2021 Schweden

Michel von Lönneberga

Gestern haben wir beschlossen, den verkehrsreichen Süden zu verlassen und in den Norden zu fahren, um dort ein bisschen Einsamkeit zu suchen. Wie passend, dass etwa 3 Stunden nördlich fast im Nichts der Hof liegt, an dem Michel von Lönneberga gedreht wurde. Allerdings heißt Michel in Schweden Emil. Nur in Deutschland heißt er Michel, weil es schon Emil und die Detektive gab. Und schließlich muss man im Land von Astrid Lindgren auch mal etwas davon gesehen haben. Eigentlich wäre natürlich die Villa Kunterbunt unser Highlight gewesen, die liegt aber auf der Insel Gotland, auf die wir nicht wollen. Und eigentlich wollten wir über die Insel Öland gen Norden fahren. Da wäre aber bestimmt genauso viel los gewesen wie die letzten Tage. Und irgendwie hatten wir da keinen Bock drauf. Also sind wir morgens gen Norden im Landesinneren aufgebrochen. Nach ca. 1,5 Stunden bin ich einfach mal links in den Wald abgebogen und unser Wohnmobil ist das erste Mal Schotterpiste gefahren.

Wir waren in kürzester Zeit in der totalen Einsamkeit. An der Seite war ein Wanderweg in den Rocky Forest ausgeschildert und wir sind mitten durch einen Zauberwald geklettert.

Vor uns war hier definitiv lange kein anderer Mensch und es war echt schön! Dicke, moosbewachsene Felsen lagen zwischen den Bäumen rum und man musste total aufpassen, nicht die Orientierung zu verlieren.

Zurück am Wagen ging es nach einer kleinen Stärkung weiter bis zum Katthult-Hof in Smaland. Und man hat sich echt wie im Fernsehen gefühlt.

Der Schuppen, in dem Michel seine Holzfiguren geschnitzt hat war voll mit ihnen und auch der Rest kam einem sofort bekannt vor.

Auch der Fahnenmast, an dem die kleine Lina hochgezogen wurde, stand noch, genau wie das Plumpsklo.

Ein paar Kilometer weiter gen Norden befindet sich der kleine Nationalpark Norra Kvill. Kurz vor seinem Eingang geht es rechts ab und man kommt zu einer fast 1000 Jahre alten Eiche, der ältesten Eiche Schwedens.

Leider ist ein Teil abgestorben und man hat versucht, den toten Teil mit dem noch lebendigen Teil zu verbinden, was aber schief gegangen ist. Der Baum wurde abgeschnürt und ist noch weiter abgestorben. Trotzdem ist er unglaublich dick und faszinierend.

Dann ging es über Waldwege weiter zum Eingang vom Nationalpark. Wir haben beide gehofft, dass uns niemand entgegen kommt, was auch der Fall war. Am Nationalpark angekommen, waren wir beide einfach nur noch platt und so haben wir beschlossen, ihn uns morgen anzuschauen. Am Parkplatz mitten im Wald haben wir unser Lager aufgeschlagen und werden das erste Mal komplett autark in freier Natur stehen. Mit uns standen noch 3 weitere deutsche Mobile verteilt. Es ist echt interessant: die Schweden suchen im Urlaub nach anderen Menschen und gehen direkt ins Gewusel, die Deutschen suchen die Ruhe und Einsamkeit.

2021 Schweden

Norra Kvill Nationalpark und der Götakanal

Letzte Nacht haben wir ja mitten im Wald geschlafen und was echt erstaunlich war, war die absolute Stille. Wenn ich an unser Vogelparadies daheim denke und wie laut das auch nachts ist… und hier – mal vereinzelt ein Vöglein und sonst nichts…

Nach dem Frühstück sind wir in den Nationalpark gelaufen und wir waren echt alleine.

Der Park besteht aus einem Fichtenwald, manche Bäume sind 500 Jahre alt. Überall lagen riesige Felsbrocken rum, die von der letzten Eiszeit übrig geblieben sind.

Sie wurden mit dem Eis vom Norden hierher transportiert und als das Eis geschmolzen ist, sind sie liegen geblieben. Und dann kam der Wald mit seinen Mosen und Flechten und hat sie zugewachsen. Man fühlt sich echt dauerhaft wie in einem Märchenwald. Ein ca. 4 km langer Wanderweg über Stock und Stein führt durch den Park, vorbei an zwei kleinen Seen, auf denen Seerosen geblüht haben.

Libellen und Schmetterlinge sind ihrer Wege geflogen, einfach schön. Zurück am Wagen sind wir weiter gen Norden gefahren zum Götakanal. Der Götakanal ist ein Wasserweg, auf dem man von Stockholm bis Göteborg einmal quer durchs Land schippern kann. Wir sind im Ort Berg auf den Kanal getroffen und irgendwie passt der Name an der Stelle: Schleusen soweit man schauen kann.

Über neun Stufen kommt man vom See Roxen in den Kanal, ein echtes Schauspiel und Touristenmagnet. Wir haben am Parkplatz unsere Räder raus geholt und sind 15 km den Kanal entlang geradelt und das bei herzlichstem Wetter.

Es war total schön entspannt durch die Natur zu radeln. Am See Boren lag dieser deutlich tiefer als der Kanal und das Highlight unterwegs war, dass wir mit dem Kanal über eine Straße gefahren sind.

Das haben wir so auch noch nicht gesehen. Zurück in Berg gab es noch ein leckeres Eis und dann sind wir noch ein Stück in Richtung Stockholm gefahren. Wir haben uns gedacht, dass die Chancen auf einen Stellplatz vielleicht morgen Vormittag besser sind als spät abends. Und so haben wir ca. 80 km vor Stockholm die Autobahn verlassen und haben auf einem Golfplatz ein ruhiges Plätzchen für die Nacht gefunden. Mit Gießkannen haben wir erstmal einige Liter Wasser geholt, da unser Tank ziemlich leer war und dringend eine Dusche gerufen hat. Und die hat nach einem Radler richtig gut getan!

2021 Schweden

Stockholm

Heute früh haben wir unseren Golfplatz, auf dem wir genächtigt haben, wieder verlassen und sind gen Stockholm aufgebrochen. Wir hatten gestern alle möglichen Portale durchforstet und nach einem Stellplatz gesucht. Es gibt richtig krasse Plätze, unter der Autobahn für 250 Wohnmobile. Da hatten wir irgendwie keine Lust drauf. In einem Portal habe ich einen kleinen Platz 9 km außerhalb der Stadt gefunden und den haben wir angesteuert. Als wir hin kamen, haben wir echt gehofft, dass noch ein Platz frei ist, denn er lag schön am Wasser in einer total ruhigen Gegend. Eine Österreicherin hat vor uns gewartet und wir haben festgestellt, dass die Rezeption erst ab 11 Uhr besetzt ist. Es war kurz nach 10 Uhr und so haben wir gewartet. Ein deutsches Paar kam noch dazu und wir haben gemeinsam sehr nett die Zeit überbrückt. Währenddessen kamen immer mehr Camper und wir haben gebibbert, ob das klappt mit dem Platz. Irgendwann kam eine Dame, hat uns darüber aufgeklärt, dass der Angestellte nicht gekommen sei und sie sich erstmal einen Überblick verschaffen müsse und wer denn alles reserviert habe. Einige Hände hinter uns gingen hoch und meine Hoffnung auf einen Platz schwanden. Nachdem die reservierten Plätze vergeben waren, hat die Dame uns verzweifelt angeschaut und meinte, sie müsse sich mal einen Überblick verschaffen, was noch ginge. 10 Minuten später hat die Österreicherin einen Platz bekommen und danach wir, genau wie das andere Paar – juhuhhh. Wir haben eingeparkt, unsere Räder ausgepackt und ab ging es in die Stadt.

Direkt am Ufer entlang sind wir auf Radwegen in die Stadt gefahren und haben schon ständig Fotostops eingelegt, weil es so schön war.

Und dann sind wir in die Innenstadt gekommen und waren noch mehr begeistert.

Stockholm ist einfach nur ein Traum. Überall Wasser, Brücken, tolle Gebäude, super gepflegt – einfach nur schön.

Wir sind kreuz und quer durch die Gegend gefahren und unsere Kameras sind heiß gelaufen. Aufgrund der Entfernungen in der Stadt haben sich die Räder auch mal wieder richtig gelohnt.

Und auch mit dem Wetter hatten wir mal wieder richtig Glück, strahlend blauer Himmel und 28 Grad. Die Sonne haben wir aber nach ein paar Stunden auch ordentlich gemerkt und so haben wir an einem schattigen Plätzchen erstmal eine Pause gemacht.

Anschließend sind wir weiter zum Vasa Museum, das wir uns aber nur von außen angeschaut haben. Am späten Nachmittag waren wir nur noch platt und haben beschlossen zurück zu fahren.

Und Fahrradfahren geht hier echt gut, denn fast jede Autostraße hat parallel auch eine Fahrradstraße. Allerdings muss man höllisch aufpassen, denn unzählige E-Scooter fahren kreuz und quer durch die Gegend und halten sich an gar keine Regeln. Außerdem lagen 2 Kreuzfahrtschiffe im Hafen und die Passagiere rannten auch planlos herum. Zurück am Campingplatz waren wir total aufgeheizt und Andi! meinte, er ziehe jetzt die Badehose an und gehe schwimmen. Jeder, der ihn kennt weiß, dass er nicht gerade die Wasserratte ist und ich konnte es auch kaum glauben. Aber ehe ich bis 3 zählen konnte war er umgezogen und auf dem Weg zu dem kleinen Strand, der hier direkt ist.

Und das kühle Naß hat so gut getan!!! Völlig erfrischt haben wir dann unsere Markise raus gefahren und es uns den Rest des Abends gemütlich gemacht.

Natürlich war das nur der Plan, denn in Wirklichkeit hat es uns nach ein paar Minuten am Platz ans Meer gezogen und so sind wir noch ein paar Meter am Ufer entlang gegangen – und es war sooo schön.

Die Schweden wissen wirklich ihre tolle Natur zu schätzen und sind bei dem Wetter gefühlt alle draußen.

2021 Schweden

Stockholm Tag 2

Heute früh ging es nach dem Frühstück wieder in die Stadt. Heute war es deutlich kühler bzw. angenehmer. Andi wollte gerne ins Vasa Museum und so sind wir auf direktem Wege dorthin geradelt. Wir sind super voran gekommen, da morgens noch nicht so viele Leute auf den Straßen unterwegs waren. Am Museum angekommen, haben wir unsere Räder gut verschlossen und sind hinein gegangen. Um ehrlich zu sein, bin ich Andi zuliebe mit gegangen und konnte mir nicht so viel darunter vorstellen. Er hat sich wie ein kleiner Junge gefreut, als er durch den Eingang gegangen ist.

Und dann konnte ich verstehen, warum er unbedingt hierher wollte. Das Museum wurde um das Schiff herum gebaut und das Schiff war der Hammer.

Es ist im August 1628 auf seiner Jungfernfahrt gekentert und anschließend gesunken. Nach unglaublichen 333 Jahren auf dem Meeresboden wurde das imposante Kriegsschiff geborgen und hierher gebracht. Es besteht zu 98 % aus Originalteilen und die sind echt beeindruckend. Unsere Kameras sind heiß gelaufen und man konnte von verschiedenen Etagen aus ganz toll die Details erkennen.

Als Andi sich irgendwann wieder trennen konnte, haben wir in einem tollen Lokal direkt am Wasser etwas getan, was auf unserer To Do Liste stand: wir haben Köttbullar gegessen. Und die waren richtig lecker!

Nach der Pause sind wir mit den Rädern einmal um die Insel Djurgarden herum gefahren.

Am Anfang waren noch hübsch gelegene Biergärten, dann nur noch pures Grün. Man fühlt sich überhaupt nicht wie in der Stadt.

Anschließend sind wir in die Altstadt, denn in der waren wir bisher noch überhaupt nicht.

Und die war auch wieder wunderschön.

Hier waren allerdings wieder sehr viele Touristen, denn heute lag „Mein Schiff“ im Hafen und hat die Touristen in die Stadt gespült.

Wir sind kreuz und quer durch die Gassen und waren dann aber auch irgendwann platt und haben den Rückweg angetreten.

Obwohl es vom Wetter heute deutlich angenehmer war, war es trotzdem wieder anstrengend. Trotzdem ist Stockholm wirklich eine Reise wert und gehört mit zu den schönsten Städten, die wir bisher besucht haben!

2021 Schweden

Vaxholm und Uppsala

Heute früh ist die Meute, die vorgestern gemeinsam am Campingplatz angekommen ist, fast zeitgleich wieder aufgebrochen, aber alle mit anderen Zielen. Wir wollten uns die Stockholmer Schären noch etwas genauer anschauen und die Boote, die dorthin aus der Stadt aufgebrochen sind, waren uns deutlich zu voll. Also sind wir über diverse Brücken nach Vaxholm gefahren, haben dort einen Parkplatz gesucht und sind dann zu Fuß zum Hafen gelaufen.

Von hier fahren einige Autofähren auf weitere Inseln und es war die Hölle los. Anscheinend wollten viele Leute am Samstag vormittag zu ihren Wochenendhäusern auf den Inseln.

Wir sind etwas am Hafen entlang geschlendert, sind dann aber auch wieder aufgebrochen, da uns echt zu viel los war.

Unser nächstes Ziel war die Stadt Uppsala und ich glaube, dass alleine der Name uns schon angezogen hat und als am Stadteingang dann noch 4 gelbe Buchstaben IKEA angezeigt haben, haben wir den nächsten Punkt auf unserer To Do Liste abgehakt und sind shoppen gegangen.

Vor allem wollten wir ein anderes Besteck haben, denn das, was ich gekauft habe ließ sehr zu wünschen übrig. Die Messer konnten einer Scheibe Brot überhaupt nichts antun, geschweige denn einem Stück Käse oder Wurst. Und so haben wir auf dem riesigen Parkplatz geparkt und sind durch das noch riesigere IKEA gelaufen. Und tatsächlich gab es hier auch andere Sachen als bei uns. Wir sind in Sachen Besteck fündig geworden und haben noch etwas „Grünes“ mitgenommen.

Anschließend waren wir dann noch in einem Supermarkt einkaufen. Das machen wir auf unseren sonstigen Reisen auch immer sehr gerne, da es in anderen Ländern einfach immer total interessante andere Lebensmittel gibt. Wir haben diverse Sachen gekauft, die in den nächsten Tagen erstmal probiert werden. Da es schon 16.30 Uhr war, haben wir beschlossen, auf den einzigen Campingplatz in der Stadt zu fahren und als wir hin kamen, war eine große Wiese ohne Schatten mit vielen Wohnmobilen zu sehen. Ich habe Andi gesagt, er soll ein schattiges Plätzchen organisieren und prompt hat er genau das wieder hingekriegt. Wir sind an allen anderen vorbei an eine schöne schattige Ecke gefahren, wo außer uns nicht viele andere standen. Perfekt! Und so haben wir den Grill raus geholt und es uns gemütlich gemacht. Eigentlich wollten wir abends noch in die Stadt, hatten dann aber keine Lust mehr. Wir müssen hier morgen erst um 15 Uhr aus checken, haben also auch morgen früh noch Zeit. Also habe ich noch ein paar Minuten das Treiben am Wasser beobachtet.

Was wir übrigens in Schweden total interessant finden: wir haben noch nie so viele Leute Golf spielen gesehen. Auf den großen Plätzen sind richtig viele Leute unterwegs und noch mehr Leute sind auf Minigolfplätzen zu sehen. Während sie in Deutschland gefühlt verfallen, sind sie hier super gepflegt und echt richtig voll. Sehr bemerkenswert.