Wir sind wieder zuhause – 8 Wochen sind vorbei. Die Heimreise heute war schon ziemlich krass. So viele Autos haben wir lange nicht mehr gesehen, geschweige denn im Stau gestanden. Die einzigen Staus in den letzten Wochen waren mal vor einem Grenzübergang. Wir haben insgesamt 8 andere Länder besucht und sind 6.057 km gefahren.
Uns hat die Reise super gut gefallen. Wir sind total froh, dass wir uns im Mai in Kroatien so viel Zeit gelassen haben, als alles noch leer war und wir nicht die Massen erleben mussten. Für uns ist der Frühling und Herbst auf jeden Fall die richtige Reisezeit, auf keinen Fall der Sommer. Hilfreich war auch, dass ich vorher die Karte mit den Sehenswürdigkeiten erstellt habe, denn so die ersten 2-3 Wochen hatte ich die Punkte noch im Kopf, aber alles merken geht nicht. Und diese Karte hat uns immer zu den nächsten Punkten geführt, was echt gut war. Was aber das Tollste war, war die Tatsache, dass wir uns bis auf die letzte Woche nie stressen mussten, wieviel Zeit wir so zur Verfügung haben. Wir hatten immer mal das Gefühl, dass wir wo kürzer oder länger bleiben wollen und haben das dann auch genau so gemacht. Wir haben die komplette Zeit keinen Wecker gestellt und auch kein Fernsehen oder Nachrichten geschaut. Und wir haben all das auch nicht vermisst. Unsere paar Quadratmeter haben uns voll gereicht, natürlich waren wir aber auch sehr viel draußen. Und für alle, die uns vor der Reise gefragt haben, wie wir zu Zeiten des Ukrainekriegs in solche Länder fahren können – wir haben davon dort überhaupt nichts mitbekommen und uns zu keinem Zeitpunkt irgendwie komisch gefühlt. Die Menschen waren alle total nett und freundlich. Auch Corona hat keine Rolle gespielt, denn in den Ländern waren die Inzidenzen sehr niedrig, teilweise unter 10. Und da wir eh nur draußen waren, war es echt auch Urlaub von dem Virus. Nur wenn wir in Supermärkte gegangen sind, haben wir von uns aus die Maske getragen. Meistens waren wir aber die einzigen. Unterwegs haben wir immer wieder Leute getroffen, die uns um die Auszeit beneidet haben. Wir müssen rückblickend sagen, dass wir eigentlich erst die letzten 2 Wochen so richtig abgeschaltet haben und dass es ein Anfang zur Erholung war. Wir sind aber auch beide froh, dass wir jetzt nochmal eine Woche daheim haben. So können wir unsere Familien und Freunde wieder treffen, unsere Autos haben noch die Winterreifen drauf, das Womo will wieder sauber gemacht werden, der Garten wartet, die Kirschen wollen geerntet werden und und und…
Und wie heißt es so schön? Nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub!!!
Heute wollten wir früh aufstehen und nach Mostar fahren, um vor den Busladungen voller Menschen dort zu sein. Woran wir nicht gedacht hatten, den Besitzern vom Campingplatz auch Bescheid zu geben, denn die kamen dann erst um 8.30 Uhr… Wir wollten ihnen ein Trinkgeld geben, was sie nicht haben wollten. Wir haben es Ihnen trotzdem gegeben und hatten dabei fast ein schlechtes Gewissen, weil sie es nicht nehmen wollten. Unglaublich, solche Gastfreundschaft!!! Wir hatten echt überlegt, noch einen weiteren Tag zu bleiben, haben aber beschlossen, unseren ursprünglichen Plan umzusetzen. Direkt an der Altstadt hatten wir einen Parkplatz heraus gesucht neben der berühmten Stari Most.
Die Stari Most ist die Brücke, die in 2006 wieder aufgebaut wurde, nachdem sie 1993 von den Kroaten zerstört wurde. Ursprünglich wurde sie 1566 erbaut und war damals ein Meisterwerk der Ingenieure.
Mittlerweile ist die Brücke als UNESCO Weltkulturerbe gelistet. Aber nicht nur die Brücke, sondern die gesamte Altstadt ist ein Highlight.
Enge Gassen, tolle alte Häuser und glatt gelaufene Steine auf den Wegen. Auch hier wird versucht, von den Touristen durch Restaurants und unzählige Souvenirläden den einen oder anderen Euro zu verdienen. Tatsächlich ist hier auch alles auf Euro ausgelegt, die einheimische Währung ist kaum ausgeschildert.
Da es sich zunehmend mit Touristen gefüllt hat, sind wir gegen 11.30 Uhr geflüchtet. Beim Parkplatz haben wir dann für die ganze Zeit 2 Euro gezahlt. Für die Lage war ich echt positiv überrascht. Aufgrund der Temperaturen wollten wir gen Küste flüchten und mussten leidlich erfahren, dass wir uns ab jetzt auf keine Navis mehr verlassen dürfen. Wir wollten in den unteren Teil von Kroatien, das ja an der Küste ein paar Kilometer von Bosnien-Herzegowina zerschnitten wird. Also haben wir gedacht, da wir ja schon in BiH sind, können wir in dem Schlauch auch an die Küste fahren und müssen dann nur einmal nach Kroatien einreisen. Das war die dümmste Idee ever, denn in unseren Navis waren Straßen verzeichnet, die noch im Bau und noch nicht eröffnet waren. Erste Kilometer konnte man aber schon drauf fahren – bis man abgeleitet wurde und wir dann auf Feldwegen raus gekommen sind mit massig Gegenverkehr und kaum Ausweichmöglichkeiten – und wir mit dem dicken Womo!!! Ich war sowas von dankbar, dass Andi gefahren ist. Ich wäre wahrscheinlich mit ner Panikatacke stehen geblieben… Manchmal hatte man Glück und hatte links und rechts einen Streifen, auf den man ausweichen konnte, oft waren aber auch direkt neben dem Teer große Felsbrocken.
Nach kurzer Zeit standen mitten in der Pampa plötzlich am Rand 3 Polizisten. Wir haben gefragt, ob wir hier richtig sind und sie haben es bestätigt. Die Straße sei nur ziemlich eng und kurvig – sag bloß… Kurze Zeit später standen die nächsten Polizisten da und haben den Verkehr geregelt, da hier irgendeine Veranstaltung war und zu der engen Straße noch alles zu geparkt war. Noch falscher am Platz kann man sich nicht vorkommen… Ab da kamen uns auf 12 km massenhaft andere Autos entgegen und ich war so froh, als vor uns plötzlich wieder ein eröffneter Teil der neuen Straße befahrbar war. Es ist echt heftig, was hier super neue Straßen gebaut werden und wie absolut mittelalterlich die bisherigen sind… Ich hoffe, wir erinnern uns dran, dass es uns bald nicht nochmal passiert. Das schöne ist ja, dass unser eingebautes Navi eigentlich unsere Maße kennt, aber die scheint es heute vergessen zu haben… Nach einer gefühlten Ewigkeit hat sich das Meer wieder vor uns gezeigt und wir haben aufgeatmet. Vor dem Grenzübertritt haben wir unsere restliche Währung noch vertankt und dann waren wir wieder in Kroatien. Was man als Außenstehender sehen kann ist, dass Kroatien das deutlich reichere Land ist, dafür fanden wir die kurz erlebte Gastfreundschaft und Dankbarkeit in BiH unglaublich. Wir haben beschlossen, dass es für heute reicht und wir nicht mehr bis Dubrovnik fahren.
Daher sind wir nach Ston abgebogen, wo die mit 5,5 km lange 2. größte Wehrmauer nach der chinesischen Mauer steht. Sie wurde erbaut zum Schutz der Salzgewinnungsanlagen. Man kann sie entlang wandern, aber uns hat es auf den nahe gelegenen Campingplatz gezogen und wir wollten nur noch abschalten.
Und so haben wir wieder ein ruhiges schattiges Plätzchen am Meer gefunden. Wir sind hier in einer Bucht und wie es aussieht, ist der Platz nicht mehr lange ruhig. Direkt oberhalb am Berg wird nämlich die Autobahn weiter gebaut…. Und dann sind tatsächlich ein paar Wolken aufgezogen und wir haben das erste Mal seit 2 Wochen eine Jacke angezogen. Wir haben den Grill und den Weißwein von gestern heraus geholt und haben die Ruhe genossen…
Heute früh sind wir an der traumhaft schönen Küste weiter gen Süden gefahren. Die Gegend hier kann sich wirklich mit dem Highway Nr. 1 in den USA messen und tatsächlich weiß ich nicht, welche die schönere Küstenstraße ist… Zahlreiche Parkplätze laden zum Anhalten ein. Links die imposanten Berge, rechts das Meer, einfach nur schön.
Irgendwann sind wir ins Landesinnere abgebogen und durch die Berge gefahren, was auch total reizvoll war. Wir sind ein kleines Stück Autobahn gefahren und dann zur Grenze nach Bosnien-Herzegowina gekommen, wo überhaupt nichts los war. Daher waren wir auch kurz danach schon eingereist. Leider hat Andis nagelneuer Reisepaß keinen Stempel bekommen, sondern wurde nur eingelesen. Da Bosnien-Herzegowina – ab jetzt mit BiH abgekürzt – nicht zur EU gehört, haben wir ab jetzt kein Handy-Netz mehr. Da wir nur kurz bleiben wollen, werden wir auch keine einheimische SIM-Karte holen, sondern auf ein WLAN am Campingplatz hoffen. Unser erstes Ziel waren die Kravica- Wasserfälle. In Kroatien haben wir heute auf der Straße soviele Wohnmobile wie noch nie auf der Tour gesehen, nach der Grenze waren wir alleine. Die meisten fahren wohl bis Dubrovnik, aber nicht hierher. Am Parkplatz der Wasserfälle standen demnach nur 3 andere Camper. Wir haben ein schattiges Parkplätzchen gesucht und sind zu den Wasserfällen gelaufen, die ca. 10 Euro Eintritt gekostet haben. Hier gibt es die Konvertible Mark als Währung, die in der Umrechnung DM – Euro gehandelt wird. Zu dem Wasserfall läuft man 400m Treppe bergab. Unten angekommen, bietet sich ein toller Anblick auf die Wasserfälle , die hier bis zu 28 m in die Tiefe fallen.
Unten am Ufer ist alles voll mit Gastronomie und man war über jedes schattige Plätzchen bei mittlerweile 30 Grad froh.
Nachdem wir uns nach dem Aufstieg wieder etwas akklimatisiert hatten, ging es weiter in Richtung Mostar. Das Autofahren wird hier echt interessanter. Gefühlt stehen überall Schilder mit 40 km/h, fahren tun alle 100, die angekündigten Blitzer scheinen nur noch teilweise zu existieren, dafür haben wir 3 mobile Polizeiradarkontrollen gesehen. Wir halten uns einfach an die vorgegeben Geschwindigkeiten und sind im Stau halt ganz vorne… Wir haben an den Tankstellen erstmal die Dieselpreise gecheckt, die ca. 10 Cent günstiger sind als in Kroatien, der Liter kostet ca. 1,65 Euro. Mostar wollen wir uns morgen erst anschauen und da es da nicht die besten Übernachtungsplätze gibt, haben wir ein Camp in Blagaj ausgesucht, das ca. 10 km entfernt liegt. In Blagaj gibt es ein Derwish-Kloster, das vor einen Fels gebaut ist, aus dem der Fluss Buna aus einer Höhle fließt. Das wollte ich unbedingt sehen und das war noch das perfekte Programm für heute Abend. Zuerst haben wir jedoch das Auto Camp Blagaj↗ angesteuert und was wir da erlebt haben, war schon fast beschämend, was das Thema Gastfreundschaft angeht. Das Camp ist ein privates Camp und erstmal hat uns Google Maps völlig in die Irre geführt. Als wir den richtigen Weg gefunden hatten, sind wir auf ein Gartengrundstück gefahren und ein alter Mann hat uns eingewiesen, wo wir uns hinstellen sollen. Er sprach kein Englisch, hat aber nach seiner Tochter oder Schwiegertochter gewunken, die die Einfahrt entlang kam und uns auf englisch herzlich willkommen geheißen hat. Sie hat uns auf einen Stellplatz eingewiesen, uns gefragt, ob wir mit 15 Euro pro Nacht einverstanden wären (unsere günstigste Übernachtung bisher) und uns auf ihre Terrasse eingeladen. Die Terrasse liegt direkt am Fluss und es war herrlich kühl. Wir sollten uns am Kühlschrank ein Begrüßungsgetränk aussuchen und einen schönen Platz suchen. Dann hat sie uns zu den Getränken 2 Stück Kuchen und einen Teller mit frischen Erdbeeren und Kirschen gebracht, alles aufs Haus.
Als unsere Getränke leer waren, hat sie Nachschub gebracht und als ich beim Einchecken die 2. Getränke zahlen wollte, hat sie den Kopf geschüttelt und mir noch eine Flasche Wein in die Hand gedrückt und sich bedankt, dass wir bei ihr sind. Es war mir echt schon fast peinlich!!! So etwas haben wir noch nie erlebt. Wir reichen Deutschen werden so beschenkt, dass wir hier übernachten für den günstigsten Preis. Wir haben die Räder rausgeholt und sind zum 3 km entfernten Derwish- Kloster gefahren.
Davon hatte ich Bilder gesehen und wollte es unbedingt in Echt sehen. Aus einer Höhle im Berg fließt der Fluss heraus und vor der Felswand steht das Kloster. Natürlich wird auch dieser Spot touristisch ausgeschlachtet und es sind überall Restaurants und Buden, wo man alles kaufen kann, was man nicht braucht. Mit unseren Rädern konnten wir bis vorne hin fahren, was deutlich besser war, als die Strecke vom Parkplatz zu laufen. Nachdem wir Bilder gemacht hatten, hatte Andi die Idee, dass wir nochmal zur Festung oberhalb des Klosters hoch fahren könnten. Also sind wir nochmal 3km steil bergauf geradelt, um dann festzustellen, dass es nur zu Fuß weiter geht.
Da es schon so spät war, sind wir umgekehrt. Am Campingplatz saß vorne wieder der alte Mann mit einem Bier und hat auf Kundschaft gewartet. Wir wollten eigentlich heute Abend grillen, da hier aber ein Restaurant angegliedert ist, haben wir beschlossen, hier etwas zu essen. Ansonsten hätten wir echt ein schlechtes Gewissen gehabt. Also hat Andi die Räder wieder verladen und wir sind essen gegangen. Wir haben beide den Bosnischen Teller bestellt und für 6 Euro ein super leckeres Gericht bekommen. Als unsere Getränke leer waren, wurde „aufs Haus“ Nachschub gebracht. Unglaublich…