau von vorgestern geführt. Da wir aber in die andere Richtung gefahren sind, fanden wir das überhaupt nicht schlimm.

Die Rentierherde hat wieder an der Stelle von vorgestern auf uns gewartet und wir sind wieder nicht schnell voran gekommen, da man sich nicht satt sehen konnte. Die Drohne war mehrfach im Einsatz, trotz des heftigen Windes. Da wir aber wissen, was sie in Patagonien geleistet hat, hatten wir da keine Bauchschmerzen. Gegen 20 Uhr haben wir beschlossen, dass es für heute reicht und sind auf einen kleinen Campingplatz an einem See gefahren. Hier waren außer uns noch 3 andere Womos und wir haben uns direkt ans Wasser stellen können. Viel schöner als am Geiranger.

Aber hier hat die letzten Stunden auch die Sonne geschienen. Klar, dass einem das besser gefällt. Wir haben heute festgestellt, dass einem bei der Landschaft in Norwegen das Herz aufgeht wenn die Sonne scheint. Wenn es regnet ist das Land dunkel und erdrückend und der Weg zur Depression kein weiter…

2020 Norwegen

Tag der Tunnel oder Fahrt nach Bergen

Was haben wir uns gestern ein herrliches Plätzchen ausgesucht zum Übernachten. Direkt am See, der heute morgen bei strahlendem Sonnenschein wie ein Spiegel da lag.

Wir konnten uns wieder mal nicht satt sehen und der Aufbruch ist schwer gefallen.

Bevor es los ging, wurde noch alles fotografiert, der Abwassertank geleert und der Nachbar verabschiedet.

Dann ging es als erste Station nach Borgund zu einer alten Stabkirche, die echt schön war.

Nach einem kurzen Besuch ging es weiter in Richtung Bergen. Durch Zufall hatte ich bei den ersten Tunneln mal zusammen addiert, durch wie viele km Tunnel wir heute insgesamt gefahren sind. Mit dem Ergebnis hatte ich nie gerechnet. Wir sind heute zusammen 83 km!!! durch Tunnel gefahren, der längste war alleine 24,5 km lang. Ein bisschen Abwechslung gab es in ihm aber auch fürs Auge.

Zwischen den Tunneln sind wunderschöne Täler erschienen, meistens auch an einem Fluss oder See gelegen und die Landschaft hat sich traumhaft im Wasser gespiegelt. Ich war vom Fahren irgendwann völlig platt, weil es echt anstrengend ist, ständig durch Röhren zu fahren. Da es schon nachmittags war, haben wir überlegt, vor Bergen einen Platz zu suchen und morgen erst in die Stadt zu fahren. Die Plätze waren aber alle total beschissen bewertet und in Bergen gibt es nur einen Stellplatz für 24 Wohnmobile auf einem Parkplatz vor einer Sporthalle. Also haben wir beschlossen, unser Glück mit dem Stellplatz zu versuchen und sind in Richtung Stadt gefahren. Jaaaa, und dann hat uns das Navi eine Straße entlang geschickt, die definitiv nicht für Wohnmobile gebaut wurde. Sie war super schmal und steil und es kam Gegenverkehr ohne Ende. Andi hat fast die Panik gekriegt und wollte zurück – hinter uns war aber alles voll. Also durch. Irgendwann kam eine kleine Lücke in der Kolonne und er hat Gas gegeben. Leider hat er dabei einen großen Hubbel auf der Straße übersehen und wir sind mit dem Womo kurz abgehoben. Es ist alles in die Luft geflogen und mit einem lauten Knall wieder unten gelandet. Wir haben nur an die armen Fahrräder in der Garage gedacht, aber keine Zeit zum Nachdenken – weiter! Ein paar Kilometer später waren wir an dem Stellplatz und es waren noch ganze 2 Plätze frei – Glück gehabt! Der erste Blick galt den Rädern, die standen aber perfekt – dafür war alles andere durch die Gegend geflogen, der Grill, der Duschkopf, die Klamotten – egal! Es war inzwischen 16 Uhr und so haben wir die Räder ausgepackt und sind in die Stadt gefahren. Dabei hat uns das Navi sehr interessante Wege geführt, die man in einer Stadt nicht vermutet hätte. Wir sind mal wieder über Stock und Stein bergauf gelaufen, obwohl unser Ziel eigentlich im Tal lag… na ja, irgendwann sind wir in der Stadt gelandet und haben wohl einen der schönsten Tage hier erwischt.

In Bergen regnet es 4x so viel wie in Berlin und heute Sonne und 20 Grad. Wir sind die Stadt kreuz und quer abgefahren, haben uns bei einem Thai Imbiss etwas zu Essen geholt und es auf einer Bank in der Sonne verspeist. Dabei sind wir zufällig an der Talstation der Standseilbahn auf den Floyen gelandet. Er ist 399 m hoch, einer der 7 Berge, die die Stadt umgeben und man soll einen tollen Blick auf Bergen haben. Also haben wir geguckt, ob man da auch mit dem Rad hoch kommt und das ging. Also nix wie los. Es war der Hammer, wie viele junge Leute hier abends als Sportprogramm einmal den Berg hoch laufen. Oben hat sich ein tolles Panorama aufgetan und was total cool war, oben standen ganz viele Spinningräder und die Leute haben bei der besten Aussicht und toller Musik Spinning gemacht.

Haben wir so noch nie gesehen und hat echt gute Laune gemacht. Nach einer Stunde war der Kurs zu Ende und die Sportler sind wieder bergab gelaufen.

Wir waren natürlich nicht so schnell und mussten noch Timelapseaufnahmen machen zum Sonnenuntergang.

Irgendwann wurde es ziemlich kalt, aber egal.

Da wir noch ca. 30 Minuten radeln mussten, sind wir dann doch vor Sonnenuntergang los und begab ging es schnell, war aber auch echt kalt. Wir waren über jedes Stück Strecke froh, wo wir treten durften, um wieder etwas Wärme in uns zu kriegen. Um kurz nach 21 Uhr waren wir wieder am Womo und haben die Räder verstaut. Heute sind wir beide platt!!!

2020 Norwegen

Bei herrlichem Wetter gen Süden

Die Nacht direkt an einer S-Bahn war schon etwas lauter als die Nacht davor am See, aber unsere Ohrenstopfen haben alles ausgeblendet und wir waren so platt, dass wir von den Geräuschen nix mehr mitbekommen haben. Dafür hat in unserem Womo über dem Hubbett, das wir nicht nutzen, die ganze Nacht das Licht gebrannt. Wir hatten die Vermutung, dass bei unserem Flug gestern irgendein Schalter das Licht angemacht hat und Andi hat es gestern Abend nicht mehr ausbekommen. Wir haben heute morgen das Hubbett herunter gelassen, aber auch keinen Schalter gefunden. Also haben wir den Strom mal komplett gekappt und danach waren die Lampen aus. Sie gehen auf Berührung an, also hat das Bett die Lampen gestern bei seinem Sprung vermutlich selber angemacht… Wir haben beschlossen, dass unsere Tour langsam gen Süden weiter geht, da am Sonntag Mittag unsere Fähre fährt. Bei der kürzesten Route wären wir viele Teile gefahren, die wir schon kennen und das macht ja keinen Sinn. Also haben wir die Straße ausgesucht durch ein Gebiet, das wir noch nicht kennen und haben die Stadt gen Süden verlassen. Nach einigen Kilometern standen wir vor dem ersten Fähranleger und haben in herrlichster Sonne gewartet – und mit uns ganz viele Norweger. Die Leute machen hier zumindest beim Autofahren einen total entspannten Eindruck. Wahrscheinlich, weil sie es eh nicht in der Hand haben, wie lange etwas dauert. Auf die Fähren muss man warten, auf den engen Straßen muss man sich ständig mit dem Gegenverkehr einigen und Rücksicht nehmen. Schnell kommt man hier eh nirgends hin. Für 100 km sollte man mindestens immer 2 Stunden einplanen und sich freuen, dass man so gut voran gekommen ist. Die Fähre kam irgendwann und wir sind nach Venjaneset übergesetzt. Ein paar Kilometer weiter war ein kleines Örtchen mit einem tollen Parkplatz und wir haben in der Sonne direkt am Wasser ein paar Brote gegessen.

13 km weiter standen wir vor dem nächsten Fähranleger und haben gewartet. 10 Minuten später kam das Schiff und wir haben über den Fjord übergesetzt und das Panorama genossen.

Und dann sind wir tatsächlich nochmal an den Latefossen Wasserfällen vorbei gekommen, an denen Andi vor einigen Tagen einfach bei Regen vorbei gerauscht ist. Und die Entschädigung war mehr als genial. Die Sonne hat die Wassermassen angestrahlt und ein besseres Panorama hätte man sich nicht vorstellen können.

Wir haben beschlossen, den gleichen Campingplatz wie letzte Woche hier anzufahren, dieses Mal bei Sonnenschein statt strömendem Regen. Wir haben unsere Stühle und ein Radler rausgeholt und es uns einfach gutgehen lassen.

Und kurz nachher haben wir erfahren, wie wertvoll dieser Urlaub ist: die norwegische Regierung hat beschlossen, dass deutsche Urlauber ab 29.8.20 bei Einreise ins Land 10 Tage in Quarantäne müssen. D. h. zwei Wochen später und unsere Reise hätte nicht mehr statt gefunden…

Hoffentlich klappt unter den Umständen alles mit der Fähre nach Dänemark. Nicht, dass die dann auch ihren Betrieb vorzeitig einstellen…

2020 Norwegen

Zurück an die Südküste

Heute morgen sind wir durch Hämmern aufgeweckt worden. Als wir letzte Woche hier waren, war eine Bodenplatte von einem neuen Gebäude zu sehen. Gestern standen schon die Holzständer für das neue Haus und heute, am Freitag, gingen die Bauarbeiten weiter. Wir haben unseren „flüssigen Abfall“ entsorgt und los ging es. Wir sind wieder in einer Höhe gelandet, wo keine Bäume mehr wachsen und alles karg ist. Andi hat die Drohne wieder in die Luft geschickt und tolle Aufnahmen gemacht.Ein paar Kilometer weiter waren Tunnelarbeiten und so durfte der Verkehr immer nur einspurig die Straße am Tunnel vorbei befahren. Hieß erst längeres Warten und dann eine tolle Straße außerhalb des Tunnels leider in einer Kolonne fahren. Ausgebremst wurden wir nur durch die Schafe, die mal wieder gelangweilt auf der Straße rum lagen.Dann fing es an zu regnen und wir sind einfach nur gefahren. Ziel war heute der Ort Kragero, der im Süden schon an der Küste liegt. Wir wussten, dass wir einmal unter dem Regen durchfahren müssen und dann wieder in der Sonne sind. Also haben wir das ohne große Pausen getan. Als wir dann in Kragero angekommen sind, waren wir beide ziemlich platt. Wir haben direkt am Wasser an einem Stellplatz gehalten ohne Wasser und Strom, aber mit ganz gutem Blick auf das Meer. Dann sind wir in den Ort gelaufen und der war echt hübsch.Hier wohnen wohl 10.000 Menschen und im Sommer kommen ein paar tausend Urlauber hinzu. Heute war alles wie ausgestorben. Wir waren gegen 17 Uhr im Ort und die Geschäfte haben alle gerade geschlossen.Da ab morgen eh keine neuen deutschen Besucher mehr kommen werden, wird die super kurze Saison 2020 auch hier sehr bald beendet sein.An der Fähre zu den hier vorgelagerten Inseln standen die Leute in ihren Autos Schlange. Anscheinend fährt hier jeder Freitag abends zum Wochenendhaus. Generell scheint jeder Norweger entweder ein zweites Haus irgendwo zu haben, einen Wohnwagen oder Wohnmobil. Was hier am Wochenende Einheimische irgendwohin unterwegs sind, ist echt unglaublich. Wir sind auf dem Rückweg noch in einen Supermarkt gegangen und hatten dort ein krasses Erlebnis.Wir müssen echt sagen, dass wir hier in den letzten zwei Wochen quasi Urlaub von Corona gemacht haben. Wir waren nur in der Natur unterwegs, haben keinen Kontakt mit anderen Menschen gehabt, keinen Mundschutz aufgehabt. Eigentlich merkt man hier überhaupt nicht, dass Corona existiert. An Tankstellen zahlt man am Automaten, in Geschäften sind zwar Hinweise auf Abstand von 1m und manchmal steht Desinfektionsmittel am Eingang. Sobald man im Geschäft ist, merkt man nichts mehr davon. Und dann standen heute im Supermarkt plötzlich bestimmt 10 Leute auf engstem Raum an der Kasse und wir haben etwas die Panik bekommen. Für die Leute hier ist es wie immer, die Infektionszahlen sind hier auch super gering. Wenn man von Deutschland aber mittlerweile monatelanges anderes Verhalten gewohnt ist, war es ein beklemmendes Gefühl. Ich bin gespannt, wie lange man braucht, um das Verhalten „vor Corona“ wieder als normal zu empfinden und sich keinen Kopf zu machen, wenn einem jemand zu nah kommt… Wir haben lecker zu Abend gegessen und den Tag bei einem Gewitter ausklingen lassen.