2022 Korsika

Die Küste um Bonifacio

Heute früh hat uns mal nicht das Trommeln des Regens geweckt, sondern die Sonne. Wie herrlich! Nach einem gemütlichen Frühstück wollten wir uns heute die Steilküste östlich von Bonifacio anschauen. Normalerweise kann man mit den Ausflugsbooten entlang der Küste fahren und von unten Staunen. Wann das aufgrund des immer noch anhaltenden Sturms wieder möglich sein wird, steht in den Sternen. Also haben wir die Räder geschnappt und sind losgeradelt. Kaum an der Küste angekommen, war der Sturm wieder unbeschreiblich. Er hat hier wirklich Patagonien-Niveau. Man konnte kaum die Kamera halten, geschweige denn sehen, was man da überhaupt filmt, da die Haare wirr durch die Gegend flogen.

Bonifacio lag wieder wunderschön auf dem Felsen, wir sind aber in die andere Richtung gefahren. Unser Ziel war der Leuchtturm, den wir gestern aus der Ferne gesehen haben, denn dort unterhalb sind die Grotten, die sonst mit dem Boot angefahren werden. Tatsächlich haben wir ein einziges Boot auf dem Meer gesehen, wahrscheinlich waren aber alle Passagiere grün im Gesicht, bis sie wieder festen Boden unter den Füßen hatten.

Am Leuchtturm angekommen, haben wir die Räder festgemacht und es ging zu Fuß weiter bergab ans Meer. Über die Sandsteinfelsen sind wir hinunter geklettert und in einer super schönen Gegend raus gekommen. Man kann über die hellen Sandsteinfelsen überall entlang klettern und bestaunen, welch Kunstwerk Wind und Wetter hier geschaffen haben.

Der Sturm war so heftig, dass wir uns kaum auf den Füßen halten konnten und innerhalb kürzester Zeit gewässert, gesalzen und gesandstrahlt waren. Normalerweise fahren hier die Boote durch eine Öffnung in die Grotte de Saint Antoine.

Heute haben die Wellen die Öffnung in der kompletten Höhe mit Wasser gefüllt. Zwischen zwei Wellen konnte man die Öffnung aber kurz erkennen.

Wir haben zu Fuß alles erkundet und dann auch noch einen Abstecher zum Strand gemacht.

Zurück am Leuchtturm, sind wir noch ein paar Meter an der Küste in die andere Richtung gelaufen. Wir befinden uns hier am südlichsten Ende Korsikas, dem Kap Pertusato.

Dann ging es zurück zum Campingplatz. Der Sturm war so heftig, dass wir uns kaum auf den Rädern halten konnten. Sehr schade war auch, dass wir deshalb die Drohne mal wieder nicht einsetzen konnten.

2022 Korsika

Plage de Palombaggia und weiter gen Norden

Wir konnten es einfach nicht akzeptieren, dass uns Korsika so viele Striche durch die Rechnung macht. Und so haben wir gestern den Wecker für heute 7 Uhr gestellt in der Hoffnung, dass dieser blöde Sturm endlich mal nachlässt. Oft ändert sich der Wind ja bei Sonnenauf- oder -untergang. Um 5 Uhr war ich wach und es hat immer noch gestürmt. Um 7 Uhr war es plötzlich total windstill. Wir konnten es nicht glauben. Also haben wir die Räder raus geholt und sind durch verlassene Straßen nochmal die 4 km nach Bonifacio gefahren. Der Himmel war bedeckt, aber der Wind war immer noch komplett weg, als wir angekommen sind. Wir sind auf den Aussichtspunkt vom ersten Tag gelaufen und 2 Minuten später war die Drohne in der Luft und hat einfach nur geniale Aufnahmen gemacht. Es waren noch keine Touristen unterwegs und die Stadt ist gerade aufgewacht.

Besser geht’s nicht. Um 8.30 Uhr waren wir zurück am Campingplatz und haben unsere Brötchen Bestellung abgeholt. Denn ein gutes Frühstück hatten wir uns jetzt verdient. Dann haben wir gezahlt und haben uns auf den Weg gen Norden gemacht.

Unser erster Halt war am Plage de Palombaggia, einem der tollen Strände hier in der Gegend. Da der Sturm immer noch weg war, sind wir am Strand spazieren gegangen.

Der feine Sandstrand ist ins türkise Meer abgefallen, rote Felsen lagen im Meer und frische grüne Pinien haben das Ufer gesäumt – wie im Paradies! Es war auch echt nicht viel los, aber für Montag vormittag wahrscheinlich doch.

Unser nächstes Ziel hieß Porto Veccio, das sich aber auch wieder in Luft aufgelöst hat. Auf der Insel sind lauter komische aufgemotzte Rallye Autos unterwegs. Und gefühlt jeder größere Parkplatz war belegt mit den Werkstattautos und Hängern, so dass wir wieder mal keinen Parkplatz gefunden haben. Also sind wir eine Runde am Hafen und durch die Stadt gefahren und haben den Ort dann wieder verlassen.

Auf das Chaos und Gedröhne hatten wir keinen Bock. Ein paar Kilometer weiter haben wir unsere Vorräte im Supermarkt aufgestockt und wollten dann eigentlich durch die Berge gen Norden fahren. Die lagen mittlerweile aber in einer so dicken Wolkenschicht, dass wir uns die Fahrt gespart haben. Schöne Aussichten hätten wir wieder nicht gehabt. Also ging es auf der Küstenstraße weiter gen Norden. Da wir von den bisherigen Campingplätzen hier mehr als enttäuscht waren, haben wir uns einen ausgesucht, der nicht nur offizielle Sterne, sondern auch gute Bewertungen hat. Mit den Sternen schmeißen sie hier um sich ohne Ende, aus welchem Jahrhundert diese aber stammen, weiß keiner. Wir sind gespannt und wollen hier noch ein paar Tage bleiben und ausspannen. Wir konnten uns einen freien Platz aussuchen und kaum angekommen, sind wir von Mücken zerfressen worden ohne Ende. Bevor wir das Autan raus geholt haben, waren wir beide schon mehrfach zerstochen… Den Platz selber werden wir morgen erkunden. Jetzt wird der Grill heraus geholt!

2022 Korsika

Wellness Tag

Heute haben wir einen Wellness Tag eingelegt.  Schön ausgeschlafen,  mit Baguette und Croissants gefrühstückt, gemütlich gelesen und dann den Massagepool hier auf dem Gelände genossen.  Eine ganze Poollandschaft ist im Wasser mit allen möglichen Düsen ausgestattet und der Zutritt ist erst ab 18. Was ganz lustig war,  war die Tatsache,  dass wir die einzigen Besucher waren.  Und es war nur herrlich,  die verspannten Muskeln mal richtig durchkneten zu lassen.  

Anschließend gab es Kaffee und Kuchen mit leckeren Törtchen, die wir gestern gekauft haben.

Nachdem wir uns gestärkt hatten,  ging es an den Strand und wir haben die ganzen kleinen privaten Strandhäuser bewundert,  die hier stehen.  Alle schön in Schuss und geschmackvoll. Der Strand ist hier ewig lang und das Meer schön sauber.

Wir sind zum Campingplatz zurück und haben den Tag ausklingen lassen. Nochmal ein paar Worte zu den Campingplätzen hier auf Korsika. Wir sind hier wirklich auf dem besten Platz gelandet, den wir bisher hatten und selbst der hat, was die sanitären Anlagen angeht, noch deutlich Luft nach oben. Gefühlt sind die Plätze hier auf Urlauber mit Auto und Zelt oder auf die fest installierten Mobile Homes ausgelegt. Da es Wohnmobile nicht erst seit gestern gibt und hier auch zahlreich herum fahren, wundert es schon, warum die Plätze nicht darauf eingestellt sind. Wenn Plätze eng sind, weil von der Lage nicht genug Platz ist – alles gut. Aber wir haben einige Plätze erlebt, wo einfach mal wieder die Bäume geschnitten werden müssten. Da hängen Äste so weit in Wege rein, dass man sich sein Wohnmobil zerstört, wenn man da lang fährt. Auf einigen Plätzen hängen knallbunte große „reserviert“ Schilder an Bäumen mit Namen und Daten aus dem Juli und August – wir haben Oktober. Und was eine einzige Katastrophe ist, sind die sanitären Anlagen. Wir haben hier erst den 2. Platz, wo es Klopapier gibt, kein Scherz! Auf den meisten Plätzen kann man mit seiner eigenen Rolle zur Toilette gehen. Klobrillen gibt es hier ebenfalls nirgends und die meisten Duschen sind eine Zumutung. Auf unserer gesamten 8wöchigen Balkantour haben wir keine so schlechten Campingplätze gesehen wie hier. Selbst in Albanien oder Bosnien-Herzegowina waren einfache Plätze, aber die Leute haben sich mit ihren wenigen Mitteln total Mühe gegeben, alles sauber und ordentlich zu halten. Außerdem waren wir vom Balkan auch tolle Plätze mit Meerblick gewohnt. Wir hatten in den beiden Wochen hier nicht einen Platz mit Meerblick. Die Plätze sind hier oft außerhalb, ohne Rad oder Roller ist man aufgeschmissen. Wir waren jedenfalls schon öfter froh hier, dass wir alles dabei haben und wirklich nur ein Plätzchen zum Stehen benötigen. Das macht vieles einfacher.

2022 Korsika

2. Auszeit-Tag

Gestern Abend haben wir von unser Fährgesellschaft die Information erhalten, dass sich unsere Rückfahrt aus organisatorischen Gründen um einen halben Tag nach vorne verschiebt. Wir fahren jetzt nicht mehr am Freitag um 13.45 Uhr, sondern bereits morgens um 7.45 Uhr, um 6.45 Uhr schließt der Check In. Danke auch.

Eigentlich hatten wir aber schon vorher entschieden, nicht bis Donnerstag hier zu bleiben, sondern nochmal einen Tag in die Berge zu fahren. Die haben sich bisher fast nur im Regen präsentiert, was wir echt schade finden. Also haben wir heute nochmal einen ruhigen Tag gemacht und werden morgen weiter fahren. Wir werden uns dann einen Platz kurz vor Bastia suchen, um morgens einen kurzen Weg zur Fähre zu haben.

Ich wollte heute noch ein paar Kleinigkeiten einkaufen. Der Supermarkt hier auf dem Platz hat aber nur noch leere Regale. Also bin ich mit dem Rad los zu einem Sparmarkt einen Kilometer weiter. Der hatte komplett geschlossen für die Saison. Also bin ich nach Ghisonaccia geradelt, dem nächsten Ort hier. Dort habe ich alles bekommen und als ich zurück war, habe ich mich auf den Massagepool gefreut, den wir nochmal ausgiebig genutzt haben.

2022 Korsika

Durch die Berge zurück nach Bastia

Heute vormittag haben wir bei herrlichstem Wetter unseren Campingplatz verlassen und haben nochmal Corte im Landesinneren angesteuert. Das erste Mal, seit wir auf Korsika sind, lagen die Berge komplett frei und waren nicht von einer Wolkendecke verhangen. Außerdem war kein Sturm, sondern es war nur windig. Wir haben uns für eine der größeren Straßen entschieden, da wir in den nächsten Tagen wieder genug fahren und es nicht mit Kurven heute übertreiben wollten. Erst ging es noch ein paar Kilometer an der Küste entlang, bevor wir ins Landesinnere abgebogen sind. Durch tolle Landschaft ging es durch ein Tal, in dem wir zwei schöne Brücken entdeckt haben.

Andi hat sofort die Drohne raus geholt und super Aufnahmen gemacht.

In Corte angekommen, haben wir noch ein bisschen eingekauft und wollten dann eigentlich auf der guten breiten Straße nach Bastia. Irgendwie hat uns die Straße aber zu schnell aus den Bergen heraus geführt und so kam unser Reiseführer nochmal zum Einsatz.

Er hat uns eine andere Strecke vorgeschlagen und so sind wir rechts abgebogen in die Berge. Die Straße wurde sofort extrem schmaler und unsere Vorsätze vom Vormittag über den Haufen geworfen.

Eng, kurvig und mit phantastischen Aussichten haben wir uns von der Zivilisation immer mehr entfernt und sind in die Berge in verlassene Dörfer gekommen.

Außer ein paar Bauern, die ihre Schweine gefüttert haben, war hier keiner mehr. So schnell uns der Weg vorher noch nach Bastia vorkam, so mühsam wurde das Vorwärtskommen. Mit 15-20 kmh ging es immer weiter. Wir sind durch Bergdörfer gekommen, wo kaum noch jemand wohnt. Aber jedes Dorf hat noch seine Bar, wo die Betreiber auf Gäste warten. Auf der Straße lagen Kühe und Schweine, Ziegen, Schafe und Hunde liefen herum. Die wenigen Menschen, die wir gesehen haben, haben Kastanien gesammelt, denn hier standen massig Bäume herum.

Irgendwann hat uns das Navi angezeigt, dass wir steil bergab in eine Linkskurve abbiegen sollen. Da wären wir nie rum gekommen und so sind wir einfach gerade aus gefahren. Einige Kilometer weiter hat uns das Navi eine ähnliche Strecke gezeigt und die mussten wir nehmen. Eine einspurige geteerte Straße hat uns 25 km durch den Wald geführt. Genau das war so eine Strecke, die wir morgens nie ausgesucht hätten. Typisch, dass wir dann doch hier gelandet sind. Gott sei Dank ist uns auf der kompletten Strecke kein anderes Auto geschweige denn ein LKW entgegen gekommen. Die französischen Namen der Orte waren wieder dezent entfernt worden, immerhin dieses Mal nicht durch Schüsse…

Nach einer gefühlten Ewigkeit sind wir wieder auf der Hauptstraße an der Küste gelandet, wo uns der heftige Verkehr fast erschlagen hat. Wir haben nochmal für 1,67 Euro voll getankt und dann auf einen Campingplatz 11 km vor Bastia unser Lager für die Nacht aufgeschlagen. Tatsächlich ist das der erste Platz, der direkt am Strand liegt und man nicht ins Hinterland verbannt ist. Daher sind wir kurz vor Sonnenuntergang auch nochmal an den Strand gegangen und haben eine traumhafte Abendstimmmung erlebt.

Wir haben noch etwas gegessen, geduscht und sind dann ins Bett gefallen, da wir morgen ja sehr früh aufstehen müssen. Korsika – die Schöne – wie sie genannt wird, hat sich heute nochmal von ihrer besten Seite gezeigt. Uns hat die Insel auch super gut gefallen. Gefühlt ist hier alles eine einzige Panoramastrasse. Leider hat in der ersten Woche das Wetter nicht so mitgespielt, so dass wir nicht alles erleben durften, was wir wollten. Aber man sagt ja immer „man sieht sich zweimal im Leben“…