Nachdem wir im Februar einen tollen Urlaub im tief verschneiten Finnland gemacht haben, wo wir keinen Blog geschrieben haben, gibt es jetzt wieder einen.
Vor uns liegen 4 Wochen Urlaub und wir haben das grobe Ziel Italien. So richtig viel mehr haben wir ehrlicherweise noch nicht geplant. Bisher gibt es auf unserer Weltkarte einige markierte Punkte und einen ersten Anlaufpunkt an der Schweizer Grenze, wo wir heute eine Freundin besuchen wollen. Und so ging es heute morgen gen Süden. Tristes, regnerisches Wetter hat uns begleitet und die gelben Rapsfelder haben wenigstens für etwas Farbe gesorgt. Wir sind super durch gekommen und so sind wir am frühen Nachmittag in Grenzach-Whylen angekommen und haben dort auf einem kostenlosen Stellplatz am Rhein unser erstes Lager bezogen.
Kurze Zeit später wurden wir von unserer Freundin abgeholt – und wenn das mal keine coole Begrüßung war!!!
Wir haben einen super schönen Abend bei ihr und ihrem Freund verbracht, es gab lecker Essen und viele Gespräche. Nachdem sie uns netterweise im strömenden Regen zu unserem WoMo gebracht haben, sind wir dort müde ins Bett gefallen.
Heute morgen war das Wetter nicht besser und so sind wir früh weiter gen Süden gefahren. Wir standen ja direkt an der Schweizer Grenze und hatten 3 Routen zur Auswahl. Die erste durch den Gotthard Tunnel fiel raus, da dort Bauarbeiten waren und der Tunnel immer wieder gesperrt wurde. Wir hatten keine Lust, in so einer Sperrung zu stehen. Die zweite Route führte an Mailand vorbei und da standen wir aufgrund des heftigen Verkehrs die letzten Male immer im Stau. Also haben wir uns für die etwas weitere Route entschieden, die wir auch noch nicht kannten – entlang des Genfer Sees.
Wir waren schon nach wenigen Kilometern über die Entscheidung froh, denn hier waren relativ wenige LKWs unterwegs. Die Berge nach dem Genfer See haben uns irgendwie an den Milford Sound in Neuseeland erinnert, nur dass wir auf einer Autobahn und nicht auf einem Schiff hier durch gefahren sind. Die Berge waren noch schneebedeckt und dicke Wolken hingen darin fest. Die Straße hat sich dann mit dem Hinweis auf Italien in den Bergen hoch geschraubt und wir haben erfahren, warum hier so wenig Verkehr war. Ein Tunnel, durch den wir mussten, hat mal eben 48 Euro Maut kassiert…
Trotzdem waren wir über die schöne Landschaft und den wenigen Verkehr dankbar. Raus aus den Bergen ging es auf die Autobahn in Richtung Genua.
Unterwegs waren total viele Felder komplett überflutet, wahrscheinlich die Folgen der heftigen Regenfälle in den letzten beiden Wochen.
Nachdem wir uns durch Genua gekämpft haben, ging es entlang der Küste durch unzählige Tunnel, bis wir die Abfahrt nach Levanto erreicht haben. Der Ort liegt direkt am Meer und wird für die nächsten 3 Nächte unsere Station sein, um die Cinque Terre von hier aus zu besuchen. Gegen 16 Uhr sind wir ziemlich platt am Campingplatz angekommen und das Highlight schlechthin hat uns begrüßt: die Sonne.
Natürlich haben wir es nicht lange ausgehalten und sind gleich wieder los in den Ort. Levanto hat uns mit richtigem Italien Flair begrüßt. Alte Häuser, Pizzerien und Eisdielen an jeder Ecke und das rauschende Meer.
In einer Pizzeria am Meer haben wir etwas gegessen und die Sonne genossen.
Anschließend sind wir noch an der Strandpromenade entlang gelaufen und dann völlig platt zurück auf den Campingplatz.
Nachdem heute Nacht ein krasses Unwetter herunter gekommen ist, schien heute morgen wieder die Sonne. Wir haben alles in Ruhe angehen lassen und sind am späten Vormittag in Richtung Bahnhof gelaufen. Wir wollten mit dem Zug in die 5 Dörfer, die an der Küste hier als Nationalpark gelten und weltberühmt sind. Und so standen am Bahnhof schon mehrere Busse, die Touristen her gebracht haben. Die Dörfer sind schwer zu erreichen, aber ein Tunnelsystem verbindet sie alle per Zug. Und so sind wir in einen sehr vollen Zug gestiegen und bis zum letzten der Dörfer durch gefahren. Genau am Bahnhof öffnet sich der Tunnel.
Wir haben festgestellt, dass Corona vorbei ist, denn die ganze Welt war unterwegs. Massenhaft Asiaten, Amerikaner und alles, was es sonst noch gibt. Massentourismus pur. Eigentlich überhaupt nicht unsere Welt, aber wo wir schon mal hier sind, haben wir uns in den Rummel begeben.
In Riomaggiore war in der Hauptstraße die Hölle los. Tatsächlich war man aber auch mal allein, wenn man die Hauptrouten verlassen hat.
Der Ort liegt wunderschön an den Klippen gelegen und die Bilder vom kleinen Hafen sind weltberühmt.
Unsere Kameras sind mal wieder heiß gelaufen und Andi hat sogar einen Platz gefunden, wo er die Drohne mal in die Luft schicken konnte.
Am frühen Nachmittag sind wir zurück zum Bahnhof. Eine Station weiter, in Manarola, sind wir wieder ausgestiegen.
Der Ort ist kleiner und daher war hier gefühlt noch mehr los.
Wir sind einen Rundweg gelaufen, haben ein leckeres Eis gegessen und sind dann zurück zum Bahnhof. Leider haben wir den Zug hier ganz knapp verpasst, so dass wir einige Zeit warten mussten. Der Himmel hatte sich etwas zugezogen und so haben wir beschlossen, dass es für heute reicht.
„Guten Morgen blöder Regen, bist du auch schon wieder da, hast du auch so viel geschüttet, na dann ist ja alles klar“… Mit diesen Worten hat Andi den heutigen Tag begrüßt, denn seit gestern Abend hat es unaufhörlich geregnet. Der Campingplatz hat eigene Seenlandschaften entwickelt und so sind wir einfach im Bett liegen geblieben. Gegen 14 Uhr kam endlich wieder die Sonne raus und so sind wir wieder zum Bahnhof getigert, wo um die Zeit überhaupt nichts mehr los war. Wir sind bis zum ersten der Orte gefahren, nach Monterosso.
Einmal den Bahnhof verlassen, findet man sich an einer Strandpromenade, die so anders ist als gestern die Orte. Es gibt einen Strand und man ist nicht an so einer felsigen Küste wie gestern.
Wir sind zu einer großen Statue gelaufen, die wir entdeckt haben und so richtig toll fanden wir den Ort auf den ersten Blick nicht. Aber irgendwie sind wir einem Weg folgend bei einer alten Kirche und einem super alten Friedhof am Berg gelandet. Hier waren echt mal alte Gräber aus 1800.
Dem Weg weiter folgend sind wir anscheinend im alten Teil des Dorfes gelandet und hier war es wieder richtig toll.
Enge Gassen, schöne Restaurants und total gemütlich. Der Hunger hat gerufen und so haben wir uns ein Plätzchen in einem Restaurant gesucht. Hier gab es mal nicht die typischen Nudeln und Pizza, sondern kalte Brote mit leckeren Zutaten.
Wir haben eine Platte für 2 bestellt und haben angeröstete Brote mit Pesto, Sardinen, Schinken, Büffelmozzarella usw. bekommen. Es war einfach nur lecker. Dazu einen Lemon Sprizz und wir waren glücklich!
Anschließend haben wir uns wieder zum Bahnhof begeben und sind zurück gefahren. Trotz des verregneten Vormittags hatten wir einen tollen Tag. Wir haben beschlossen, noch einen Tag länger zu bleiben, denn morgen soll super Wetter werden und das wollen wir draußen und nicht auf der Autobahn verbringen. Wir müssen morgen nur unseren Stellplatz ändern, aber das ist ja gar kein Thema. Ab übermorgen soll es überall wieder durchwachsen sein und da können wir immer noch weiter fahren.
Juhu, heute früh wurden wir von stahlblauem Himmel begrüßt. Wir haben gefrühstückt und darauf gewartet, dass unser neuer Platz frei wird. Als er das wurde, haben wir umgeparkt und kurz darauf war auch unser alter Platz schon wieder belegt. Heute sind wir mit dem Zug nach Corniglia, dem mittleren der fünf Dörfer gefahren.
Vom Bahnhof aus ging es 385 Stufen bergauf in den Ort, denn anders als die anderen Orte liegt er nicht am Meer, sondern auf dem Berg.
Oben angekommen, haben wir uns mit vielen anderen Touristen durch die wenigen Gassen gekämpft und sind dann auf die Wanderung gestartet. Der Weg ist Teil des Nationalparks und kostet daher 7,50 Euro Gebühr. Wir hatten uns heute wieder das 5 Terre Ticket geholt und mussten so nicht extra zahlen, denn es beinhaltet die Züge und Wanderwege.
Mit vielen anderen Menschen sind wir also erst bergauf und dann entlang der Küste gelaufen, von wo man auf diese traumhafte Ausblicke hatte. Und wenn wir es nicht besser gewusst hätten, hätten wir gedacht, in Amerika zu sein. Um uns herum gab es nur eine Sprache: Englisch.
Die Gegend hier scheint das europäische Disneyland für die Amerikaner zu sein. Asiaten hat man beim Wandern gar nicht gesehen, passt wahrscheinlich nicht in den Zeitplan einer Europatour.
Nachdem wir zuerst immer wieder zurück geblickt haben und die Aussicht auf Corniglia genossen haben, tauchte irgendwann Vernazza vor uns auf.
Vom Wanderweg hatte man eine tolle Aussicht und dann ging es unzählige Stufen bergab in den Ort entlang von riesigen Kakteen, die bald in gelber Blüte stehen. Ein paar wenige haben extra für uns jetzt schon geblüht.
In einer langen Schlange sind die Leute in den Ort geströmt. Und wenn wir gedacht haben, dass auf der Wanderung viel los war, wurden wir im Ort eines besseren belehrt. Menschenmassen ohne Ende haben sich durch den Ort gedrückt – und wieder einmal, es ist noch keine Saison.
Nicht auszudenken, was dann hier abgeht. Wir sind zum Castello gelaufen und haben ein tolles Restaurant mit grandioser Aussicht gefunden. Dort haben wir uns eine Auszeit gegönnt und aus sicherem Abstand die Menschen beobachtet. Ein Schiff nach dem anderen hat angelegt und die Leute sind aus- und wieder eingestiegen.
Als wir bezahlen wollten, haben wir ein besonderes Highlight erlebt. Wir mussten mit unserem Verzehrzettel das Restaurant verlassen und auf der anderen Seite des Weges in ein Wohnhaus gehen. Dort den Gang entlang ging es in einen Raum der wie im Film aussah. Türkisfarben und mit Kram vollgestopft der aus einem anderen Jahrhundert kam.
Mit dem Rücken zur Tür saß eine ältere italienische Mama, die die Zahlen auf dem Zettel in Zeitlupe im Kopf zusammen gerechnet und auf diesem vermerkt hat. Dann haben wir den Zettel mit dem Ergebnis wieder in die Hand gedrückt bekommen und durften wieder ins Restaurant um zu zahlen. Sehr crazy, vor allem, da es kein kleines Restaurant war.
Wir sind weiter bergauf zum Castello und haben nochmal die Aussicht genossen, bevor wir uns wieder in die Massen am Bahnhof gestürzt haben. Mit dem nächsten Zug ging es zurück nach Levanto. Eigentlich hatten wir vor, den Radweg in die andere Richtung der Küste noch zu fahren, aber irgendwie hatten wir keine Lust mehr. Er geht durch eine still gelegte Bahntrasse und viel durch Tunnel mit schönen Ausblicken ab und an. Aber Tunnel hatten wir die letzten Tage genug. Und so haben wir geduscht und uns mal Gedanken gemacht, wie unsere Reise weiter gehen soll. So einen richtigen Plan haben wir bisher nämlich noch nicht. Zumal die nächsten Tage das Wetter in ganz Italien nicht wirklich gut gemeldet ist.
Wo wir jetzt die Cinque Terre verlassen, fällt unser Fazit ganz eindeutig aus: Es lohnt sich. Auch wenn es Massentourismus pur ist, ist es auch wunderschön und man sollte diesen Teil der Erde wirklich mal gesehen haben.