2022 Korsika

Die Calanche

Heute früh hat es mal wieder geregnet und gegenüber gestern hat das Wetterradar nicht vorgegeben, dass es irgendwann besser wird. Den ganzen Tag war abwechselnd Regen, Wolken und Sonne gemeldet. Also haben wir nach einem Schutt die Räder rausgeholt, die Regenjacken eingepackt und sind ganz mutig losgefahren. Es ging ca. 10 km ordentlich bergauf und ich habe gedacht, dass wir hier auch locker mit dem Womo hätten hinfahren können.

Dann hat der Felsenhund den Beginn der Calanche eingeleitet und die Straßen wurden merklich schmaler. Die Calanche wie die Gegend hier genannt wird, ist UNESCO Weltkulturerbe, ebenso wie der Ort Porto.

Die Landschaft hat sich total verändert, die Steine um uns herum wurden ganz rot und man hatte tolle Blicke aufs Meer.

Leider hat es immer mal wieder genieselt, aber gefühlt hat die Sonne sich immer häufiger blicken lassen. Tatsächlich wäre es recht schwierig gewesen, hier einen Parkplatz zu finden mit Womo. Die Straße war sehr eng und die Ausweichbuchten mit Autos voll geparkt, vor allem im Herzen der Calanche, weil dort wirklich ein Herz im Felsen ist.

Wir sind bis zum nächsten Ort Piana geradelt, der wohl zu den schönsten Dörfern Frankreichs gehört, was wir außer der Lage aber nicht nachvollziehen konnten.

In einem Supermarkt haben wir uns einen kleinen Snack geholt und dann ging die Strecke zurück. Zwei Busse haben sich die schmale Straße entlang gequält und wir waren mit unseren Rädern ganz zufrieden.

Andi hat auf dem Rückweg trotz Sturm die Drohne nochmal in die Luft geschickt und geniale Aufnahmen bekommen. Wir haben einen kurzen Zwischenstop am Campingplatz gemacht, meinen Akku etwas nachgeladen, unser Wasser für eine spätere Dusche angeheizt und sind dann nochmal in die andere Richtung gefahren.

Es ging wieder steil bergauf in das Örtchen Ota. Hier in der Nähe sollte eine tolle Brücke sein, allerdings hat es uns gewundert, wie lang und steil wir bergauf gefahren sind. Der Ort lag richtig schön am Hang und war früher hier der Hauptort, bevor sich Porto mehr zum Zentrum entwickelt hat.

Und dann hatte mein Akku nur noch einen Balken und es ging bergab. Da ich da wieder hoch gemusst hätte, habe ich die Notbremse gezogen. Es war schon spät am Nachmittag und ich habe mich mein Rad hoch schieben sehen. Also sind wir umgekehrt und keine 500 m weiter war der Akku tatsächlich leer. Und ein E- Bike ohne Akku macht gar keinen Spaß. Da Andi noch konnte und sein Rad auch noch Saft hatte, haben wir bis zum höchsten Punkt getauscht und ich bin auf der anderen Seite die 6 km bergab gerollt. Insgesamt hatten wir heute doch Glück mit dem Wetter und wie heißt es so schön: es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung!

2022 Korsika

Durch die Berge nach Corte

Heute früh wurden wir durch Schüsse geweckt.  Erst einer weiter weg,  dann wurden sie immer lauter und durch den Regen hat man noch Gegröle gehört.  Anfangs dachte ich, dass da jemand jagt, irgendwann fand ich es befremdlich. Wir haben in den Tagen auf der Insel bereits mehrfach zerschossene Straßenschilder und Patronenhülsen am Straßenrand liegen sehen. Auch haben wir mehrfach gesprühte Schriftzüge mit „French go home“ gesehen,  aber die Schüsse so in der Nähe zu hören fand ich beängstigend.  Bin dann im Internet auch gleich auf einen Bericht gestoßen,  dass auf einem Campingplatz mehrere Camper zerschossen wurden.  Nach ca.  30 Schüssen wurde es dann wieder ruhig. Beim Auschecken haben wir gefragt,  woher die Schüsse kamen und haben als Antwort bekommen,  dass Wildschweine geschossen wurden.  Das haben wir mal so geglaubt.  Heute war Dauerregen vorher gesagt und wir haben überlegt,  ob wir noch bleiben oder weiter fahren.  Das nächste Stück durch die Berge sollte besonders toll werden,  allerdings das Wetter hier auch noch ein paar Tage so bleiben.  Also sind wir weiter gefahren. Und nach ein paar Kilometern hat es dann richtig angefangen zu schütten. 

Auf dem Pass „Bocca di Verghju“ auf 1467 m haben wir eine kleine Pause eingelegt und waren froh, unser trockenes Zuhause dabei zu haben.  Die armen Motorradfahrer um uns herum,  hatten keinen Spaß… Nach dem Pass ging es durch dichte Kastanienwälder bergab. Kastanien werden hier geerntet und sind eine Spezialität.  In diversen Gerichten sind sie uns schon aufgefallen.  Die Straße war an einigen Passagen immer wieder von Wildschweinen bevölkert. Besser können Tiere eigentlich nicht leben.  Im Wald und Dickicht nach Fressbarem suchen und nicht eingepfercht in Ställen ihr Fressen bekommen.  Na ja,  bis sie dann morgens um 8 Uhr erschossen werden…

Wir mussten an einer Baustelle einige Zeit warten und sind danach über eine schmale Brücke gefahren und das war tatsächlich so eine Genuesenbrücke, die wir gestern mit den Rädern nicht erreicht haben.  Es hat geregnet und gleichzeitig die Sonne geschienen,  was ein herrliches Fotomotiv. 

Tatsächlich hat ein paar Kilometer weiter der Regen aufgehört und die Sonne kam so richtig durch.  Das hätten wir heute morgen kaum zu glauben gewagt! Unser heutiges Ziel ist die Stadt Corte im Landesinneren.  Tatsächlich ist Stadt relativ klein mit gerade mal 7500 Einwohnern.  Je näher wir Corte kamen,  umso enger wurden die Straßen wieder und ich habe gemerkt,  dass nach stundenlangen Kurven mein Nervenkostüm hinter dem Steuer nicht mehr  das Beste war.  In einer super engen Baustelle habe ich dann die Krise gekriegt und die Bauarbeiter mussten mich zwischen ihrem LKW und einer Mauer durch lotsen. Die Gedanken von den Typen waren so laut von wegen Frau am Steuer…

In Corte angekommen,  war die Zufahrt von dem ersten Campingplatz zu eng, der Zweite war voll und der Dritte lag 5 km außerhalb, hatte aber noch freie Plätze. Da unsere Räder auf der Fahrt durch unsere Batterie wieder voll geladen waren und immer noch die Sonne schien, haben wir auf Ausruhen verzichtet und sind gleich in die Stadt geradelt. Ohne Steigung ging die Strecke ratz fatz und so haben wir ganz schnell den Blick auf die schöne Altstadt gehabt.

In der Stadt haben wir neben der Statue von Napoleon etwas gegessen und sind dann nochmal zur Zitadelle hoch geradelt. Da es schon wieder dämmerte, haben wir den Heimweg angetreten. Es war so stürmisch, dass wir kaum treten mussten. Kurz vorm Campingplatz haben uns zwei Korsen mit ihrem Auto bedrängt, uns angeschrien, Stinkefinger gezeigt und dann vor uns auf der Straße eine Vollbremsung hingelegt. Warum? Keine Ahnung! Wir waren total froh, dass wir in dem Moment den Campingplatz erreicht hatten und die Typen weiter gefahren sind…

2022 Korsika

Zurück an die Küste

Heute früh konnte sich das Wetter nicht zwischen Sonne und Regen entscheiden. Wir haben endlich einen Casino Supermarkt gefunden, wo wir auch parken konnten und haben lauter leckere Dinge gekauft, unter anderem auch das leckere Getränk, zu dem uns die Schweizer eingeladen hatten. Wir haben es gleich kühl gestellt und werden wohl heute Abend die erste Flasche köpfen. Kurz hinter Corte hat es wieder angefangen zu schütten. Allerdings ließ es sich hier deutlich besser voran kommen. Die Straßen waren breit und nicht mehr so kurvig. Der Verkehr wurde stärker und wir haben uns der Hauptstadt Ajaccio genährt. Entlang des Hafens ging es einmal quer durch die Stadt. Unser Ziel war der „Tour de la Parata“, der Wehrturm von dem aus man auf die vorgelagerten Inseln schauen konnte.

Wir sind hinter dem Turm auf einen Berg geklettert und haben die Aussicht genossen.  

Anschließend haben wir uns in der Nähe einen Campingplatz gesucht und den Rest des Tages gechillt.

2022 Korsika

Weiter nach Bonifacio

Gestern Abend haben wir den Tag mit unseren Nachbarn Sabine und Jochen sehr nett ausklingen lassen bei dem ein oder anderen französischen Kaltgetränk. Heute Nacht hat es heftigst gewittert und geschüttet. Schlafen ist da schwer gefallen… Da es heute morgen immer noch geregnet hat, haben wir Ajaccio auch direkt wieder verlassen. In der Stadt waren wieder Massen von Kreuzfahrern unterwegs und wir hatten keinen Bock, mit Schirm zwischen den Massen rumzulaufen. Unser nächstes Ziel hieß Bonifacio und tatsächlich hat es unterwegs mal aufgehört zu regnen. Also waren wir ganz mutig und sind zu Fuß in die Stadt Sartene gelaufen, die auf dem Weg lag. Hier waren wir vor den Kreuzfahrern sicher und die Stadt ist sehr cool an den Berg gebaut. Teilweise sind die Häuser 8 Etagen hoch und gleichen den Höhenunterschied aus.

Zwischen den Häusern verlaufen super enge Gassen, allerdings passt in diese auch Regen durch. Und wir waren kaum in der Stadt angekommen, schon hat es wieder angefangen zu regnen. Wir wollten dem Wetter entkommen und etwas essen gehen, allerdings haben die Restaurants gerade geschlossen. Danke auch. Also sind wir zurück zum Womo und weiter ging es. Wir sind wieder an die Küste, mittlerweile ganz im Süden der Insel, gekommen.

Kurz vor Bonifacio lag ein Campingplatz, auf den wir eigentlich wollten, der hatte aber kein Wasser mehr, nur Strom!? Also weiter zum nächsten – geschlossen. Der in der Stadt war vermutlich wieder zu eng, also haben wir noch einen weiter außerhalb gefunden. Die hatten Platz für uns und so haben wir uns hier für 2 Nächte eingebucht.

Gegen Abend haben wir noch eine Runde gegrillt. Ab morgen soll endlich schönes Wetter werden, Daumen drücken!

2022 Korsika

Bonifacio

Der Wetterbericht hat uns die letzten Tage suggeriert, dass ab Samstag, also heute, nur noch die Sonne scheint. Die hat sich auch mal kurz gezeigt, wurde allerdings immer wieder schnell durch fette Regenschauer abgelöst. Gott sei Dank hat Andi darauf bestanden, erst die Räder raus zu holen, wenn nur noch blauer Himmel da ist. Also wurde es später vormittag und schließlich Mittag, bis wir losgezogen sind. Mit den Rädern sind wir ca 5 km in die Stadt gefahren und haben diese dann am Hafen festgemacht.

Normalerweise kann man von hier aus Bootstouren vor die Küste und auf Inseln machen, diese finden aber seit Tagen nicht statt aufgrund des heftigen Windes. Auch heute war es wieder stürmisch, ging aber mittags noch. Und so sind wir zu Fuß hoch auf den Berg und erstmal gegenüber der Stadtinsel zu einem Aussichtspunkt gewandert.

Von hier hatte man traumhafte Blicke auf die steile Küste und auf das naheliegende Sardinien. Dort drüben standen wir vor ein paar Jahren und haben hierher geschaut. Weiter ging es hoch in die Stadt und die war nur fantastisch.

In einem Restaurant haben wir etwas gegessen und sind dann zur Treppe des Königs Aragon gegangen.

187 Stufen, teilweise 40 cm hoch, führen in einem 45 Grad Winkel in Richtung Meer. Der Legende nach wurden sie in einer Nacht von den Truppen Aragons in den Fels gehauen.

Unten angekommen, führt ein in den Fels gehauener Weg entlang der Küste.

Wieder oben angekommen haben wir uns kurz erholt und sind dann auf die Spitze des Felsens gelaufen. Mittlerweile war es total stürmisch geworden und wir hatten Glück, dass wir die Treppe überhaupt hinunter steigen durften. Die letzten Tage war auch sie immer mal wieder gesperrt.

Wir mussten aufpassen, nicht wegzufliegen und erste Gedanken kamen auf, ob unsere Markise wohl noch lebt. Da es morgens so geregnet hat, haben wir sie offen gelassen, aber mit so einem Sturm hatten wir nicht gerechnet. Durch die Stadt sind wir zurück zu unseren Rädern und zum Campingplatz geradelt. Gott sei Dank hatten wir die Markise mit Erdspießen befestigt, ansonsten wäre sie weg gewesen. Wir haben beschlossen, noch einen Tag länger hier zu bleiben in der Hoffnung, dass morgen weniger Sturm ist.