Heute früh bin ich von etwas total seltsamen wach geworden: mich hat die Sonne geblendet. Sofort war ich hellwach, Andi Gott sei Dank auch.

Draußen war es eisig, aber wir hatten abends die Heizung angemacht, so dass es innen mollig warm war. Wir haben gefrühstückt und sind aufgebrochen. Unser Ziel lag im Norden und wird das nördlichste sein, das wir besuchen: die Trollstigen. Wie bei uns üblich, sind wir bis zum ersten Stop nicht wirklich weit gekommen. Wir sind durch dichten Tannenwald mit Mosen und Flechten gefahren und Andi musste die Drohne raus holen.

Ein paar Kilometer weiter war eine Abzweigung zu einem Fluss.

Ein kurzer Fußweg hat zu einer tollen Stelle geführt wo das Wasser durch zwei enge Felswände gepresst wurde – nächster Einsatz der Drohne.

Dann haben wir ein bisschen Strecke gemacht. Die Straße war toll ausgebaut und so konnte man viele Strecken mit 80 km/h fahren, was auf den Landstraßen hier die Höchstgeschwindigkeit ist. Die Norweger fahren allgemein sehr entspannt. Man hat nie das Gefühl, dass gedrängelt wird und oft hat man die selbe Geschwindigkeit wie die Autos. Aufgrund der vielen Kurven und engen Straßen gibt es aber auch oft Beschränkungen auf 50 oder 60 km/h. Tanken ist hier übrigens auch sehr interessant. Wir dachten immer, dass die Preisunterschiede zwischen Tankstellen in Deutschland teilweise hoch sind. Hier schwanken die Dieselpreise zwischen 1,30 Euro und 1,55 Euro innerhalb weniger Kilometer. Das macht beim Womo-Tanken gleich mal ordentliche Summen aus. Kurz vor der Abzweigung zu den Trollstigen haben wir an einem Parkplatz eine Dose Ravioli aufgemacht und zu Mittag gegessen.

Es hat angefangen zu regnen und wir haben Kriegsrat gehalten, wie wir weiter fahren: links ab wie geplant zu den Trollstigen oder noch 100 km weiter zur Atlantikstraße. Also haben wir unser Wetterorakel befragt und die Atlatikstraße für einen späteren Urlaub aufgehoben. Dort soll es die nächsten Tage nur regnen und das macht dann ja keinen Spaß. Für die Trollstigen waren zumindest für heute auch Regenlücken gemeldet und so sind wir links abgebogen. Die Straße war super schmal und wir haben uns gefragt, wie hier Busse und Wohnmobile an manchen Stellen aneinander vorbei passen sollen. Und dann lagen sie vor uns: die 11 Kurven einer der spektakulärsten Straßen Europas, die normalerweise mit Autos und Bussen verstopft ist. Da wir die letzten Tage keinen einzigen Reisebus gesehen haben und uns auch kaum Autos entgegen gekommen sind, habe ich mich hinter das Lenkrad geklemmt und los ging es die Serpentinen bergauf. An jeder Haltebucht haben wir gestopt und Bilder gemacht. Mitten am Berg kam ein riesiger Wasserfall runter, den man in den Serpentinen mit einer schmalen Brücke überquert hat. Auf der ganzen Strecke kam uns ein einziges Auto entgegen, was hier echt selten sein dürfte.

Oben angekommen haben wir beim Besucherzentrum angehalten und heute, am 24.8.20 unseren ersten Neuschnee gesehen. Unglaublich, die Bergspitzen, die auf 1600 m Höhe sind, waren echt frisch gezuckert… Der Parkplatz war riesig mit vielen Plätzen für Busse – auch hier war keiner zu sehen. Wir sind durch die Kälte auf die Aussichtsplattformen gelaufen, die wieder ganz toll angelegt waren. Da haben die Norweger echt was drauf.

Nach einigen Photos und durchfrorenen Knochen sind wir weiter gefahren. Es ging durch tolle Landschaft wieder Ewigkeiten bergab, bevor wir im ausgestorbenen Valldal gelandet sind. In einem riesigen Supermarkt waren wir die einzigen Kunden, anscheinend fehlt auch hier der Tourismus. Auch die Hotels in dem Ort schienen nicht wirklich belegt zu sein… Ein paar Kilometer weiter sind wir zu einer Fähre gekommen. Die hatte parallel zur Straße eine Wartespur von ca. 1 km Länge. Wir konnten direkt nach vorne fahren und wenige Minuten später mit dem nächsten Schiff nach Eidsdal übersetzen. Hier scheint sonst auch mehr los zu sein. Unsere Fähre war nur halb voll. Und dann sind wir kurze Zeit später oberhalb des berühmten Geiranger Fjord herausgekommen.

Leider hat es wieder geregnet, so dass der Anblick sonst bestimmt faszinierender ist. Man hat in den Nachrichten vor Corona ja immer wieder gehört, dass hier ständig zu viele Kreuzfahrtschiffe liegen und die Luft total verpestet ist. Davon war gar nichts zu merken. Es war kein einziges Schiff da und die Luft nur voller Regen.

Da übermorgen das Wetter wieder besser werden soll, haben wir beschlossen, hier 2 Nächte zu bleiben und dann bei Sonne weiter zu fahren. Morgen kaufe ich mir hier einen dicken Norweger Pulli, denn ich habe definitiv die falschesten Klamotten eingesteckt, die man einstecken konnte. Handschuhe, dicke Socken und Pullis wären besser gewesen als kurze Hosen und T-Shirts…
























Ein paar Kilometer weiter waren Tunnelarbeiten und so durfte der Verkehr immer nur einspurig die Straße am Tunnel vorbei befahren. Hieß erst längeres Warten und dann eine tolle Straße außerhalb des Tunnels leider in einer Kolonne fahren. Ausgebremst wurden wir nur durch die Schafe, die mal wieder gelangweilt auf der Straße rum lagen.
Dann fing es an zu regnen und wir sind einfach nur gefahren. Ziel war heute der Ort Kragero, der im Süden schon an der Küste liegt. Wir wussten, dass wir einmal unter dem Regen durchfahren müssen und dann wieder in der Sonne sind. Also haben wir das ohne große Pausen getan. Als wir dann in Kragero angekommen sind, waren wir beide ziemlich platt. Wir haben direkt am Wasser an einem Stellplatz gehalten ohne Wasser und Strom, aber mit ganz gutem Blick auf das Meer. Dann sind wir in den Ort gelaufen und der war echt hübsch.
Hier wohnen wohl 10.000 Menschen und im Sommer kommen ein paar tausend Urlauber hinzu. Heute war alles wie ausgestorben. Wir waren gegen 17 Uhr im Ort und die Geschäfte haben alle gerade geschlossen.
Da ab morgen eh keine neuen deutschen Besucher mehr kommen werden, wird die super kurze Saison 2020 auch hier sehr bald beendet sein.
An der Fähre zu den hier vorgelagerten Inseln standen die Leute in ihren Autos Schlange. Anscheinend fährt hier jeder Freitag abends zum Wochenendhaus. Generell scheint jeder Norweger entweder ein zweites Haus irgendwo zu haben, einen Wohnwagen oder Wohnmobil. Was hier am Wochenende Einheimische irgendwohin unterwegs sind, ist echt unglaublich. Wir sind auf dem Rückweg noch in einen Supermarkt gegangen und hatten dort ein krasses Erlebnis.
Wir müssen echt sagen, dass wir hier in den letzten zwei Wochen quasi Urlaub von Corona gemacht haben. Wir waren nur in der Natur unterwegs, haben keinen Kontakt mit anderen Menschen gehabt, keinen Mundschutz aufgehabt. Eigentlich merkt man hier überhaupt nicht, dass Corona existiert. An Tankstellen zahlt man am Automaten, in Geschäften sind zwar Hinweise auf Abstand von 1m und manchmal steht Desinfektionsmittel am Eingang. Sobald man im Geschäft ist, merkt man nichts mehr davon. Und dann standen heute im Supermarkt plötzlich bestimmt 10 Leute auf engstem Raum an der Kasse und wir haben etwas die Panik bekommen. Für die Leute hier ist es wie immer, die Infektionszahlen sind hier auch super gering. Wenn man von Deutschland aber mittlerweile monatelanges anderes Verhalten gewohnt ist, war es ein beklemmendes Gefühl. Ich bin gespannt, wie lange man braucht, um das Verhalten „vor Corona“ wieder als normal zu empfinden und sich keinen Kopf zu machen, wenn einem jemand zu nah kommt… Wir haben lecker zu Abend gegessen und den Tag bei einem Gewitter ausklingen lassen.