Als wir heute früh den Campingplatz verlassen wollten, hat plötzlich das Lämpchen vom Motoröl geleuchtet. An der Tankstelle im Ort konnten sie uns leider nicht weiter helfen und so haben wir die nächste Fordwerkstatt in Pisa angefahren, wo wir eh hin wollten. Dort konnten sie uns zwar sagen, was wir brauchen, sie konnten es uns aber nicht verkaufen, was wir nicht wirklich verstanden haben. Mit einem Zettel in der Hand ist Andi zu Fuß weiter, da einige hundert Meter weiter wohl ein weiteres Geschäft war, wo man sowas kaufen kann… Kurze Zeit später kam Andi mit 2 Litern zurück und wir sind in die Stadt gefahren. Pisa hat einen riesigen kostenlosen Parkplatz, den wir angefahren sind und unseren Safe mit allem voll geladen haben, was wir nicht mitgenommen haben. Man weiß nie. Der Parkplatz war mit unzähligen Bussen gefüllt und genau so voll war es dann beim schiefen Turm.
Wir hatten totales Glück mit dem Wetter, denn es war für den ganzen Tag Regen gemeldet. Wir hatten Sonnenschein und haben so unzählige Bilder gemacht.
Nachdem wir zurück am Womo waren, haben wir uns auf den Weg zu unserem heutigen Ziel gemacht, dem Lago di Bolsena. Hatten wir beide vorher noch nie gehört und so ging es durch die traumhafte Toskana gen Süden. Leider hat es dann doch angefangen zu regnen und so ließen die Aussichten nur erahnen, wie es hier bei Sonne aussieht. Bei Orvieto haben wir die Autobahn verlassen und waren traurig über das Wetter, denn die Stadt ist der Hammer. Sie liegt auf einem Felstableau und wir hätten gerne gehalten und Bilder gemacht. Aber bei dem Regen… Und dann kamen wir an den Lago di Bolsena.
Er liegt traumhaft zwischen den Bergen und wir haben sofort gemerkt, dass der Massentourismus hier noch keine Rolle spielt. Und tatsächlich haben wir auf einem leeren Campingplatz einen Platz in der ersten Reihe am See gefunden.
Hier ist es total leer und echt schön. Die nächsten Tage ist noch blödes Wetter gemeldet und vielleicht sitzen wir es hier einfach aus. Mal schauen. Irgendwie ist in ganz Italien momentan das Wetter eher herbstlich als frühsommerlich. Dafür ist aber alles schön grün…
Irgendwie haben wir zur Abwechslung der letzten entspannten Urlaube mal wieder einen Abenteuertrip gebucht. Letzte Nacht hat es geschüttet ohne Ende und heute morgen konnten wir eine Vermutung meiner Eltern von ihrer letzten Reise bestätigen: das Fenster über der Sitzbank ist undicht. Sämtliche Polster, Kissen und Decken, die dort lagen, waren heute früh patschnass. An einer Stelle lief das Wasser lustig die Wand runter. Unser Womo ähnelt gerade einer Trocknungsstation, damit der Kram nicht anfängt zu schimmeln…
Dann wollten wir frühstücken und wir waren am Strom am Campingplatz angeschlossen. Ich habe die Kaffeemaschine und den Toaster gleichzeitig angemacht- schlechte Idee. Auf einen Schlag ging alles aus. Also ist Andi im Regen raus und hat am Stromkasten geschaut – Sicherung raus. Anscheinend ist zu wenig Power für die Maschinen da. Also habe ich unsere interne Batterie angemacht und die Maschinen wieder gestartet – und dann war das ganze Womo tot. Also ist Andi an den Sicherungskasten vom Womo und hat geschaut, ob da irgendwas raus geflogen war, war aber nicht. Wir konnten innen das System einfach wieder starten. Also haben wir den externen Stecker gezogen, haben mit unserer Batterie den Kaffee und Toast gemacht und dann den externen Stecker wieder reingesteckt.
Nach dem Frühstück haben wir uns an das Motoröl gemacht. Wir haben die halbe Flasche rein gekippt und konnten am Messstäbchen keinen Unterschied feststellen. Also haben wir den restlichen halben Liter auch noch rein gekippt mit dem Ergebnis, dass die maximale Anzeige jetzt weit überschritten ist. Hoffentlich gibt das jetzt keine Probleme. Der Witz ist auch, dass die Ford-App angezeigt hat, dass noch 28 % Öl drin sind, das Stäbchen aber weit unter der minimalen Anzeige war. Also lieber nicht auf die App hören…
Gut, dass wir gestern weiter gen Süden gefahren sind. Wo wir gestern noch waren, waren die Regenfälle noch viel heftiger und es gibt zahlreiche Überschwemmungen. So schlimm ist es hier Gott sei Dank nicht. Als es aufgehört hat zu regnen, habe ich den Vorschlag gemacht, am Ufer entlang nach Bolsena zu laufen. Andi hatte erst keine Lust, hat dann aber entschieden, mit zu kommen.
Der Weg war richtig schön. Das Ufer des Sees darf wohl nicht in privaten Besitz, sondern ist der Allgemeinheit überlassen. Andi hat sich unterwegs gefreut, dass er mitgekommen ist weil es so schön war. Als wir im Ort angekommen sind, fing es wieder an zu regnen.
Also haben wir uns in ein Restaurant am See geflüchtet und etwas gegessen – und der Regen wurde immer schlimmer. Das Restaurant hat dann geschlossen und wir sind in strömenden Regen wieder heim gelaufen. Danach hing das Womo mit noch mehr Sachen voll, die trocknen mussten. Zum Fenster lief wieder das Wasser rein und ich habe versucht, es aufzuhalten, bevor es sich am Boden ausbreitet. Um uns aufzuheitern haben wir zwei Folgen LOL geschaut, danach war unsere Stimmung wieder deutlich besser. Wir werden morgen doch schon weiter fahren. Wir haben die Hoffnung, dass es im Süden schneller Sommer wird und wir mehr Glück mit dem Wetter haben. Außerdem haben wir bei unserem Caravan Händler angefragt, wie wir unterwegs das Fenster dicht kriegen und 30 km von hier ist ein Obi, den wir morgen wohl mal überfallen, um ein Abdichtband zu kaufen.
Unglaublich, es hat die ganze Nacht nicht geregnet. Wir hatten ja gestern schon beschlossen, weiter zu fahren, aber nicht ohne den Ort zu besuchen, der uns in die Gegend geführt hat: Civita di Bagnoregio. Der Ort liegt ca. 12 km entfernt und so haben wir uns auf den Weg gemacht. Der Ort ist über Bagnoregio erreichbar, wo man auch parken muss. Ich hatte einen Platz rausgesucht, wo ich gehofft habe, dass für uns noch etwas frei ist und was sollen wir sagen: wir waren die einzigen auf dem Platz. Anscheinend haben wir hier echt mal den Vorteil, nicht in der Saison unterwegs zu sein. Wir sind durch den Ort gelaufen und haben mitten im Zentrum einen total coolen Baumarkt gefunden. In einem engen kleinen Haus und bis unter die Decke vollgestopft mit allem, was in einen Baumarkt gehört. Der Inhaber hat nur italienisch gesprochen, seine Frau kam aber zur Hilfe und sie sprach englisch. Leider hatten sie viel, aber nicht das Dichtungsband, das wir gebraucht hätten. Schade. Also sind wir weiter durch den Ort gelaufen und an dem ersten Aussichtspunkt für unser Ziel herausgekommen.
Der Ort Civita di Bagnoregio ist über eine Brücke erreichbar. Für die Einwohner gibt es einen Parkplatz direkt unter der Brücke. Und alles, was in den Ort soll, muss über die Brücke gebracht werden. Kleine Mobile fahren ständig hin und her, um Einkäufe, Müll oder auch einfach gehbehinderte Leute in den Ort zu bringen. Total faszinierend. Als Besucher zahlt man 5 Euro Eintritt. Mit dem Geld soll dem Verfall des Ortes entgegen gewirkt werden. Der Fels, auf den der Ort bebaut ist, bröckelt langsam vor sich hin.
Wir haben uns auf den Weg über die Brücke gemacht. Mir kam der Ort von hier aus irgendwie kleiner vor als ich ihn erwartet hatte. Wenn man aber oben war, hat man erst gemerkt, wie lang der Ort eigentlich war.
Wir sind durch die Gassen geschlendert und mit uns mal wieder Amerikaner und Asiaten. Und man kann verstehen, warum die her kommen. Alles war wunderschön angelegt und verwinkelt. Und die Lage einfach spektakulär.
Andi hat dann von der Brücke aus die Drohne nochmal in die Luft geschickt und tolle Aufnahmen machen können.
Zu Fuß ging es zurück zum Womo und plötzlich stand auf dem riesigen Parkplatz noch ein zweites Womo. Was mag hier wohl los sein, wenn die Parkplätze alle voll sind.
Wir sind weiter gefahren nach Viterbo, wo es den Obi Markt gibt. Unterwegs hat es wieder geschüttet, was uns aber egal war, denn wir haben schönes Wetter gehabt, als es darauf ankam. Im Obi gab es nicht wirklich das, was wir gesucht haben, aber Andi hat etwas gekauft, wo er hofft, dass es dicht hält. Weiter ging es durch strömenden Regen immer südwärts. Und dann habe ich die Rechnung dafür bekommen, dass ich gestern Abend schon das Navi programmiert habe. Das Navi wollte uns mitten durch Neapel führen, worauf wir überhaupt keine Lust hatten. Also habe ich als Wegpunkt einen Ort hinter dem Vesuv eingegeben, so dass wir um den Berg und die Stadt herum geführt werden sollten. Was ich vergessen habe, diesen Wegpunkt wieder zu löschen. Und so habe ich mich gewundert, warum ich schon so früh die Autobahn verlassen sollte, obwohl Pompeji noch gar nicht ausgeschildert war. Und dann habe ich kurz später eine dezente Panikatacke hinter dem Steuer gekriegt. Ich habe mich mitten in einer fetten Stadt mit super engen vollgeparkten Straßen und massenhaft hupenden Italienern wieder gefunden. Es war Stau ohne Ende, überall kamen Autos aus den Gassen, die Vespas haben sich vorbei gedrängt und ich habe einfach nur die Krise gekriegt. Ich könnte schreien, wenn mich die Leute immer fragen, ob ich das Womo denn auch ab und an fahre. Ja, tue ich, auch durch italienische Großstädte, durch die sich kaum ein Deutscher mit dem Auto traut. Ich hatte Adrenalin ohne Ende, als wir endlich am Campingplatz angekommen sind. Der Platz war im Internet super bewertet und ich habe mich erstmal gar nicht wohl gefühlt. Wir hatten Hunger ohne Ende und so kam in Italien die Notfallration Ravioli zum Einsatz. Andi hat in der Zeit den Strom angeschlossen und wollte unser Klo leeren. Als er es wieder mit Wasser befüllen wollte, hat es innen einen lauten Knall getan und die Kassette ging nicht mehr auf. Er hat sie ins Womo geschoben mit dem Ergebnis, dass wir sie nicht mehr raus gekriegt haben. Also haben wir, um unsere Nerven zu beruhigen, erstmal gegessen und es dann ohne Erfolg nochmal probiert. Im Internet haben alle von dem Besitzer des Campingplatzes als Löser in der Not geschwärmt und so ist Andi zu ihm, um ihn zu fragen, ob er weiß, wer sich damit auskennt. Er kam sofort mit und gemeinsam haben sie die Kassette wieder raus gekriegt und gewaltsam geöffnet. Eine echt leckere Angelegenheit. Und Wunder oh Wunder, anscheinend geht sie wieder. Wir werden es die zwei Tage hier probieren, ansonsten kann er uns auch behilflich sein, eine neue zu besorgen. Kurz vor Sonnenuntergang habe ich dann zumindest noch ein Bild vom Vesuv gemacht.
Der Tag war echt wieder heftig. Eigentlich wünschen wir uns doch nur ein bisschen Sonne und Entspannung statt Regen und jeden Tag ein neues Chaos….
Heute stand etwas besonderes auf dem Programm: Pompeji. Schon oft gehört, aber noch nie mit beschäftigt. Meine Eltern hätten es aber nicht besser beschreiben können: es ist einfach beeindruckend.
Wir sind vom Campingplatz heute früh zu Fuß aufgebrochen und zu einem Nebeneingang von der Ausgrabungsstätte gelaufen. Leider gab es dort keine Audioguides, die wir gerne gehabt hätten. Dafür war direkt neben dem Eingang das beeindruckende Amphitheater und wir konnten hier erstmalig greifen, in welch hervorragendem Zustand sich die Stadt befindet.
Sie wurde quasi beim Vulkanausbruch des Vesuv in 79 nach Christus von einer 3-6 m hohen Asche- und Bimsschicht verschüttet und konserviert.
Im 19. Jahrhundert wurde dann erst mit systematischen Ausgrabungen begonnen und dadurch viel erhalten. Während man bei anderen antiken Stätten oft nur durch Mauerreste läuft, sind hier komplette Straßenzüge mit Häusern und faszinierenden Wandmalereien vorhanden.
Viele Leute lebten wohl recht arm, es gab aber auch riesige Villen mit Gärten und Brunnen.
Ein Traum waren die vielen blühenden Mohnblumen, die alles noch schöner gemacht haben.
Die meisten Einwohner Pompejis lebten jedoch in beengten Verhältnissen. Meist bewohnten sie eine Ein- oder Zweizimmerwohnung über einem Laden. Da es weder Herde noch fließendes Wasser gab, kaufte man sein Essen in einer öffentlichen Garküche, einer Art Imbissstube der Antike. Das Wasser wurde an öffentlichen Brunnen geholt, die es an jeder Straßenecke gab.
Auch haben für uns heute die Begriffe Schlaglöcher, Spurrilen und Zebrastreifen eine neue Bedeutung erhalten, mit unseren Womo wäre bei den Straßen jedenfalls schnell Schluss gewesen.
Die Karren damals haben genau zwischen den großen Steinen auf den Straßen durch gepasst.
Wir sind bis zum Forum, einem riesigen Platz gelaufen und von dort weiter zum Haus des Ministers, das ein wenig abseits lag.
In das Theater konnte man leider nicht rein, da dort ein Stück aufgeführt wurde. Nach einigen Stunden waren wir nur noch platt und so haben wir das Gelände verlassen und haben uns ein Plätzchen in einer Pizzeria gesucht. Als wir gezahlt haben und zurück wollten hat es: angefangen zu regnen. Und so sind wir im Regen zurück gelaufen. Die Dusche anschließend hatten wir uns nach diesem faszinierenden Tag mal verdient. Und ja: Pompeji ist beeindruckend und sollte man auf jeden Fall mal gesehen haben!!!
Heute waren wir schön früh kurz vor 8 Uhr wach. Sandra hat sich anscheinend gestern beim stundenlangen Laufen und Besichtigen der Ruinen des alten Pompeij einen Sonnenstich eingefangen – ihr war die ganze Nacht kalt mit Schüttelfrost, Schwitzen und Kopfschmerzen – wenigstens keine Übelkeit, so wie 2015 in Namibia.
Nachdem wir gefrühstückt haben und Sandra sich eine Schmerztablette eingeworfen hat, packten wir zusammen und entleerten vorsichtshalber noch einmal die Toilette, um kein Risiko einzugehen… nach der „energischen“ Reperatur gestern, hält sich das Vertrauen bzgl. Dichtigkeit doch etwas in Grenzen… da muss wohl über kurz oder lang ne Neue her.
Noch schnell bei unserem hilfsbereiten Campingplatz-Betreiber ausgeschenkt, einen kleinen Limonchello gekauft und dann ging ab auf die Straße… allerdings nicht, ohne erst einmal 5 Navis um Rat zu fragen, da wir enge Gassen und dichten Verkehr auf jeden Fall vermeiden wollen, nach der Erfahrung vor zwei Tagen. Allerdings scheinen Navis nur begrenzt mit Italien klar zu kommen. Zwei wollen uns durch ein Straße mit Verbot >7m Länge führen, welches wir gestern zum Glück noch gesehen hatten. Ein anderes wollte uns verschiffen und ein weiteres führte uns direkt in eine Baustelle… also sind wir doch wieder bei Google Maps gelandet und konnten unseren heutigen Zielort einigermaßen problemlos erreichen.
Sandra konnte gestern einen Campingplatz oberhalb der Amalfiküste mit Blick auf den Vesuv ergattern – die Aussicht ist echt grandios!
Allerdings spielt das Wetter noch nicht ganz so mit wie gewünscht und nach einer Menge Regen wechselt es jetzt in Sturm… naja – also Zwangspause einlegen und hoffentlich haben wir dann morgen beides – schönes Wetter und eine gesunde Sandra…