Heute früh haben wir einen kleinen Abstecher nach Bulgarien gemacht. Einmal, um günstiger zu Tanken und um mal in dem Land gewesen zu sein. Von Rumänien nach Bulgarien hat sich keiner für uns interessiert. Wir haben für 1,20 Euro getankt, waren nochmal kurz am Meer und wollten dann zurück.

Und da wurden wir angehalten, unsere Ausweise und Fahrzeugpapiere wurden verlangt und geprüft. Nach wenigen Minuten kam der Beamte zurück, gab uns unsere Papiere und hat “ Auf Wiedersehen“ auf Deutsch gesagt.
Für uns ging es auf die Autobahn in Richtung Bukarest. Da heute Sonntag ist, waren sehr wenige LKWs unterwegs und es ließ sich super fahren. Die Landschaft war flach und es hätte sich nicht gelohnt, die langsameren Landstraßen zu fahren.

In knapp 3 Stunden waren wir in Bukarest und haben direkt das größte Gebäude Europas, das 2. größte Verwaltungsgebäude der Welt angesteuert, den Parlamentspalast. Er wurde in 1984 begonnen zu bauen im Auftrag des Diktators Ceaucesco. Für den Bau wurden große Teile der historischen Altstadt abgerissen und tausende Menschen umgesiedelt. Nach der Revolution wurde der Bau 1997 vollendet und beherbergt heute unter anderem das Parlament und mehrere Museen.

Nicht weit von dem Palast entfernt gibt es einen bewachten Parkplatz, auf dem man übernachten kann. Wahrscheinlich auch weil Sonntag war, war hier nicht viel los und wir haben bei 32 Grad einen Platz halbwegs unter einem Baum gefunden.

Da sich das Womo trotzdem recht schnell aufgeheizt hat, sind wir direkt in die angrenzende Altstadt gelaufen und haben dabei jedes schattige Plätzchen gesucht. Und die Altstadt hier ist speziell. Alte, sehr coole Gebäude.

Unten meistens Restaurants, oben leider oft leer. Wenn man sich aber überlegt, dass Ceaucesco erst in 1989 gestürzt wurde und das Land sich erstmal von der Diktatur erholen musste, ist es kein Wunder, dass es auch einige Jahre dauert, so eine Stadt wieder aufzubauen.

Dem Land ging es damals überhaupt nicht gut, die Wirtschaft war am Ende. Jahrelang war es Vorschrift, pro Familie 5 Kinder zu zeugen, die dann massenhaft in Kinderheimen gelandet sind, weil die Familien sie nicht ernähren konnten. Die Einwohnerzahl sollte damals von 19 Mio auf 30 Mio gesteigert werden. Effekt war aber, dass die Armut und Kriminalität gestiegen ist.

Und wenn man überlegt, dass das Einkommen hier so gering ist, ist es wahrscheinlich günstiger, solche riesigen Häuser leer stehen zu lassen, statt nicht zu wissen, wie man sie unterhalten soll.

Wir sind kreuz und quer durch die Altstadt gelaufen, bis wir uns in ein klimatisiertes Einkaufszentrum begeben haben, um uns etwas abzukühlen. Vor dem Einkaufszentrum sind die riesigen Brunnenanlagen, die am Wochenende abends eine Wassershow zeigen. Und da heute Sonntag ist, nehmen wir die natürlich später mit.

Die Prachtstraße entlang sind wir dann zu dem riesigen Palast gelaufen. Je näher wir ihm gekommen sind, umso weniger war los. Auf dem Platz vor dem Palast wurde eine Bühne abgebaut. Wahrscheinlich war dort gestern ein Konzert.

Aufgrund der Hitze haben wir das Gebäude nicht umrundet, sondern sind in einen Biergarten, haben uns ein schattiges Plätzchen gesucht und etwas gegessen.
Zurück am Parkplatz waren im Womo 42,8 Grad. Wir waren froh, den Ventilator dabei zu haben und haben versucht, das Womo etwas herunter zu kühlen. Andi ist noch in ein Geschäft gelaufen, während ich am Womo geblieben bin. Dabei kam ein Bettler an den Zaun des Parkplatzes und hat Beeren von einem Busch durch den Zaun gepflückt und gegessen. Schon erschreckend.
Gegen 21 Uhr sind wir die wenigen Meter zur Prachtstraße gelaufen, um die Wasserspiele zu sehen. Über 1,4 km wurden die in den 1980er Jahren gebauten Brunnen renoviert und bieten jetzt im 6. Jahr im Sommer die Inszenierung. Und wir waren sehr erstaunt, wie viele Menschen hier waren. Der große Kreisel, um den heute Mittag noch der Verkehr lief, war für Autos gesperrt und voller Menschen.

Um 21.30 Uhr hat das Spektakel begonnen und ganz ehrlich: das hier ist locker das Niveau von Singapur.

45 Minuten lang kamen alle möglichen internationalen und rumänischen Hits und das Wasser ist in Choreographie mal in die Höhe geschossen, mal an die Seite gespritzt.

Wir waren total fasziniert. So etwas hatten wir nicht erwartet…

